Do, 15. November 2018

Oft unterschätzt

15.04.2016 17:00

Sexsucht: Zwanghafte Suche nach Befriedigung

Sie riskieren Beziehung, Job und Krankheiten für "das Eine". Hypersexuelle Menschen suchen zwanghaft Befriedigung - immer häufiger auch Jugendliche.

Ständige Suche nach dem sexuellen Kick tritt in allen sozialen Schichten auf. 0,6 Prozent der Österreicher sind betroffen. Alarmierend: "Es kommen schon Jugendliche ab der 7. Schulstufe in die Therapie", berichtete Dr. Christina Raviola beim 6. Internationalen Suchtsymposium in Grundlsee in der Steiermark. Sie sieht Aufklärungsbedarf in Schulen über das Entstehen von Süchten, wie man diese erkennt und Information über die Gefährlichkeit von Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Sexsucht hat nichts mit ausgeprägter Libido zu tun, sondern gilt als Zwang oder Störung, den Triebimpuls kontrollieren zu können. Wie bei Substanzsucht (Drogen, Alkohol) besteht ein ständiges Bedürfnis, Dosis und Intensität zu steigern - emotionale Befriedigung bleibt jedoch aus. Männer wollen sich mit Orgasmen entspannen, belohnen und bestätigen. Frauen hingegen suchen Befriedigung im hohen Erregungslevel, kommen dabei aber selten zum Höhepunkt.

"Obwohl Hypersexualiät für Betroffene und deren Umfeld einen hohen Leidensdruck schafft, wird dieser Erkrankung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und oft nicht ernst genommen", so Tagungsautorin Univ.-Prof. Dr. Gabriele Fischer von der MedUni Wien.

Sexsucht in Verbindung mit bipolaren Störungen
Sexsucht tritt häufig in Verbindung mit bipolaren Erkrankungen (früher manisch-depressiv) oder dem Konsum stimulierender Substanzen wie Kokain auf. Bei Jugendlichen dürfte eine Zunahme von ADHS beteiligt sein. Fieberhafte sexuelle Aktivitäten sollen beim Entspannen helfen und das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Auch die Tatsache, dass in der digitalen Welt Cybersex und Pornoinhalte rund um die Uhr verfügbar sind, spiele eine Rolle, wie Dr. Raviola betonte.

Betroffene haben Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufrechtzuhalten. Bei einzelnen Persönlichkeitsstörungen müsse laut Prof. Fischer Hypersexualität als Legitimation für Seitensprünge herhalten.

Was tun? Dr. Raviola: "Wenn der Drang nach Sex zur unkontrollierbaren Belastung wird und unerfüllte Kompensationsversuche in selbstschädigendem Verhalten münden, ist Hilfe von Suchtexperten dringend angezeigt." Sie empfiehlt umfassende medizinische und psychologische Abklärung. Außerdem seien Anlaufstellen nötig, wo sich Betroffene anonym beraten lassen können. Ein Therapieansatz ist zuerst völlige Abstinenz, um danach Schritt für Schritt eine Beziehung aufbauen zu können, in der echte Nähe möglich ist.

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