Sechs Wochen statt neun Wochen schulfrei wären für viele Mütter und Väter eine Erleichterung. Denn die Kinderbetreuung in den Ferien ist teuer und wird für berufstätige Eltern zur logistischen Herausforderung.
Bald ist Zeugnisverteilung. Für viele Eltern werden die neun Wochen schulfrei zum organisatorischen und finanziellen Kraftakt. Denn wer nicht auf die Unterstützung von Oma und Opa zählen kann, brennt wie ein Luster.
Laut AK kostet eine Woche Feriencamp im Schnitt 415 Euro. Selbst städtische Angebote gehen ins Geld.
„Die Ferienbetreuung für zwei Kinder kostet derzeit rund 320 Euro für zwei Wochen. Hochgerechnet auf neun Wochen entstehen dadurch Kosten von etwa 1440 Euro pro Sommer – nur für die Betreuung, ohne zusätzliche Ausgaben wie Essen“, rechnet eine zweifache Mutter aus Wien vor.
Ruf nach Neuordnung der Sommerferien
Elternvertreter aus der Bundeshauptstadt preschen – wie berichtet – vor und fordern, die Sommerferien von neun auf sechs Wochen zu kürzen. Außerdem soll die Sommerschule weiter ausgebaut werden. „Wir fordern, dass die Ferien neu geordnet werden“, sagt Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbandes der Elternvereine. Dazu zählen auch die Herbstferien, die ursprünglich die schulautonomen Tage ersetzen sollten, aber die Schüler kurz nach Schulstart wieder aus dem Lernrhythmus bringen.
Nicht alle Landesverbände ziehen mit
Doch nicht alle Landesverbände ziehen mit. So zeigen sich Tiroler und Vorarlberger mit der jetzigen Situation zufrieden. Im Westen kann öfter auf die Großfamilie zurückgegriffen werden, während Wien den höchsten Anteil an Alleinerzieherinnen aufweist.
Die Frage nach einer Verkürzung der Sommerferien stellt sich für uns derzeit nicht. Im Regierungsprogramm haben wir den Ausbau der Sommerschule fixiert.
Aus dem Bildungsministerium
Auch Oberösterreich, die Steiermark und Kärnten können einer Neuregelung etwas abgewinnen.
„Wenn es wissenschaftlich belegt werden kann, dass eine neue Ferienordnung pädagogische Vorteile bringt, sollte man darüber sachlich-konstruktiv diskutieren“, erklärt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger. Derzeit gibt es aber keine solche Studie.
Klares Nein aus dem Bildungsministerium
„Wir haben im Regierungsprogramm den Ausbau der Sommerschule fixiert. Damit ist sichergestellt, dass jene Kinder und Jugendlichen, die es brauchen, in den letzten beiden Ferienwochen Lerninhalte auffrischen können, um so einen Startvorteil im neuen Schuljahr zu haben“, heißt es aus dem Bildungsministerium
Das sagen unsere „Krone“-Leser:
„Ich wäre klar für eine Verkürzung der Ferien. Mein Mann und ich sind beide berufstätig. Ich arbeite halbtags und er im Schichtbetrieb. Wir sind auf Omas und Opas angewiesen. Ohne unsere Eltern wüssten wir nicht, wie wir es sonst bewerkstelligen würden. Sie helfen uns sehr.“

Nina Aigner, Muhr/Lungau (Salzburg)
Bild: Roland Holitzky
„Man muss differenzieren zwischen Volksschülern und älteren Schülern. Wegen der Betreuungspflichten wäre eine Verkürzung bei den Jüngeren eventuell sinnvoll. Bei Jugendlichen fände ich es weniger sinnvoll. Mit Ferialjobs und Praktika sammeln sie im Sommer auch erste Berufserfahrung.“

Martin Oberweger, Patsch in Tirol:
Bild: Christof Birbaumer
„Für Eltern, die keine Betreuung für ihren Nachwuchs haben, wären kürzere Sommerferien sicher leichter zu bewältigen. Mich betrifft diese Problematik zum Glück überhaupt nicht, weil meine Mutter sich immer dann um meine Tochter kümmern kann, wenn ich in der Arbeit bin.“

Lisa Ortner, Altheim (Oberösterreich):
Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger
„Ich persönlich würde als berufstätige Mutter von drei Kindern eine Verkürzung der Sommerferien absolut begrüßen. Die derzeitige Praxis ist komplett aus der Zeit gefallen und geht an der Lebensrealität der meisten Familien vorbei. Zudem ist die lange Lernpause auch für viele Kinder ein Problem.“

Miriam Schier, Hohenems (Vorarlberg)
Bild: Miriam Schier
„Auf keinen Fall kürzen! Die 9 Wochen sind für die Kinder wichtig, damit man das Schuljahr abschließen und verarbeiten kann. Die Kinder brauchen in dieser schnelllebigen Gesellschaft Zeit, um den schulischen Druck abbauen zu können. Und Zeit auch für Freunde, Spaß und einfach Kind sein dürfen.“

Kerstin Lang-Schmidt, Zwettl (Niederösterreich)
Bild: Attila Molnar
„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass verkürzte Sommerferien für manche Eltern von Vorteil wären. Bei uns in der Familie können allerdings die älteren Kinder auf die kleineren schauen, daher finde ich es besser, die Regelung auch in Zukunft bei neun Wochen zu belassen. Das passt für uns einfach am besten.“

Valentina Titova (Steiermark):
Bild: Christian Jauschowetz
Burgenland als Musterschüler
Musterschüler bei den Sommerschulen ist übrigens das Burgenland. Hier sind die Kinder bei der Vorbereitung auf das kommende Schuljahr in Leistungsgruppen eingeteilt, während etwa in der Bundeshauptstadt der gute Schüler neben dem schlechten sitzt, der kaum eine Aufgabe lösen kann.
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