Viele Männer sehen Adipositas nicht als Erkrankung. Nur 57 Prozent empfinden hierzulande ihr krankhaftes Übergewicht als medizinisches Problem (71 Prozent weltweit), wie eine Untersuchung des Marktforschungs- und Meinungsforschungsinstitut „Ipsos“ zeigt. Nur jeder Vierte suchte wegen Übergewicht einen Arzt auf.
Adipositas wird noch immer häufig als reine Frage der Disziplin gesehen – und zu selten als ernst zu nehmende chronische Erkrankung. „Viele Betroffene unterschätzen die langfristigen gesundheitlichen Folgen von Übergewicht deutlich“, betont der Internist Univ.-Prof. Prim. Dir. Dr. Friedrich Hoppichler von SIPCAN.
Eine schwedische Studie mit über 250.000 Männern zeigt: In etwa 23 Jahren starben 86.673 Männer. Eine starke Gewichtszunahme in der Jugend bzw. früher Adipositasbeginn waren dabei klar mit höherer Gesamtsterblichkeit verbunden. Besonders steht die Gewichtszunahme zwischen 17 und 29 Jahren mit höherer Sterblichkeit in Zusammenhang, vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Typ-2-Diabetes.
Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen das Risiko deutlich: Eine Untersuchung mit über 22.000 Teilnehmern über 5 Jahre zeigte, dass diejenigen mit dem höchsten Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln ein 79 Prozent höheres Risiko für Adipositas hatten als jene Teilnehmer, die am wenigsten dieser Produkte konsumierten.
Keine Crash-Diäten!
Die meisten Diäten führen zwar zu anfänglichem Gewichtsverlust, aber häufig zu einer Gewichtszunahme nach einigen Monaten. Ein großer Teil der Menschen nimmt das verlorene Gewicht wieder zu („Jo-Jo-Effekt“). Der Grund: Der Körper reagiert auf Kalorienrestriktion mit gesteigertem Hunger und reduziertem Energieverbrauch. Abnehmen wird zunehmend schwieriger. Zudem erhöhen Diäten das Risiko für gestörtes Essverhalten.
„Nachhaltige Gewichtsreduktion gelingt meist besser durch kleine, konstante Veränderungen und feste Routinen als durch Verbote, Extremprogramme oder reine Willenskraft“, erläutert Univ.-Lektor Mag. Dr. Manuel Schätzer, Ernährungswissenschafter von SIPCAN. „Entscheidend ist nicht perfekte Motivation, sondern langfristige Konstanz im Alltag.“
Viele Männer erfahren erst durch niederschwellige Gesundheitschecks, dass bestimmte Risikofaktoren bereits vorhanden sind – und sie handeln sollten.

Univ.-Lektor Mag. Dr. Manuel Schätzer, Ernährungswissenschafter von SIPCAN.
Bild: Schätzer; Sipcan
Eiweiß in jede Mahlzeit einbauen
Höhere Proteinzufuhr fördert Sättigung, erleichtert die Kalorienkontrolle und hilft, Muskelmasse beim Abnehmen zu erhalten. Jede Hauptmahlzeit nach dem „Protein + Gemüse-Prinzip“ bauen: z. B. Huhn, Fisch, Skyr, Tofu oder Eier plus viel Gemüse und eine moderate Portion Kohlenhydrate. Protein unterstützt Sättigung, Gemüse senkt die Energiedichte der Mahlzeit.
Viel trinken, aber flüssige Kalorien vermeiden
Wasser und ungesüßter Tee sind die beste Wahl, empfehlenswert sind 2 bis 3 Liter pro Tag. Softdrinks und Bier als Standardroutine vermeiden. Flüssige Kalorien (besonders Bier und Softdrinks) werden oft unterschätzt und fördern Übergewicht, da sie den Blutzucker schnell ansteigen lassen, ohne Sättigung zu bieten – bei Männern häufig durch regelmäßiges Biertrinken problematisch. Ein 0,5-Liter-Bier bringt ca. 200 kcal, ohne dass man es merkt. Deshalb bei Durst lieber zum Wasser und Mineralwasser greifen!
Dr. Schätzer: „Alkohol liefert allgemein viele Kalorien und verschlechtert langfristig die Gewichtsabnahme. Für viele Männer ist das eine der größten ,versteckten´ Bremsen. Alkohol kann Appetit und Kalorienaufnahme steigern und senkt die Fettverbrennung.“
Süßungsmittel sind nicht die Lösung
Süßstoffe wie Aspartam und Acesulfam K stehen immer wieder in der Kritik. Studien diskutieren mögliche Auswirkungen auf Stoffwechsel und Appetitregulation. Auch die WHO empfiehlt, Süßstoffe nicht als Strategie zur langfristigen Gewichtskontrolle einzusetzen. „Sinnvoll kann es daher sein, Süßungsmittel möglichst zu reduzieren und dem Körper die Chance zu geben, sich schrittweise an einen weniger süßen Geschmack zu gewöhnen. Wasser mit Zitrone oder Minze kann dabei eine geschmackvolle Alternative zu Light-Getränken sein“, sagt Dr. Schätzer.
Krafttraining fix einplanen
Muskelaufbau- und Kraftreize sind wichtig, damit beim Abnehmen nicht unnötig Muskelmasse verloren geht. Für Männer ist oft die Kombination aus Krafttraining plus moderater Alltagsbewegung besonders effektiv, weil sie Fettverlust fördert und gleichzeitig die Muskeln schützt. Am besten 3-mal Krafttraining pro Woche, täglich 7000 bis 10.000 Schritte oder 30 bis 60 Minuten Bewegung. Weniger Sitzen am Stück, lieber öfter aufstehen und umhergehen!
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