Hirn reagiert gezielt

„Magic Mushrooms“ könnten Depressionen lindern

Wissen
19.08.2026 17:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Wirkstoff in „Magic Mushrooms“ bringt das Gehirn nicht einfach durcheinander. Das sogenannte Psilocybin richtet vielmehr die Hirnaktivität stärker auf das aus, was gerade geschieht. Waren die „Schwammerl“ früher einfach nur als Partydrogen bekannt, könnten sie aufgrund dieser Erkenntnisse zunehmend auch therapeutisch eingesetzt werden. 

Seit Jahren wecken klassische Psychedelika wie Psilocybin, LSD oder DMT Hoffnungen in der Psychiatrie – besonders bei schwer behandelbaren Krankheitsbildern wie der Depression. Doch wie genau ein solcher Rausch zu langfristigen psychischen Veränderungen führen kann, ist noch nicht vollständig geklärt.

Bisherige Studien zeigten, dass Psychedelika festgefahrene Netzwerke des Gehirns lockern. Die sogenannte „Entropie-Hypothese“ geht davon aus, dass dabei eine Art nützliches neurologisches Chaos entsteht: Die gewohnte Ordnung der Hirnaktivität wird gelockert und das Gehirn dadurch flexibler.

Depressionen gehören zu den besonders schwer zu behandelnden, psychischen Krankheiten. Die ...
Depressionen gehören zu den besonders schwer zu behandelnden, psychischen Krankheiten. Die sogenannte psychedelische Therapie könnte hier ein Ansatz sein.(Bild: hikrcn - stock.adobe.com)

Verbunden mit der Umgebung
Die neue Studie eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Universität Zürich zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Die Forschenden untersuchten 62 Erwachsene ohne Psychedelika-Erfahrung unter Psilocybin mittels Hirnscans. Währenddessen ruhten die Probandinnen und Probanden mit geschlossenen Augen, meditierten, hörten Musik oder schauten ein Video. Dabei zeigte sich: Das Gehirn wurde nicht einfach chaotischer. Vielmehr bildete die Hirnaktivität je nach Situation unterschiedliche Muster. Psilocybin schien das Gehirn also stärker auf den jeweiligen Kontext auszurichten.

  Die Forschenden vermuten, dass Psilocybin dabei die Bedeutung bisheriger Erwartungen abschwächt und aktuelle Sinneseindrücke stärker gewichtet. Das könnte erklären, weshalb Menschen während eines psychedelischen Erlebnisses besonders offen und mit ihrer Umgebung verbunden sein können.

Noch viele offene Fragen
Genau darin könnte ein Schlüssel für die Therapie liegen: Das Gehirn könnte vorübergehend empfänglicher für neue Erfahrungen und Perspektiven werden. Tatsächlich zeigte sich in der Studie, die am Mittwoch im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht wurde: Je stärker die Hirnaktivität der Probandinnen und Probanden mit ihrer Umgebung gekoppelt war, desto intensiver erlebten sie ein Gefühl tiefer Verbundenheit. Dieses Gefühl hing am nächsten Tag zudem mit einer positiven Veränderung der Lebenseinstellung und einem stärkeren Gefühl von Sinnhaftigkeit zusammen.

Ob diese stärkere Orientierung am Kontext tatsächlich langfristige psychische Veränderungen verursacht, ist allerdings noch offen. Die Studie wurde zudem mit gesunden Menschen durchgeführt. Ob die Ergebnisse auch für Menschen mit Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen gelten, muss sich erst noch zeigen.

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