EU-Beschwerde

Auch stationäre Händler spüren neue Paketsteuer

Wirtschaft
09.10.2026 06:48
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die seit 1. Oktober geltende Paketsteuer trifft nicht nur größere Onlinehändler, sondern offenbar ebenfalls den stationären Einzelhandel. Von dort höre man bereits „erste negative Meldungen, da viele Kunden jetzt statt Ergänzungskäufen bei Onlineplattformen Großbestellungen machen, um die Paketsteuer auf möglichst viele Produkte aufzuteilen“, beklagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer.

15 große Online-Händler und Online-Marktplätze, die Pakete an Endverbraucher verschicken, sind von der nationalen Paketsteuer in der Höhe von 2,40 Euro betroffen. Zu den Unternehmen zählen die dominierenden Online-Handelskonzerne Amazon, Temu und Zalando, aber auch Shop-Apotheke, Ebay, Otto, Best Secret, AliExpress, Mediamarkt, Apple, Universal, Ikea, Shein und XXXLutz. Weiters müssen laut Handelsverband rund 4000 heimische Händler, die über Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay verkaufen, ebenfalls Paketsteuer zahlen.

Betroffene Händler können sich entscheiden, ob sie die Steuer pro Paket oder pro Bestellung ...
Betroffene Händler können sich entscheiden, ob sie die Steuer pro Paket oder pro Bestellung berechnen und abführen. Der US-Händler Amazon reicht die Abgabe pro Bestellung an die Kunden weiter – auch wenn diese in mehreren Teilsendungen ankommt.(Bild: APA/AFP/PHILIPPE HUGUEN)

Diese Händler reichen Abgabe derzeit nicht weiter
Betroffene Händler können sich entscheiden, ob sie die Steuer pro Paket oder pro Bestellung berechnen und abführen. Ikea, Shop-Apotheke und XXXLutz reichen die Paketabgabe derzeit nicht an ihre Kunden weiter. Otto und Universal übernehmen bei Bestellungen die Paketsteuer bis 11. Oktober. Bei Rücksendungen nach erfolgreicher Paketzustellung bleibt die Steuerpflicht bestehen. Amazon, Otto Österreich und Zalando wollen bei vollständigen, zeitnahen Retouren den Kunden die Paketsteuer aber zurückerstatten.

Die neue Abgabe soll laut Finanzministerium die seit 1. Juli geltende Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel zum Teil gegenfinanzieren. Doch hier gibt Will zu bedenken: Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt spare sich nach Angaben des Handelsverbandes durch die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel rund sechs Euro im Monat. Durch die neue Paketabgabe zahle jetzt jeder Haushalt im Land das Doppelte drauf.

Ab November werden Pakete noch teurer
Handelsverband und Wirtschaftskammer lehnen die nationale Paketabgabe ab und verweisen auf den neuen EU-Pauschalzoll in Höhe von drei Euro für Artikel aus Drittstaaten ab Juli und auf die EU-Handling-Fee von zwei Euro pro Artikel ab November. Der Handelsverband hat am Dienstag wegen möglicher Verstöße gegen das EU-Recht eine Binnenmarkt-Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht. Der deutsche Online-Modehändler Zalando hatte sich als erster Händler rechtlich gewehrt und wie berichtet bereits am 20. August eine Klage gegen das Paketsteuergesetz am Verfassungsgerichtshof in Wien eingebracht.

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