Herz-Kreislauf-Probleme bei Frauen werden vielfach unterschätzt – und vor allem sind es die Frauen selbst, die keine Wahrnehmung für Risikofaktoren haben. So glaubt der Großteil der Bevölkerung, Herzleiden seien „Männersache“. Dabei stirbt in Österreich jede dritte Frau an Herzinfarkt, Herzschwäche oder Schlaganfall!
Hand aufs Herz, hätten Sie das gewusst? Im Jahr 2023 sind in Österreich 16.000 Frauen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstorben, das sind sogar um 2000 mehr als Männer – und mehr als an Brustkrebs! Diese Leiden, allen voran Bluthochdruck, stellen allerdings nicht nur von der Gesellschaft, sondern auch von Frauen oft unterschätzte Risiken. „Die Wahrnehmung, die bekannten Risikofaktoren, die zu Arteriosklerose (,Arterienverkalkung´) führen, selbst aufzuweisen, ist bei Frauen sehr häufig nicht vorhanden“, erklärt die Wiener Kardiologin, Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Vizepräsidentin des Österreichischen Herzfonds, dazu.
Zu hoher Druck schadet den Gefäßen
„Bluthochdruck (Hypertonie) ist neben erhöhten Blutfetten der wichtigste Risikofaktor für die ,Verkalkung‘ des Gefäßsystems und damit für Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall“, betont die Expertin. Lange Zeit sind Frauen durch ihre Sexualhormone jedoch davor geschützt: „Östrogen wirkt blutdrucksenkend und verhindert Umbauprozesse in den Gefäßen.“ Doch dieser Schutz versiegt mit den Wechseljahren. Das „erwischt“ dann einige kalt. Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer: „Viele sagen mir dann ganz erstaunt in der Ordination: Aber ich hatte doch mein Leben lang einen ganz niedrigen Blutdruck!“
Mit der Menopause steigt allerdings nicht nur der Blutdruck, sondern auch das Risiko für zusätzliche Probleme: „Als Folge der gleichzeitigen Zunahme des Hormons Testosterons im Blut kommt es unter anderem zu einer Zunahme des Bauchfetts sowie unerwünschter Gewichtszunahme – und in diesem Bauchfett werden Hormone produziert, die ebenfalls zu einem Anstieg des Blutdrucks führen.“
Die Krankheit bleibt oft jahrelang unbemerkt
Ein erhöhter Blutdruck bleibt oft lange unbemerkt, kann aber gravierende Schäden anrichten. „Bei Frauen führt dieser zu einer stärkeren Verdickung des Herzmuskels; das kann in der Folge zur sogenannten diastolischen Herzinsuffizienz führen, begleitet von Symptomen wie Atemnot und Beinschwellungen.“
Studien zeigen sogar: Frauen mit Bluthochdruck haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt im Vergleich zu Männern mit erhöhtem Blutdruck.
Die Dunkelziffer der unbemerkt Erkrankten ist erschreckend hoch: „Etwa jede zweite Frau, die vor den Wechseljahren keine erhöhten Blutdruckwerte aufwies, entwickelt nach der Menopause eine Hypertonie – und viele registrieren das nicht oder wollen es nicht wahrhaben! Bluthochdruck verursacht nämlich lange keine Beschwerden.“
Frauen mit Hypertonie haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt im Vergleich zu Männern mit erhöhtem Blutdruck.

Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer von der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU)
Bild: Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer
Ab wann wird es gefährlich? „Werte von 120/70 mmHg bedeuten einen normalen Blutdruck; ab 140/90 mmHg sollte eine Lebensstilumstellung mit bewusster Ernährung und mehr Bewegung erfolgen. Wenn das nicht erfolgreich ist, beginnt man am besten mit einer medikamentösen Therapie“, so Prof. Podczeck-Schweighofer. Dabei muss vom behandelnden Arzt oder der Ärztin auf jeden Fall die „gesamte Frau“ betrachtet werden: „Ist sie Raucherin? Wie hoch sind die Blutfette? Liegen Befunde für einen sich entwickelnden Diabetes mellitus vor?“
Wie kann man am besten vorbeugen?
„Ein gesunder Lebensstil dient – wie wir heute wissen – als Unterstützung gegen Herz-Kreislauf-Probleme oder verzögert ihren Ausbruch“, betont die Kardiologin. Dazu gehört etwa hochwertige, pflanzenbasierte Ernährung: „Gerade gegen Bluthochdruck stellen rote Rüben, Nüsse, Heidelbeeren eine gute Basis dar“, erklärt Prof. Podczeck-Schweighofer. „Ebenso sollte salzarme Ernährung, wenig Fleisch, Fett und Zucker unsere Nahrung bestimmen.“ Ausreichend Bewegung und gezieltes Muskeltraining im Alter gehören weiters dazu, um lange gesund zu bleiben. Wo nötig, muss auch eine Gewichtsreduktion angestrebt werden.
Besonders wichtig für die Herzgesundheit ist es ebenfalls, den täglichen Stress zu reduzieren, denn der ständige Druck erhöht den Blutdruck. „Daher rate ich allen Frauen, ihren Stress, so er sich reduzieren lässt, zu minimieren.“
Cholesterin oder frühen Diabetes eindämmen
Auch andere Risikofaktoren dürfen nicht vergessen werden, wie die Kardiologin betont: „Cholesterin, vor allem das erhöhte (,schlechte´) LDL-Cholesterin, ist ein ebenso entscheidender Risikofaktor für die Verkalkung des arteriellen Gefäßsystems – ein Befund, der stark mit dem Eintreten in die Wechseljahre verbunden ist. Kalkablagerungen an den Halsschlagader-Gefäßen weisen diesen Prozess sehr früh nach. Also testen lassen!“
Diabetes mellitus, auch in seiner Frühform, stellt ebenfalls eine große Gefahr für Frauenherzen dar und sollte – neben Lebensstiländerung – entsprechend auch sehr bald nach seiner Entdeckung medikamentös behandelt werden.
Die Expertin versucht Frauen die Angst vor Medikamenten zu nehmen: „Arzneien sind wichtig, denn die allermeisten Menschen – Frauen wie Männer – schaffen es nicht, durch eine ganz konsequente Lebensstiländerung (Gewichtsabnahme, Änderung der Essgewohnheiten, natürlich kompletter Rauchstopp und sehr viel Bewegung) erhöhte Blutdruck- und Laborwerte zu normalisieren. Noch nie in der Geschichte konnten wir auf so viele hilfreiche Medikamente zurückgreifen, die die Komplikationen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen so sehr abmildern und damit das Leben der Betroffenen verlängern konnten!“
Frauen, geht zur Vorsorgeuntersuchung!
Um früh eingreifen zu können, ist es allerdings nötig, dass Frauen, vor allem ab der Menopause, genauer auf ihren Körper achten und diesen regelmäßig auf Risikofaktoren kontrollieren lassen! Leider „vergessen“ viele oft auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse.
„Aber das Wissen um das in uns liegende Risiko ist entscheidend“, macht die engagierte Ärztin klar. „Nützen Sie die Gesundenuntersuchungen, versuchen Sie, ein ‚gesundes Leben‘ zu leben – und fangen Sie früh damit an! Am besten noch lange bevor die natürlichen Schutzmaßnahmen durch unsere weiblichen Hormone, von denen wir Frauen viele Jahre profitieren, ihre Wirkung verlieren!“
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