Europäischer Testsieger wurde der Pont Pla in Andorra, ein Tunnel ohne Lkw-Verkehr. Ausschlaggebend für die Spitzenplätze ist - abseits der baulichen Gegebenheiten - welche Gefährdungspotenziale ein Tunnel in sich birgt, beispielsweise Kriterien wie Transitverkehr, Lkw-Dichte, Verkehrsüberwachung oder etwa die Anzahl der bisherigen Unfälle.
In Österreich wurden der Trebesingtunnel und der Wolfsbergtunnel auf der Kärntner Tauernautobahn (A10), der Kalcherkogeltunnel der Südautobahn (A2) im Packabschnitt, der gemeinsame Grenztunnel der Karawankenautobahn (A11) zwischen Kärnten und Slowenien sowie der Arlbergtunnel der Arlberg-Schnellstraße (S16) unter die Lupe genommen.
Der Trebesingtunnel zeichnet sich besonders durch die durchgehenden Pannenstreifen und seitlichen Zugänge für Rettungskräfte sowie optimale Fluchtwege aus. Abzüge gibt es für den hohen Lkw-Anteil mit 22 Prozent. Auch die Stromversorgung im Tunnel ist nicht optimal. Beim Kalcherkogeltunnel werden die fehlenden durchgehenden Pannenstreifen bemängelt. In der Gesamtbewertung kommen dennoch beide auf ein "Sehr Gut".
Große Distanz zwischen Fluchtstollen im Arlbergtunnel
Der drittplatzierte österreichische Tunnel ist der 13 km lange Arlbergtunnel, der längste einröhrige Tunnel Österreichs. Schlecht auf die Bewertung wirkte sich die große Distanz zwischen den Fluchtstollen aus, die derzeit 1,5 Kilometer beträgt - laut Vorschrift dürfte sie aber nur 500 Meter betragen. Bewertet wurde die Röhre mit einem "Gut".
Wolfsbergtunnel gerade noch "ausreichend"
Der Wolfsbergtunnel bei Spittal schneidet gerade noch mit einem "Ausreichend" ab. Ebenso sanierungsbedürftig ist der Grenztunnel der Karawankenautobahn (A11) zwischen Kärnten und Slowenien. Hier wurden die eventuellen Lüftungsmängel in Brandfällen bereits behoben. Matzke: "Der Tunnel kann in seiner jetzigen Bauweise aber nie als voll sicher gelten, denn einröhrige Tunnel ohne Fluchtstollen sind tickende Zeitbomben."
Zwei Röhren ohne Gegenverkehr, durchgehende Pannenstreifen, Portale ohne Anprallmöglichkeit, Fluchtwege ins Freie oder zumindest durchgehende Flucht- und Rettungsstollen sollten für alle zukünftigen Tunnel Pflicht sein, so die Forderung des ÖAMTC.
Asfinag mit Ergebnissen zufrieden
Die Asfinag zeigt sich mit der Bilanz des heurigen Tunneltests zufrieden. Die Bewertungen beweisen, dass sich die hohen Investitionen in die Tunnelsicherheit lohnen, hieß es in einer Aussendung. 15 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens fließen laut Asfinag jährlich allein in die Tunnelsicherheit.
In Österreich gibt es 111 zweiröhrige und 26 einröhrige Tunnel. Weitere 153 Tunnelkilometer sind bereits in Bau oder Planung. Die Frage der Sicherheit nimmt bei den Maßnahmen einen besonderen Stellenwert ein. Asfinag-Vorstand Alois Schedl: "Bis 2010 wird die Asfinag 4,6 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen tätigen, 842 Millionen Euro davon fließen in den Sicherheitsausbau der Tunnelanlagen."
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