Gerade vor Weihnachten

Preisschock: EU macht Pakete um bis zu 20 € teurer

Wirtschaft
29.10.2026 11:45

Wer bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress bestellt, muss ab 1. November häufig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Denn bei Lieferungen aus Nicht-EU-Ländern kommt zur bereits geltenden Zoll-Pauschale und der heimischen Paketsteuer noch eine neue EU-Bearbeitungsgebühr dazu.

Die „Krone“ hat nachgerechnet – und zeigt an einem konkreten Beispiel, wie aus einem Schnäppchen-Paket plötzlich ein teurer Spaß wird.

Die drei Abgaben im Überblick
Wer aktuell Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern wie China tätigt, zahlt schon jetzt drauf – und zwar gleich mehrfach:

  • Seit 1. Juli gilt ein EU-weiter Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenkategorie für importierte Kleinsendungen aus Drittstaaten mit einem Wert unter 150 Euro. Das heißt: Drei USB-Kabel (gleiche Kategorie) kosten 3 Euro Zoll, ein USB-Kabel und ein T-Shirt (zwei Kategorien) kosten 6 Euro.
  • Seit 1. Oktober gilt die nationale „Paketsteuer“ von (inklusive Umsatzsteuer) 2,40 Euro pro Bestellung – einmal pro Paket, unabhängig von der Anzahl der Produkte. Diese gilt auch für Bestellungen von EU-Händlern wie Amazon oder Zalando, sofern sie in Österreich mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen. Unter diese Grenze fallen aber auch die chinesischen Anbieter Temu, Shein oder AliExpress.
  • Und ab 1. November kommt jetzt eine zusätzliche EU-weite Bearbeitungsgebühr („Handling Fee“) von 2 Euro pro Warenkategorie als Kostenersatz für den Aufwand beim Verzollen. Diese gilt wie der Pauschalzoll ebenfalls pro Produktkategorie!

Wichtig: Die neue 2-Euro-Handling-Fee erfasst - ebenso wie der EU-Pauschalzoll – nur E-Commerce-Sendungen aus Drittstaaten. Allerdings gilt die Handling Fee auch für Sendungen über 150 Euro Warenwert. Der 3-Euro-Pauschalzoll hingegen nur für Kleinsendungen unter 150 Euro.

Für etliche Bestellungen können künftig mehr als 20 Euro (!) mehr fällig werden als früher.
Für etliche Bestellungen können künftig mehr als 20 Euro (!) mehr fällig werden als früher.(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Was das bedeutet, veranschaulicht eine Beispielrechnung: Wer früher (vor Juli) auf Temu bei einer Bestellung aus China ein T-Shirt, ein USB-Ladekabel, eine Handyhülle und einen Regenschirm gekauft hat, zahlte z. B. in Summe 12,46 Euro. Mit der neuen EU-Abgabe, dem EU-Zoll und österreichischen Paketsteuer kostet das Paket künftig 34,86 Euro. Damit verteuert sich die Bestellung um sage und schreibe 22,40 Euro (siehe Grafik). Die Abgaben betragen also fast das Doppelte des eigentlichen Warenwerts. Die reinen Zusatzkosten (22,40 Euro) sind damit deutlich größer als der Warenwert selbst.

Handelsverband: „Paketsteuer ist ein Österreich-Aufschlag“
Scharfe Kritik zumindest an der nationalen Paketsteuer kommt vom Handelsverband. Geschäftsführer Rainer Will: „Die nationale Paketsteuer halten wir für den völlig falschen Weg. Sie belastet nicht nur große internationale E-Commerce-Plattformen, sondern auch mehr als 4000 österreichische Händler und heimische Kunden.“ Für Will ist die Abgabe nichts anderes als „ein 2,40-Euro-Österreich-Aufschlag im Onlinehandel“, der „den Wirtschaftsstandort belastet, Innovation verhindert, zusätzliche Bürokratie erzeugt und den Inflationsdruck in der Bevölkerung befeuert.“

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, ist für die EU-Maßnahmen, aber gegen die ...
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, ist für die EU-Maßnahmen, aber gegen die natonale Paketsteuer.(Bild: Krone KREATIV/krone.tv, Envato Elements)

Deutlich positiver bewertet Will, der sich für den heimischen Handel einsetzt, die Maßnahmen der EU: „Wie es besser geht, zeigen gemeinsame europäische Maßnahmen wie der EU-Pauschalzoll und die EU-Bearbeitungsgebühr.“ Der 3-Euro-Pauschalzoll seit 1. Juli zeige bereits Wirkung: „Das Paketvolumen aus Fernost ist allein dadurch im Juli um 26 Prozent und im August sogar um 30 Prozent eingebrochen.“ Mit der 2-Euro-Bearbeitungsgebühr ab 1. November setze die EU-Kommission ihre FairCommerce-Strategie konsequent fort – „das begrüßen wir ausdrücklich. Jetzt braucht es noch mehr Tempo bei den Kontrollen.“

Das steckt dahinter
Europa reagiert mit der neuen Gebühr auf eine regelrechte Flut an Billig-Importen. Allein 2025 erreichten rund 5,9 Milliarden zollfreie Kleinpakete den EU-Raum. Nach Schätzungen der EU-Kommission waren 65 Prozent dieser Sendungen falsch deklariert oder unterwertig angegeben, um Abgaben zu umgehen. Gut 60 Prozent entsprachen zudem nicht den Sicherheitsstandards der EU.

Schnäppchenjagd wird teuer
Wer ab November bei Temu & Co. aus China bestellt, sollte jedenfalls genau überlegen, wie viele verschiedene Produktkategorien im Warenkorb landen. Denn jede einzelne Kategorie schlägt dann mit 5 Euro (3 Euro Zoll + 2 Euro Handling Fee) zu Buche – plus einmalig 2,40 Euro Paketsteuer. Bei vier Kategorien sind das schnell 22,40 Euro Zusatzkosten, die den eigentlichen Schnäppchenpreis komplett auffressen.

Tipp: Wer mehrere Artikel derselben Kategorie bestellt (z. B. fünf T-Shirts), zahlt die Pauschalgebühren nur einmal – das kann sich rechnen.

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