Binnen weniger Wochen stürzten zwei Segelflugzeuge in Tirol ab, in beiden Fällen kam der Pilot ums Leben. Luftfahrtexperten sehen eine Parallele, die für die Unglücke entscheidend gewesen sein könnte.
Er war am Chiemsee gestartet und wollte über Tirol seine Runden drehen. Und obwohl der 72-jährige Deutsche mit einem Hochleistungssegelflugzeug unterwegs war, wurde er am Donnerstag Opfer eines fürchterlichen Unfalls in Ehrwald.
Almgäste mussten Unglück mitansehen
Gegen 13 Uhr flog der Bayer, von der Leutasch kommend, im Gaistal auf Höhe der Berggipfel Richtung Westen. Holländische Gäste auf der Hochfeldernalm, die sich direkt gegenüber der Absturzstelle befindet, beobachteten den Flug.
Gegen Felswand gekracht
Die Vermutung liegt nahe, dass der 72-Jährige über die Mieminger Kette Richtung Inntal abdrehen wollte. Doch dann passierte genau das Gegenteil: Die Maschine schraubte sich unterhalb des Gipfels des Breitenkopfs (2469 m) in engen Kurven nach unten und krachte gegen die Felswand.
Wir hatten zum Unglückszeitpunkt eine markante Nordströmung, die Segelfliegen sehr schwierig macht, weil sie die Thermik stören kann.
Klaus Hohenauer, Luftfahrtbehörde Land Tirol
Darin stürzte der Flieger rund 80 Meter weiter ab und kam in 1800 Meter Höhe zu liegen. Die entsetzten Holländer mussten das Drama mitansehen, die Rettungskräfte konnten den Piloten später nur noch tot aus dem Wrack ziehen.
Gutachter beauftragt
Laut Klaus Hohenauer von der Luftfahrtbehörde des Landes nahm die Flugunfallkommission am Freitag vor Ort ihre Erhebungen auf. Die Staatsanwaltschaft beauftragte einen Gutachter. „Es wird zudem geklärt, ob eventuell ein medizinisches Problem des Piloten vorlag“, sagt Hohenauer.
Markante Nordströmung
Fest steht freilich, dass es zum Unglückszeitpunkt am Donnerstag stark windig war. „Wir hatten eine markante Nordströmung, die Segelfliegen sehr schwierig macht“, weiß der Luftfahrtexperte. Eine solche Wetterlage könne die Thermik mitunter erheblich stören.
Ähnliche Verhältnisse bei Absturz im April
Hohenauer sieht eine Parallele zum Absturz eines Segelfliegers Ende April bei Gries am Brenner. „Damals herrschte eine ähnliche Witterung“, weiß er. Auch vor einem Monat kam für den 79-jährigen Piloten jede Hilfe zu spät.
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