04.03.2019 14:21 |

Überraschung bei Tesla

Model Y kommt bald, aber wieder Probleme für Tesla

Steht der „Masterplan“ von Tesla vor der Erfüllung? Tesla-Großinvestor und Elektro-Guru Elon Musk kündigt für den 14. März die Premiere des Model Y an. Details gibt es bislang wenige, aber es wird sich um ein Crossover-Modell auf Basis der Mittelklasse-Limousine Model 3 handeln. Musk gibt jedoch schon jetzt bekannt, das Auto sei zehn Prozent größer als der Model 3, werde „deshalb“ zehn Prozent mehr kosten und über etwas weniger Reichweite verfügen.

Dass Elon Musk das Model Y gerade jetzt bekanntgibt, dürfte kein Zufall sein. Dafür nutzte er den Kurznachrichtendienst Twitter - ein Medium, das der Milliardär häufig und gerne verwendet, wobei er keiner Kontroverse aus dem Weg geht.

Denn in der vergangenen Woche hat es zahlreiche wenig schmeichelhafte Neuigkeiten um die Elektromarke gegeben. Die gute Nachricht zuerst: Der Model 3 ist auf dem US-Markt nunmehr in der lange angekündigten Variante für 35.000 Dollar zu bekommen. Doch die Nachfrage ist inzwischen zusammengebrochen: Es gibt - auch für das neue Einstiegsmodell - praktisch keine Lieferzeiten mehr, und das gleiche gilt für die mittlerweile etwas angestaubte Oberklasse-Limousine Model S und den Van namens Model X. Die Verkaufspreise für Model S und Model X wurden letzte Woche weltweit stark reduziert.

Gleichzeitig kündigte Tesla an, sämtliche Verkaufsstätten zu schließen und seine Fahrzeuge nur noch über das Internet zu vertreiben. Probefahrten gibt es nicht mehr, und wer von seinem frisch erworbenen Elektromobil enttäuscht ist, soll es binnen einer Woche zurückgeben können. Dann muss nur noch das Geld zurückfließen - ein Prozess, der nach Erfahrungen aus den USA alles andere als reibungslos erfolgt.

Tesla musste auch zwei Hiobsbotschaften in Form tödlicher Unfälle hinnehmen. Wie letzte Woche bekannt wurde, verbrannte Model-S-Fahrer Omar Awan am 22. Februar in Davie/Florida in seinem Model S, als sein E-Mobil unvermittelt von gerader Bahn abkam. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte die Türen des brennenden Autos nicht öffnen. Zeugen berichten, dass die elektrisch betätigten, bündig abschließenden Türgriffe der Limousine versenkt blieeben und ein Öffnen unmöglich machten. Ob dieser Umstand den Tesla zur Todesfall machte bzw. ob dr Unfallfahrer nach dem Aufprall noch am Leben war, wird derzeit von den Behörden untersucht.

Und am 1. März raste ein Model 3 in Palm Beach/Florida unter einen querenden Lastwagen; der Fahrer, Jeremy Banner, starb sofort. Der tödliche Unfall erinnert an ein Unglück im Jahre 2016, als ein Tesla Model S mit eingeschaltetem „Autopiloten“ ungebremst unter einen ebenfalls querenden Lkw fuhr.

Inzwischen bequemen sich die US-Behörden zu einer Untersuchung der Unfälle. Man lässt sich Zeit, denn Tesla genießt in den USA die Protektion der Politik - genau wie in Deutschland: Hierzulande lassen sich beispielsweise Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) oder die bayerische Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze gerne mit dem Tesla Model S abbilden. Gleichzeitig rüffelt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier die deutsche Automobilindustrie, sie möge doch Autos bauen, die nur „halb so sexy wie ein Tesla“ seien.

Am 14. März kann die gescholtene Branche etwas lernen, wenn Elon Musk in seinem Designstudio in Los Angeles seine Vision des Model Y enthüllt. Und gleichzeitig die Liste seiner angekündigten Modelle - die aktuell einen Roadster, einen Lastwagen sowie Autotransporter aus Eigenbau umfasst - um einen neuen Eintrag erweitert.

Jens Meiners, ampnet

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