AfD-Politiker schäumt

Warum hat BMW Angebot wirklich zurückgezogen?

Motor
09.10.2026 18:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Noch fährt Tobias Rausch BMW. Allerdings nicht mehr lange. Denn BMW hat ein Leasing-Angebot für einen 7er zurückgezogen. Dass das just an dem Tag passiert ist, als der AfD-Politiker zum Präsidenten des Landtags in Sachsen-Anhalt gewählt wurde, sieht das extrem rechte Lager als politisches Signal. BMW bestätigt das nicht.

Dass sich die Münchner aber auch auf Anfrage zu dem Thema nicht äußern, öffnet die Tür für entsprechende Spekulationen. Dass diese gleich als Tatsachen gewertet werden, ist typisch für den Ton in der aktuellen politischen Landschaft, insbesondere im entsprechenden Spektrum.

Das ist die Lage:
Der frisch gewählte Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt hat den 7er seines CDU-Vorgängers Gunnar Schellenberger übernommen. Der Leasingvertrag läuft allerdings im November aus. Für die Zeit danach hatte BMW dem Landtag bereits ein neues Angebot gelegt – und dieses nun zurückgezogen. Das bestätigte die Landtagsverwaltung laut übereinstimmenden Medienberichten.

Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt: Am 6. Oktober wurde Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt. Ebenfalls am 6. Oktober zog BMW sein Angebot zurück.

Auf Anfrage erklärte der Konzern lediglich, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen zu äußern. Eine politische Begründung für den Rückzug gibt es von BMW also nicht.

Mit Tobias Rausch ist zum ersten Mal in Deutschland ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten ...
Mit Tobias Rausch ist zum ersten Mal in Deutschland ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden.(Bild: AFP/JAN WOITAS)

Von Audi und BMW gab es nicht einmal ein Angebot
Der Fall hat noch eine Besonderheit: Die meisten Fahrzeuge im Fuhrpark von Landesregierung und Landtag sind nicht einzelnen Personen fest zugeordnet, sondern werden gemeinschaftlich genutzt. Beim Wagen des Landtagspräsidenten ist das anders. Er gehört zu den wenigen personengebundenen Dienstfahrzeugen. Deshalb braucht die Verwaltung nach Ablauf des derzeitigen Leasingvertrags Ersatz. Dem Präsidenten steht ein Dienstwagen samt Fahrer zur Verfügung. 

BMW spielt im Fuhrpark Sachsen-Anhalts bislang eine große Rolle. Ein beträchtlicher Teil der Fahrzeuge stammt von den Münchnern. Nur für den Präsidenten wird es jetzt kompliziert. Denn BMW war nach Angaben der Landtagsverwaltung offenbar der einzige namhafte deutsche Hersteller, von dem überhaupt ein Angebot für den neuen Wagen vorlag. Von Mercedes-Benz und Audi gibt es demnach bislang ebenfalls keines. 

Rechtes Lager ruft zu BMW-Boykott auf
AfD-Sympathisanten – auch in Österreich – rufen bereits dazu auf, BMW zu boykottieren und im Besitz befindliche Fahrzeuge sogar zu veräußern. 

Rausch selbst spricht in einem offenen Brief an BMW von „großer Verwunderung und persönlicher Enttäuschung“ über den Rückzug des Angebots. Besonders stößt ihm ebenfalls der Zeitpunkt auf. Er wirft die Frage auf, ob politische Überzeugungen Einfluss auf Geschäftsbeziehungen haben sollten, und wertet den Vorgang als politische Ausgrenzung. 

Dass der Landtagspräsident am Ende tatsächlich ohne Auto dasteht, ist eher unwahrscheinlich. Dass es wieder ein BMW wird, scheint inzwischen deutlich weniger selbstverständlich. 

Allerdings: Wie das Ganze aussieht, ist eine Sache. Den tatsächlichen Hintergrund kennt man jedoch nur bei BMW. Es wäre ebenso geschickt wie wünschenswert, wenn die Münchner das aufklären würden.

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