Koaliton uneinig

Aus für Paketsteuer? Jetzt spricht Kanzler Stocker

Innenpolitik
12.10.2026 14:00

Mit dem Paketsteuergesetz führte die Bundesregierung am 1. Oktober eine eigenständige Steuer auf die Zustellung von Paketen ein. Doch mittlerweile mehren sich die Stimmen, um die Steuer wieder abzuschaffen. Die Dreierkoalition steht vor einer Zerreißprobe. In der Debatte hat sich nun auch Kanzler Christian Stocker erstmals eingeschaltet. 

Stocker betonte in einem Statement gegenüber der „Krone“, dass seine Partei angesichts der bereits hohen Abgabenquote in Österreich neuen Steuern und zusätzlichen Belastungen „grundsätzlich sehr kritisch“ gegenüberstehe.

Stocker: Paketabgabe verfolgt zwei Ziele
Ihm zufolge verfolge die Paketabgabe zwei konkrete Ziele: „Einerseits dient sie der Finanzierung der Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel und damit der Dämpfung der Inflation. Andererseits soll sie einen Lenkungseffekt erzielen, indem wir die Flut an subventionierten Billig-Paketen eindämmen und damit unsere heimischen Betriebe und den stationären Handel schützen.“

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Wir stehen für Entlastung statt neuer Belastungen. Deshalb sind wir für alternative Finanzierungsvorschläge grundsätzlich offen und gesprächsbereit.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) 

Obwohl alle drei Koalitionsparteien dafür stimmten, ist die neue Paketsteuer regierungsintern ...
Obwohl alle drei Koalitionsparteien dafür stimmten, ist die neue Paketsteuer regierungsintern umstritten. Nun meldet sich auch Kanzler Christian Stocker (ÖVP) erstmals dazu zu Wort.(Bild: Krone-Collage/APA/GEORG HOCHMUTH)

Gleichzeitig sei für ihn klar, dass die ÖVP für Entlastung statt neuer Belastungen stehe. „Deshalb sind wir für alternative Finanzierungsvorschläge grundsätzlich offen und gesprächsbereit“, betont Stocker.

NEOS wollen die Abgabe loswerden
Die NEOS wollen die Paketsteuer so schnell wie möglich wieder loswerden. Parteichefin Beate Meinl-Reisinger bezeichnete die Abgabe als „Murks“. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hatte seine Unzufriedenheit mit der Abgabe bereits erkennen lassen. 

SPÖ sieht keinen Handlungsspielraum
Die Bundes-SPÖ hingegen sieht keinen Handlungsspielraum, weil die Paketsteuer die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel gegenfinanziere. „Beide Maßnahmen sind von der gesamten Bundesregierung vereinbart und von den Koalitionsparteien im Parlament beschlossen worden“, hieß es seitens des roten Parlamentsklubs. Eine Abschaffung der Paketabgabe würde laut dem SPÖ-geführten Finanzministerium dazu führen, dass im Budget 280 Millionen Euro pro Jahr fehlen. Der ÖVP-SPÖ-NEOS-Koalition stehen in dieser Debatte also stürmische Zeiten bevor ... 

Paketsteuer

  • Seit dem 1. Oktober werden für bestimmte Paketzustellungen in Österreich zwei Euro Paketsteuer fällig. Einschließlich Umsatzsteuer sind das 2,40 Euro.
  • Betroffen sind grundsätzlich Versandhändler, deren Inlandsumsätze im vorangegangenen Geschäftsjahr mehr als 100 Millionen Euro betragen haben – diese geben die Abgabe aber unmittelbar an die Kundinnen und Kunden weiter, was zuletzt zu einem großen Aufschrei geführt hat.
  • Die Regierung rechnet durch die Maßnahme mit jährlichen Einnahmen von 280 Millionen Euro.

FPÖ trommelt gegen Paketabgabe
Die FPÖ trommelt seit Monaten gegen die Paketabgabe. Die Freiheitliche Wirtschaft (FW) forderte am Montag „die sofortige Rücknahme der Paketsteuer“. Statt neue nationale Steuern einzuführen, brauche „es wirksame Zollkontrollen, die konsequente Einhaltung europäischer Produktstandards und faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer“, so der freiheitliche Wirtschaftsverband.

So wird die Paketsteuer abgewickelt
Versandhändler mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz in Österreich müssen seit Anfang Oktober die Steuer in Höhe von zwei Euro pro Paket oder Bestellung bezahlen. Inklusive Umsatzsteuer sind es 2,40 Euro. 15 große Onlinehändler und Online-Marktplätze, die Pakete an Endverbraucher verschicken, sind von der nationalen Paketsteuer betroffen, unter anderem Amazon, Temu und Zalando. Weiters müssen laut Handelsverband rund 4000 heimische Händler, die über Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay verkaufen, ebenfalls Paketabgabe zahlen.

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