Unruhe, Konzentrationsprobleme und heftige Gefühlsausbrüche bei Buben und Mädchen werden oft fehlgedeutet. Doch was steckt wirklich dahinter? Warum eine frühe Diagnose entscheidend ist und welche Behandlungsmethoden betroffenen Kindern und ihren Familien helfen, erklärt ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Etwa sechs Prozent der Mädchen und Buben leben mit der sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS. Damit zählt ADHS zu den häufigen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen.
„Es handelt sich dabei eindeutig um eine Erkrankung, die vererbt und nicht durch falsche Erziehung verursacht wird“, betont Prim. Dr. Thomas Trabi, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.
Typische Symptome
Konzentrationsprobleme, impulsives Verhalten oder häufige Wutausbrüche können Warnsignale sein. Doch nicht jedes unruhige Kind hat ADHS. Eine sorgfältige Untersuchung durch erfahrene Ärzte oder Psychologen hilft, andere Ursachen auszuschließen und die passende Behandlung zu finden.
Besonders leicht übersehen wird ADS, eine Form von ADHS ohne Hyperaktivität (übermäßiger Bewegungsdrang). Diese Sprösslinge fallen oft weniger auf und erhalten die Diagnose deshalb später. Mädchen sind häufiger betroffen als Burschen.
Bei ADHS handelt es sich eindeutig um eine Erkrankung, die vererbt und nicht durch falsche Erziehung verursacht wird.

Prim. Dr. Thomas Trabi, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.
Bild: Dr. Trabi Thomas
Welche Folgen ohne Behandlung drohen
„Unbehandelt führt ADHS zu höheren Risiken für Schulabbrüche, Arbeitslosigkeit und einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität. Ebenso geht das Leiden mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Substanzmissbrauch und spätere Suchterkrankungen einher“, warnt der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Fachmagazin „Ärzte Krone“.
Gute Therapiemöglichkeiten
Mittlerweile gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten: Je nach Situation kommen Psychotherapie und Medikamente (wie Stimulantien und Antidepressiva) zum Einsatz. Die medikamentöse Therapie gilt als sehr gut erforscht. Dennoch haben Eltern oft Bedenken, Arzneien zu verabreichen.
„Keinem Kind sollte die wirksame medikamentöse Behandlung aufgrund unbegründeter Vorurteile vorenthalten werden“, unterstreicht Prim. Dr. Trabi. Denn eine individuell abgestimmte Therapie lindert die Beschwerden und unterstützt den betroffenen Sprössling, die eigenen Fähigkeiten vollends zu entfalten und den Alltag besser zu meistern.
Mögliche Nebenwirkungen medikamentöser Behandlung
Natürlich sei es aber wichtig, über mögliche Nebenwirkungen zu informieren. Dazu zählt etwa verminderter Appetit. „Ist das der Fall, hilft meist ein anderer Einnahmezeitpunkt, eine Anpassung der Dosis oder ein Wechsel des Medikaments“, so der Kinder- und Jugendpsychiater. Gewicht und Wachstum gehören regelmäßig kontrolliert.
Große Angst vor Abhängigkeit
Auch die Sorge vor einer Abhängigkeit beschäftigt Eltern. Dr. Trabi beruhigt: „Stimulantien – das sind anregend wirkende Medikamente – unterliegen in Österreich besonderen gesetzlichen Regeln. Bei Einnahme gemäß der ärztlichen Verordnung ist das Risiko, süchtig zu werden, gering. Die Dosis darf jedoch nicht eigenmächtig verändert werden.“
Entscheidend sind also eine gute ärztliche Begleitung, verständliche Aufklärung und ein offenes Ohr für die Sorgen der Familie.
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