Ein Waldviertler Unternehmer stand heute in Krems vor Gericht – die „Krone“ hat berichtet. Türkische Importeure werfen ihm vor, für einen Teil der transportieren Rinder keine Importbewilligung gehabt und sie darüber hinaus zwei Monate zu spät verschifft zu haben. Dabei geht es um Rückforderungen in Millionenhöhe!
Wochenlang harrten tausende Rinder auf einem Schiff vor der türkischen Küste aus. Hunderte Tiere starben, Kälber kamen unter widrigsten Bedingungen zur Welt. Nun beschäftigt die Tragödie rund um die „Spiridon II“ die Gerichte – doch im Mittelpunkt steht nicht das Schicksal der Tiere, sondern ein Streit um Millionen.
Vor dem Landesgericht Krems wurde am Freitag über die Folgen des gescheiterten Tiertransports verhandelt. Türkische Rinder-Importeure fordern von einem Waldviertler Unternehmer die Rückzahlung einer Anzahlung von rund 1,8 Millionen Euro. Eine Einigung kam nicht zustande, die Verhandlung wurde auf Mitte November vertagt.
Lange Wartezeit auf See
Im Gerichtssaal drehte sich vieles um die Frage, wer für den schlechten Zustand der Tiere bei ihrer Ankunft verantwortlich war. Waren die Probleme bereits bei der Verladung in Uruguay angelegt oder entstanden sie erst während der wochenlangen Blockade vor der türkischen Küste? Die beklagte Seite sieht die Ursache in der außergewöhnlich langen Wartezeit vor der Einfahrt in die Türkei. Die Kläger wiederum werfen dem Unternehmen vor, sie getäuscht und ein für den Transport ungeeignetes Schiff eingesetzt zu haben.
Bilder gingen um die Welt
Internationale Aufmerksamkeit erlangte der Fall, weil die „Spiridon II“ im Herbst 2025 mit knapp 3.000 Rindern aus Uruguay in Richtung Türkei unterwegs war und schließlich wochenlang vor der Küste festsaß. Die türkischen Behörden verweigerten die Einfuhr, weil zahlreiche Tiere laut offiziellen Angaben nicht eindeutig identifizierbar waren oder nicht auf den Importlisten standen. Während der Überfahrt starben hunderte Tiere, gleichzeitig wurden dutzende Kälber an Bord geboren – mitten auf See und unter äußerst schwierigen Bedingungen.
Tierschützer kritisieren stark
Besonders bitter: Das Leid der Tiere spielt in dem Verfahren kaum eine Rolle. „Vor Gericht ging es heute vor allem darum, wann das finanzielle Risiko von Verkäufer auf Käufer übergeht. Auch bei der nächsten Verhandlung wird es keine Rolle spielen, dass tausende Tiere wochenlang auf einem Schiff festsaßen. Der Fall ‚Spiridon II‘ zeigt, dass mögliche Tierschutzvergehen bei Schiffstransporten nicht verfolgt werden können“, kritisiert Ann-Kathrin Freude von der Aufdeckerplattform „The Marker“.
Die Organisation hatte den Fall gemeinsam mit Tierschützern der „Animal Welfare Foundation“ öffentlich gemacht. Auch dort sieht in diesem Fall ein grundlegendes Problem. „Aktuell sind Tiere bei Tiertransporten per Schiff nicht geschützt. Immer wieder gibt es Fälle von großem Tierleid bei diesen grausamen Transporten – und die Verantwortlichen schieben einander die Schuld zu. Genau deshalb braucht es endlich verbindliche Tierschutzstandards, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Gerade in diesem undurchsichtigen Geschäft“, fordert Maria Boada Saña, Projektleiterin für Tiertransporte per Schiff.
Forderung wird immer lauter
Auch die „Krone“ mach Langstreckentransporte per LKW und Schiff immer wieder zum Thema und fordert ein Ende dieser grausamen Praktiken. „Wenn tausende Tiere wochenlang auf engem Raum ausharren, leiden und sterben, darf das nicht einfach als Kollateralschaden eines Geschäftsmodells betrachtet werden. Tiere sind keine Ware – ihr Schutz muss endlich oberste Priorität haben“, zeigt sich auch „Krone“ Tierecke Leiterin Maggie Entenfellner kämpferisch.
Das Leid tausender Tiere darf nicht hinter einem Streit um Millionen verschwinden.

Maggie Entenfellner, „Krone“ Tierecke
Bild: Reinhard Holl
Tatsächlich werden in der Europäischen Union jedes Jahr rund drei Millionen Tiere per Schiff in Drittstaaten exportiert. Der Fall der „Spiridon II“ zeigt einmal mehr, wie schnell dabei wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund rücken – während die Tiere selbst am Ende oft ohne jede Stimme bleiben.
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