Psychische Erkrankung

Warum Schlafmangel seelische Wunden aufkratzt

Regeneration & Schlaf
10.05.2026 17:00

Schlaflose Nächte sind mehr als nur lästig – sie können auch die seelische Balance aus dem Takt bringen. Doch was kommt zuerst: Schlechter Schlaf oder die psychische Belastung? Und wie hängen Träume damit zusammen? Schlafforscherin Dr. Brigitte Holzinger wirft einen Blick auf das Thema, das viele Österreicher betrifft.

Schlaf und seelische Gesundheit hängen eng zusammen. Viele Menschen merken das erst, wenn die Nächte schwieriger werden. Dabei gilt: Es ist keine Einbahnstraße. Schlechter Schlaf kann die Stimmung drücken – und umgekehrt können seelische Belastungen den Schlaf stören. Fachleute sprechen hier von einer Wechselwirkung (bidirektional).

„Besonders deutlich sieht man das bei Depressionen. Wer schlecht schläft, kann Depressionen entwickeln. Gleichzeitig führen Depressionen oft zu Ein- oder Durchschlafproblemen“, erklärt Priv.-Doz. Mag. Dr. Brigitte Holzinger, Institut für Traum- und Bewusstseinsforschung, Österr. Gesellschaft für Schlafmedizin.

„Besonders deutlich ist der Zusammenhang und Teufelskreis bei der ,Posttraumatischen Belastungsstörung‘ (PTBS). Dabei handelt es sich um eine psychische Erkrankung, die nach extrem belastenden oder traumatischen Ereignissen auftreten kann und sich unter anderem durch wiederkehrende belastende Erinnerungen, Vermeidung, erhöhte Anspannung und emotionale Veränderungen äußert. Typisch ist dann auch, dass der Schlaf oft unterbrochen, unruhig und von intensiven Träumen geprägt ist“, erläutert die Forscherin.

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Schlaf und psychische Erkrankungen hängen eng zusammen – ein Feld, in dem wir für Patienten hoffentlich noch viele Lösungen finden werden.

Priv.-Doz. Mag. Dr. Brigitte Holzinger, Institut für Traum- und Bewusstseinsforschung, Österr. Gesellschaft für Schlafmedizin

Aus dem Gleichgewicht?
Woran merkt man beim Schlaf, dass psychisch etwas aus dem Gleichgewicht gerät oder bereits geraten ist? „Wie Schlaf individuell auf psychische Vorgänge reagiert, ist leider sehr komplex“, so Doz. Holzinger. Erste Hinweise können (müssen aber nicht) sein: Man liegt lange wach, schreckt nachts oft auf oder fühlt sich in der Früh nicht erholt.

„Generell raten wir im Schlafcoaching auf regelmäßige Uhrzeiten beim Zubettgehen und Aufstehen zu achten. Denn es dürfte vorrangig die innere Uhr sein, die mit unserem Wohlbefinden und Gefühl, ausgeruht zu sein, zusammenhängt.“ Diese innere Uhr steuert, wann wir müde werden und wann wir wach sind. Achten wir auf Regelmäßigkeit, unterstützt dies den Schlaf und wirkt sich positiv auf die psychische Verfassung aus.

Träume und psychische Gesundheit
Verraten Träume etwas über die psychische Gesundheit? Können diese auf Depressionen, Ängste oder Traumata hinweisen? „Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen“, klärt die Expertin auf. „Wiederkehrende Albträume können aber als ein möglicher Versuch des Gehirns verstanden werden, belastende Erlebnisse zu verarbeiten – auch wenn ihre genaue Bedeutung individuell ist.“ Deshalb wird im „Schlafcoaching“ (nach Holzinger & Klösch) viel Wert auf die persönliche Situation gelegt.

Kann besserer Schlaf helfen, psychische Erkrankungen zu lindern? Darauf deuten Forschungen tatsächlich hin. „Es wird immer klarer, dass viele psychische Erkrankungen mit Schlafproblemen einhergehen. Leider werden Schlafstörungen dann jedoch meist falsch, nämlich in erster Linie mit Medikamenten, behandelt. Dabei weiß man aus der Auswertung vieler Studien, dass psychologische Maßnahmen häufig die wirksamste Behandlung wären“, berichtet Dr. Holzinger, die u.a. an der „Europäischen Leitlinie zur Insomnie“ mitgearbeitet hat.

Maßnahmen, um gut zu schlafen, kann man etwa beim Schlafcoaching erlernen. Dazu gehören Entspannungsübungen, der bewusste Umgang mit Gedanken vor dem Einschlafen und das Erlernen fester Schlafzeiten.

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