Lego gilt seit Jahrzehnten als oberster Maßstab für Klemmbausteine. Langlebig, hoher Spaßfaktor, gute Beschäftigungstherapie für Groß und Klein – das dänische Spielzeug sackt seit Jahrzehnten unfassbare Umsätze ein. Wer lieber auf österreichische Alternativen im Freispiel setzt, bekommt hier eine tolle Auswahl.
Es ist ein unscheinbares Gebäude am Stadtrand von Tulln (NÖ). Im ersten Stock arbeiten drei Mitarbeiter intensiv am Schreibtisch. Im Erdgeschoss befindet sich ein Lager, in dem hunderte Kartons darauf warten, verschickt zu werden. Die Firma Bioblo mit den Gründern Hannes Frech (Materialexperte), Stefan Friedrich (Geschäftsführer) sowie Dietmar Kreil (Art Director) stellt Bausteine aus umweltfreundlichem Material her. Dazu werden Holzspäne von Nadelbäumen aus nachhaltiger Forstwirtschaft sowie Recycling-Kunststoff verwendet. „Durch den hohen Holzanteil haben die Steine nicht nur eine tolle Haptik, sondern auch einen sehr angenehmen Geruch“, ist Geschäftsführer Stefan Friedrich vom Produkt angetan.
Natur hilft bei der Stabilität
Der 12 cm lange und 2,4 cm breite Standardstein ist durch seine Wabenform stabil und leicht. „Wir haben uns dabei an der Natur orientiert und uns der genialen Konstruktionsweise der Bienenwaben bedient.“ Mit den Steinen, die nicht fest miteinander verbunden werden, können mit etwas Geschick und Fantasie sämtliche Kunstwerke gebaut werden. Dabei bleibt es den Kindern überlassen, ob sie sich an die Bauanleitung halten, oder ihrer Kreativität freien Lauf lassen.
Bisher finden die Steine hauptsächlich in Kindergärten Anwendung. „Von dort erhalten wir überwältigendes Feedback. Die Kinder lieben diese Steine.“ Rund 30 Millionen Steine wurden bereits verkauft, doch es ist noch genügend Luft nach oben. „Um richtig groß rauszukommen, fehlt es noch an Bekanntheit“, so Friedrich, der einen Haken beim Verkauf im Einzelhandel sieht. „Man muss den Leuten das Prinzip der Steine erklären, denn sie unterscheiden sich doch stark von bekannten Klemmbausteinen. Die Packung einfach ins Regal zu stellen, ist zu wenig.“


Logos, Maskottchen und wahre Bau-Kunstwerke
Vor Jahren blieb ein Auftritt bei „2 Minuten, 2 Millionen“, ohne bahnbrechenden Erfolg. Dafür werden Aufträge von Firmen immer interessanter. „Wir bieten an, Logos oder Maskottchen aus Bioblos zu bauen. Diese können als Giveaway oder Streuartikel mit individuellem Co-Branding verwendet werden.“
Seit Kurzem fährt Bioblo auf mehreren Schienen durch die Kinderzimmer. „Pixel“ sind 2,4 mal 2,4 Zentimeter große Steine, die perfekt in einen Holz-Bilderrahmen passen. Auch hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Den Rahmen kann man sich danach als Bild an die Wand hängen“, zeigt Friedrich begeistert die Kunstwerke im Firmenbüro her.
Mit dem „Jumbo“ gibt es auch noch eine größere Version des Bioblo-Steins. Er ist achtmal so groß und bietet so auch kleineren Kindern größtmöglichen Spielspaß. Haptisch einzigartig entstehen im Handumdrehen schwindelerregende hohe Türme, massive Wände und riesige Figuren.
Legendäre Steine aus Holz
Die zweite Alternative stammt aus dem Waldviertel und hatte vor Jahrzehnten einen Fixplatz in den Kinderzimmern dieses Landes: Matador! Ein paar Bauklötze, Steckverbindungen, bunte Holzräder – schon war der Nachmittag der 1980er-Jahre gerettet. Der Firmensitz im niederösterreichischen Markersdorf samt Produktion in Waidhofen an der Thaya verspricht einzigartige Qualität sowie ein kreatives Spielerlebnis.
Mit der weltweiten Konkurrenz weiß die Firma umzugehen: Billighersteller aus China scheitern beim Nachbau-Versuch, „weil sie an ihren Standorten wegen der hohen Luftfeuchtigkeit die nötige Qualität nicht erreichen“, weiß Geschäftsführer Michael Tobias. „Wir bohren immerhin auf Fünfhundertstelmillimeter genau!“
Zudem sticht man punkto Nachhaltigkeit die Technic-Schiene des berühmten dänischen Plastiksteinchen-Riesen aus -bis auf wenige Ministücke ist bei Matador alles aus Holz! „Und doch ist es mir lieber“, sagt Tobias, „Kinder spielen mit Bausteinen der Konkurrenz, als dass sie nur noch vor Konsolen sitzen oder ins Handyschauen!“
Kreativität aus Wien
Seit 2011 ist mit Stecko eine weitere Alternative am Markt. Das Konzept der Plastik-Steine ist einfach. Durch ein durchdachtes Stecksystem ist es mit ganz wenigen unterschiedlichen Steinen möglich, so gut wie alle Figuren zu bauen. „Durch das bewusste Weglassen jeglicher Bauanleitungen werden sowohl Kreativität als auch Fantasie der Benutzer angeregt. Unsere innovativen Spielsteine aus Österreich trainieren auch haptische Fähigkeiten sowie das besonders für Kinder wichtige räumliche Vorstellungsvermögen“, so Erfinder Erich Kollin, der ursprünglich Lärmschutzwände damit entwickeln wollte.
Als pädagogisch wertvolles Spielmaterial eignet sich Stecko besonders für den Einsatz in Kindergärten, Horten und Schulen. „Beim Bauen wird insbesondere das räumliche Vorstellungsvermögen, die Feinmotorik und die haptischen Fähigkeiten der Kinder gestärkt. Gleichzeitig fördert das konzentrierte Konstruieren Aufmerksamkeit, Ausdauer und Problemlösungskompetenz auf spielerische Weise“, so Kollin, der vor allem von Kindern positives Feedback erntet.
Einzigartig wird Stecko vor allem durch die dreidimensionale Verzahnung, die eine extrem hohe Stabilität bringt. Damit sind Bauten bis zu drei Meter Höhe möglich. „Das unterscheidet Stecko deutlich von herkömmlichen Baukastensystemen“, so Kollin, der ebenso wie Bioblo mit der Bekanntheit der Marke kämpft. Über den Umweg der Kindergärten will es Kollin in die heimischen Kinderzimmer schaffen. Dass er dabei gegen unantastbare Konkurrenten wie Lego antreten muss, ist dem Erfinder bewusst. Für sein großartiges Produkt lohnt es sich aber, zu kämpfen.
In naher Zukunft wird ein weiterer Stein ins Sortiment dazukommen. „Die Stein-Erfindung ist bereits angemeldet und steht kurz vor der Veröffentlichung“, so der Wahl-Kärntner, der seine Steine in Österreich erzeugen lässt.
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