Stark benachteiligt

Psychisch Kranke von der Medizin „vergessen“

Gesund
23.03.2026 09:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Schwer psychisch Kranke sind oft gesundheitlich schlecht versorgt. Deshalb haben sie auch wegen physischer Erkrankungen eine drastisch verkürzte Lebenserwartung, die sich im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung nicht verbessert. Ein Team von Experten fordert klare Veränderungen im Gesundheitswesen.

Pro Jahr erkrankt in Österreich ein Viertel der 18- bis 65-Jährigen an einem psychischen Leiden. Angststörungen und Depressionen (zu jedem Zeitpunkt rund 6,5 Prozent der Erwachsenen) sind am häufigsten. Auch bipolare Störungen, Schizophrenie (rund ein Prozent der Erwachsenen) und Suchterkrankungen lassen die Betroffenen oft lebenslang leiden. Eine Problematik liegt darin, wie gut die psychiatrische Betreuung ist. Doch es gibt auch noch ein anderes, riesiges Problem: Physische Erkrankungen und Risikofaktoren dafür, welche diese Menschen oft ganz besonders treffen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenleiden, Krebs
„Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (SMI) haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine deutlich reduzierte Lebenserwartung. Verschärft wird dies durch schlechte Behandlungsergebnisse und eine geringere Versorgungsqualität“, schreibt ein internationales Expertenteam, unter ihnen auch Wissenschafter der MedUnis in Wien und Graz in der Fachzeitschrift „Neuroscience Applied“. Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Multimorbidität und Krebs machen sich diese Probleme bemerkbar.

Lebenserwartung bis zu 20 Jahre kürzer
Die Lebenserwartung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sei „typischerweise zehn bis 20 Jahre kürzer als jene der Allgemeinbevölkerung.“ Obwohl „unnatürliche“ Todesfälle, einschließlich Suizide, zu dieser Diskrepanz beitrügen, seien aber etwa „70 Prozent der Todesfälle in dieser Bevölkerungsgruppe auf natürliche Ursachen zurückzuführen“, so die Experten. Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen seien dafür die Hauptursache. Hinzu komme eine hohe Krebsrate.

„Kein Fortschritt bei psychisch Kranken“
Die Konsequenz daraus: „Während die Lebenserwartung in den meisten europäischen Ländern und Staaten Nordamerikas in der Vergangenheit ständig stieg, haben Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen keine vergleichbaren Fortschritte erzielt.“ Am wichtigsten sei es deshalb, die physische Gesundheitsversorgung in die Psychiatrie fix einzubauen, wie die Experten meinen. Mittel und Wege zur Prävention und besseren Behandlung somatischer Erkrankungen sind für die Allgemeinbevölkerung völlig klar, bei psychisch Kranken aber oft vernachlässigt.

„Rauchen, Adipositas und Cholesterin in den Griff bekommen“
Diese Gegenstrategien fordern die Fachleute: Verbesserte Aufklärung und Anleitung zum effektiven Management von Gesundheitsrisiken wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen (Cholesterin) sowie zur Einhaltung der empfohlenen Einnahme von Arzneimitteln. Psychisch Kranke weisen eine oft besonders hohe Raucherquote auf. Hier sollten alle Register für einen Rauchstopp inklusive von medikamentösen Maßnahmen gezogen werden. Der dritte Punkt ist das Management von Adipositas und frühzeitiger Gewichtszunahme. Zusätzlich sollen „therapeutische Allianzen“ zwischen Psychiatrie und somatischer Medizin die Versorgung optimieren.

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