Es ist das Thema, das die Wall Street derzeit elektrisiert. Gleich drei Tech-Giganten – SpaceX, Anthropic und OpenAI – machen sich bereit für den Sprung aufs Parkett. Es sind die größten Börsengänge der Geschichte, die den Markt für immer verändern könnten. Aktienexpertin Monika Rosen (Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft) gibt die wichtigsten Einordnungen zu diesem historischen Ereignis.
Die Zahlen sind schwindelerregend: Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX zielt auf eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar ab. Das wäre fast das Doppelte des bisherigen Rekordhalters Saudi Aramco. Doch SpaceX ist nur ein Teil eines Phänomens. Die KI-Schwergewichte Anthropic (965 Milliarden Dollar) und OpenAI (852 Milliarden Dollar) folgen dicht auf den Fersen.
„Wenn man von der Annahme ausgeht, dass alle drei Unternehmen einen Börsenwert von rund einer Billion Dollar oder mehr erzielen, dann landen alle drei in der absoluten Oberliga der Wall Street“, so Rosen. Derzeit gibt es weltweit nur 14 Unternehmen mit einer solchen Marktmacht.
Der Countdown läuft: Wer geht wann an die Börse?
Der Startschuss fällt bereits am heutigen Freitag mit dem Börsendebüt von SpaceX an der Nasdaq. Das Unternehmen will dabei bis zu 75 Milliarden Dollar einsammeln – so viel wie nie zuvor.
Das KI-Unternehmen Anthropic hat die vertraulichen Unterlagen für einen Börsengang bereits am 1. Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, KI-Rivale OpenAI (ChatGPT) zog am 8. Juni nach. Die Börsenpläne der beiden Konkurrenten könnten bereits im Herbst dieses Jahres umgesetzt werden. Rosen bezeichnet dies als „historisch, vor allem bezüglich ihrer Größe“.
Kritische Stimmen: Droht eine neue Dotcom-Blase?
Trotz der Euphorie – oder vielleicht gerade deswegen – mischen sich warnende Töne in den Jubel, die potenziellen Anlegern zu denken geben sollten. Rosen warnt vor der hohen Marktkonzentration: „Wenn die Unternehmen in diesem Segment enttäuschen, könnte das sehr wohl eine Korrektur im Gesamtmarkt auslösen.“ Als Vergleich dient die Dotcom-Blase der Jahre 1999/2000.
Die Fundamentaldaten sind gemischt:
Ein Experiment namens SpaceX: 30 Prozent für Privatanleger
Besonders bemerkenswert ist die Strategie von Elon Musk beim SpaceX-IPO. Rosen fragt kritisch: „Will Musk hier seine Fangemeinde nutzen, um den Börsengang zu pushen?“ Rund 30 Prozent der Aktien sind für Privatanleger reserviert – ein ungewöhnlich hoher Wert, normalerweise sind es nur 5 bis 10 Prozent.
Diese Taktik geht als „Experiment“ durch die Fachwelt. Marktstrategen sprechen von einer Verlagerung der Preisfindung weg von den Banken hin zur breiten Masse. Das Interesse ist riesig – SpaceX sei bereits „mehrfach überzeichnet“, so Rosen.
Wie Privatanleger trotzdem profitieren können
Für normale Anleger aus Österreich wird es schwer, tatsächlich gleich beim Börsengang Aktien der drei Schwergewichte zu ergattern. Rosen rät zu Geduld: „Auch wenn die Emission jetzt schlagzeilenträchtig ist, kann es sinnvoll sein, etwas abzuwarten. Bei den heute etablierten Tech-Aktien gab es auch nach dem Börsengang noch genug Zeit zum Einstieg.“
Ein wichtiger Hinweis für ETF-Sparer: Wer etwa einen ETF auf den Index „Nasdaq 100“ bespart, wird SpaceX schon nach 15 Handelstagen indirekt im Depot haben. Beim S&P500 muss man sich aufgrund strengerer Regeln mindestens 12 Monate gedulden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Mega-IPOs die hohen Erwartungen erfüllen können – oder ob der Hype tatsächlich eine neue Blase ist.
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