Die Räder stehen niemals still am Brenner – mit einer Ausnahme, und die ist am Samstag! Transit-Lkw müssen um 7 Uhr den Motor abstellen, Pkw um 11 Uhr. Die Einsatzkräfte sind in Alarmbereitschaft.
Überkopfwegweiser von München bis Rosenheim warnen seit Tagen vor der Sperre des Brenner-Korridors, dazu Verkehrsnachrichten in Dauerschleife auf allen Kanälen: Tirol ist mit seiner Brenner-Demo europaweit in aller Munde. Vermutlich auch deshalb machten sich bereits am Freitag viele Urlauber auf den Weg in Richtung Süden. Verkehrskameras zeigten zeitweise fast durchgehende Blechkolonnen auf der A13 Brenner-Autobahn – ein an Reisetagen allerdings nicht unübliches Bild.
Am Samstag wird es gänzlich anders aussehen: Ab 11 Uhr macht die Polizei vor der Mautstelle Schönberg in Fahrtrichtung Süden und am Brenner Richtung Norden dicht. „Die Unentwegten, die es trotz aller Warnungen bis hierhin schaffen, werden zurückgeschickt und müssen von der Autobahn abfahren“, heißt es dazu vom Land Tirol.
Urlauber brauchen Buchungsbestätigung
Die Hoffnung besteht, dass es nicht allzu viele sein werden. Falls doch, steht die Polizei an den Landesgrenzen für Dosierungen bereit. Bereits ab Samstag, 7 Uhr früh, gilt ein Fahrverbot für Transit-Lkw. Von 5 bis 7 Uhr können sie also versuchen, auf der Autobahn „durchzuschlüpfen“, bevor sie komplett gesperrt wird. Die Sperre betrifft auch die Brenner-Bundes- und die Ellbögener Landesstraße. Ausgenommen ist Ziel- und Quellverkehr.
Es wird eine Katastrophe befürchtet, manche nennen es auch idiotisch.
Kommentar „Bild-Zeitung“
Urlauber, die eine Unterkunft in Tirol gebucht haben, müssen dies der Polizei „glaubhaft“ nachweisen – sprich, eine Buchungsbestätigung vorlegen. Die Abreise ist problemlos möglich, nur nicht über die Autobahn. Bürgermeister erläutern Anliegen auf der Bühne. Um 11 Uhr beginnt die Demonstration in Matrei auf einem Lkw-Parkplatz. Die Bürgermeister der Region präsentieren ihr Forderungspapier, das an Politiker übergeben wird. Um 16.30 Uhr soll der Spuk beendet sein, um 19 Uhr soll die A13 öffnen.
Kuriose Details zur Brenner-Sperre
Als Bürgermeister eines kleinen Tiroler Dorfes hat es Karl Mühlsteiger mittlerweile zu erheblicher „Berühmtheit“ gebracht: Die deutsche „Bild-Zeitung“ (Online-Ausgabe) widmete seiner Brenner-Demo mehrere Beiträge, darunter einen kritischen Kommentar: „Es wird eine Katastrophe befürchtet, manche nennen es auch idiotisch.“ Auch bayerische Politiker regten sich maßlos auf: „SO geht man mit Nachbarn nicht um!“
Dass Tirol von Italien vor dem EuGH wegen seiner Notmaßnahmen geklagt wurde, Deutschland beim Ausbau der Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel säumig ist und der Brenner mehr Lkw-Verkehr schlucken muss als alle anderen Alpenübergänge zusammen, ging im dröhnenden deutschen Theaterdonner unter. Spannend ist auch das Zustandekommen der Kundgebung: Sie war von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land zweimal nicht erlaubt worden. Nach einem weiteren Einspruch stellte das Tiroler Landesverwaltungsgericht klar: Eine Untersagung der Aktion sei eine Rechtswidrigkeit bzw. eine Verletzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit.
Die Tiroler Neos organisieren einen Bus-Shuttle, um damit zu einer Demo zu fahren, die sich gegen den Verkehr richtet: „Kann man nicht erfinden“, spottete FP-Chef Markus Abwerzger. „Wir fahren natürlich mit dem Zug.“ Die Neos erklärten, sie wollten sichergehen, dass eine Teilnahme nicht an der Anreise scheitert.
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