Frauen unterschätzen oft die Bedeutung einer Herzrehabilitation – und werden auch seltener zugewiesen. Familiäre Verpflichtungen, psychische Belastungen und fehlende Unterstützung sind nur einige der Gründe. „Sie“ stellt eigene Bedürfnisse zu oft hinten an. Dabei ist die Reha entscheidend für die Rückkehr ins Leben.
Experten und Expertinnen empfehlen Rehabilitationsaufenthalte nach Herzkrankheiten wie etwa einem Infarkt. Wie wichtig das ist, wird aber unterschätzt, nicht selten von den Frauen selbst! „Frauen suchen auch bei akuten Ereignissen oft wesentlich später Hilfe als Männer – die eigenen Bedürfnisse werden stets in den Hintergrund gestellt. Zudem treten Ängste sowie depressive Störungen bei Frauen häufiger auf als bei Männern“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Strametz-Juranek, ärztliche Leiterin im Reha-Zentrum Bad Tatzmannsdorf (B) der Pensionsversicherung (PV).
Die eigene Gesundheit wird von „ihr“ oft hintangestellt: „Reha wird von Frauen oft nicht in Anspruch genommen, weil sie denken, dass sie nicht so lange von zu Hause weg sein können oder auch die Pflege von nahen Angehörigen vorwiegend von Frauen geleistet wird“, so die Kardiologin.
Sieht man sich die Zuweisungsrate unter geschlechtsspezifischen Aspekten an, ist es offensichtlich, dass Frauen deutlich weniger oft zur Herz-Kreislauf-Rehabilitation zugewiesen werden. 2023 nahm das Reha-Zentrum Bad Tatzmannsdorf der Pensionsversicherung (PV) 67% Männer und 33% Frauen auf.
Was erwartet mich in der Reha?
Grundlage jeder Rehabilitation sind ein maßgeschneiderter, auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmter, Therapieplan sowie die persönlichen Reha-Ziele. „Die medizinische Rehabilitation der PV orientiert sich am bio-psycho-sozialen ICF-Modell der Weltgesundheitsorganisation (WHO)“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Strametz-Juranek dazu.
Die neue Kampagne #GoRed soll aufklärende Fakten zu den geschlechtsspezifischen Symptomen von Herzerkrankungen vermitteln, Frauen ermutigen, sich für ihre Gesundheit einzusetzen und das Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung steigern.
Frauen und Männer haben oft unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen, wenn es um Gesundheit geht. So äußert sich etwa ein Herzinfarkt bei Männern anders als bei Frauen. Auch Medikamente können unterschiedlich gut wirken. „Es ist daher wichtig, auch in der Rehabilitation genderspezifische Unterschiede zu berücksichtigen und ein an die individuellen Bedürfnisse angepasstes Programm zu bieten“, so die Expertin.
Grundsätzlich lernen Patientinnen und Patienten in den Therapien und Schulungen, wie sie durch Bewegung, Ernährung und Stressabbau ihre Gesundheit gezielt stärken können – angepasst an die jeweiligen geschlechtsspezifischen Anforderungen.
Frauen profitieren z.B. eher von Empathie und Zuhören, Männer hingegen von Information, gezielten Schulungen und dem Erlernen von Methoden, um Stress abzubauen.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Strametz-Juranek, ärztliche Leiterin im Reha-Zentrum Bad Tatzmannsdorf (B) der Pensionsversicherung (PV)
Bild: Andi Bruckner
Im Rahmen der Rehabilitation werden vermehrt psychosoziale Aspekte berücksichtigt. So können etwa Stress, Angst oder Depressionen Herzerkrankungen begünstigen, mitverursachen oder deren Verlauf ungünstig beeinflussen. Umgekehrt können Herzerkrankungen bestehende psychische Erkrankungen verstärken oder diese überhaupt erst hervorrufen.
Sich intensiv mit der Psyche auseinandersetzen
Zum anderen gibt es Patientinnen und Patienten, die mit den psychischen Herausforderungen und Folgen der körperlichen, also kardiologischen, Erkrankung konfrontiert und dadurch in ihrem Alltag beeinträchtigt sind. Trotz körperlicher Genesung und eventuell bereits absolvierter kardiologischer Rehabilitation vermögen sie nicht zur Gänze an ihrem sozialen und beruflichen Leben teilzuhaben. „Das zeigt, dass es für die psychische Genesung eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser bedarf, um die Teilhabe am eigenen Leben wieder zu erreichen“, erläutert Prim. Strametz-Juranek.
Seit 2019 wird die psychokardiologische Rehabilitation bereits im Reha-Zentrum Felbring der Pensionsversicherung (PV) angeboten, seit Mai 2025 ist sie auch im PV Reha-Zentrum Bad Tatzmannsdorf möglich.
Studien zeigen den Erfolg
Die PV führte (in Kooperation mit dem Reha-Zentrum Felbring) in den Jahren 2021–2023 eine quantitative Ergebnisevaluation der Pilotphase der psychokardiologischen Rehabilitation durch. Es zeigte sich, dass die Patienten und Patientinnen sowohl ihre Herzangst als auch ihre generelle psychische Belastung im Verlauf der zweigeteilten Rehabilitation statistisch deutlich reduzieren konnten. Gleichzeitig steigerte sich ihre psychische gesundheitsbezogene Lebensqualität.
Frauen müssen auch von ihrem Umfeld bestärkt werden, dass sie auf Reha gehen sollten! „Wichtig ist, Frauen zu informieren und zu bestärken, dass sie sich Zeit für die Rehabilitation nehmen und auch das Recht auf diese Zeit haben. Dafür benötigen sie aber auch soziale Unterstützung, wenn sie etwa für die Pflege von Angehörigen zuständig sind.“
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