Chaos bei Tunnel-Panne

ÖBB-Personal kritisiert fehlende Notfall-Trainings

Österreich
30.10.2026 10:12

Mehrere Stunden lang mussten Passagiere vergangenes Jahr in einem Tunnel vor Wien ausharren, ehe der schadhafte Zug endlich evakuiert wurde – die „Krone“ berichtete. Die ÖBB räumten Fehler ein und versprachen mehr Notfall-Trainings. Die gab es aber nicht, prangert jetzt das Personal an.

Viele Mitarbeiter beklagen, dass für sie diese Notfallübungen nicht stattfanden. Grundausbildungen liegen teilweise schon Jahrzehnte zurück, wird in einem Brief des Betriebsrats an das ÖBB-Management kritisiert, der dem ORF vorliegt. Damit widersprechen die Mitarbeiter ÖBB-Chef Andreas Matthä, der kürzlich beteuert hatte, dass solche Schulungen verstärkt erfolgt seien.

Mehrere Kollegen hätten „darauf hingewiesen, dass ihre letzte praktische Schulung im Zusammenhang mit Tunnelanlagen bereits längere Zeit zurückliegt und seither keine regelmäßigen praktischen Weiterbildungsmaßnahmen stattgefunden haben. Vielfach wurde bisher lediglich eine Grundausbildung absolviert, die jedoch keine strecken- und tunnelspezifischen Inhalte umfasste“, heißt es wörtlich in dem Brief.

„Auf Notfälle nicht vorbereitet“
Er habe in mehr als zehn Jahren keine Evakuierungsschulung gehabt, erklärte ein Zugbegleiter, der anonym bleiben wollte, dazu gegenüber der „ZiB 2“ am Donnerstagabend. Er kenne Kollegen, die in 30 Jahren nur einmal diese Schulung gemacht hätten. Auch nach dem Vorfall im Juli 2025 gebe es nach wie vor keine praktischen Evakuierungsübungen. Viele Mitarbeiter seien daher „auf Notfälle nicht vorbereitet“.

Die Evakuierung aus dem Tunnel glückte erst nach langer Verzögerung.
Die Evakuierung aus dem Tunnel glückte erst nach langer Verzögerung.(Bild: APA/MAX SLOVENCIK)

Der Zwischenbericht der Obersten Eisenbahnbehörde zu der Tunnel-Panne stellte fest, dass Probleme in der Koordination, in der Organisation, aber auch im Bereich der Ausbildung des ÖBB-Personals ausschlaggebend für die chaotische Evakuierung waren.

Unstimmigkeiten mit Feuerwehr
Bei dem Vorfall im Wienerwaldtunnel war es zwar ein ICE der Deutschen Bahn, der liegenblieb, auf Strecken in Österreich sind aber die ÖBB als Betreiber verantwortlich. Die zunächst geplante Evakuierung mittels Ersatzzug misslang, weil die Oberleitung abgeschaltet worden war. Unstimmigkeiten zwischen der Feuerwehr und den ÖBB zur Frage, ob die Leitung überhaupt abgeschaltet sein müsse, verschärften die Situation.

Erst nach über sieben Stunden wurden die rund 400 Fahrgäste über die Tunnel-Notausstiege in Sicherheit gebracht. Die ÖBB betonten damals, dass die Erfahrungen aus der missglückten Aktion in künftige Prozesse einfließen sollen. 

Ministerium wird Schulungen kontrollieren
Jetzt, als Reaktion auf die Kritik der Mitarbeiter geloben die ÖBB einmal mehr Besserung. „Künftig soll ein solches praktisches Training zu Notfall- und Evakuierungssituationen regelmäßig einmal jährlich Teil des Dienstunterrichts sein“, hieß es gegenüber dem ORF. Die Eisenbahnbehörde im Verkehrsministerium soll darüber wachen, dass die Schulungen und Übungen auch tatsächlich stattfinden.

Denn für das ÖBB-Personal wird es in Zukunft noch wichtiger, zu wissen, wie man sich bei einem Notfall in einem Tunnel richtig verhält: Mit dem Semmering-Basistunnel und dem Brenner-Basistunnel sind zwei große ÖBB-Prestigeprojekte im Bau.

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