30 in Österreich

Gedächtnisambulanzen: Dem Vergessen auf der Spur

Gesund Konkret
09.10.2026 10:00

Wer öfter Schlüssel verlegt, einen Termin vergisst oder länger nach einem Wort sucht, fragt sich vielleicht: Ist das noch normale Vergesslichkeit oder steckt mehr dahinter? Dem gehen Neurologen in den rund 30 Gedächtnisambulanzen in Österreich nach. Sie sind Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige.

In der Gedächtnisambulanz beginnt eine medizinische Spurensuche – nach Hinweisen auf Veränderungen im Gehirn oder andere Ursachen der Beschwerden. Im Gespräch wird abgeklärt, was Betroffene selbst bemerken und was Angehörigen auffällt.

„Es sind oft tatsächlich Kleinigkeiten im Alltag, die auffallen“, erklärt Neurologin Prim. Dr. Agnes Pirker-Kees. Sie arbeitet in einer der größten Gedächtnisambulanzen Österreichs: an der Klinik Hietzing in Wien. Veränderungen können einer Demenzdiagnose um Jahre vorausgehen, unterstreicht sie.

Kurze Screening-Tests wie MMST oder MoCA prüfen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Orientierung und zeigen, ob geistige Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Ein unauffälliges Ergebnis schließt beginnende Beeinträchtigungen allerdings nicht aus. Denn besonders geistig sehr leistungsfähige Menschen können anfängliche Einschränkungen gut kompensieren. Besteht ein Verdacht, folgt eine weitere fachärztliche Abklärung.

Auch jüngere Menschen suchen Österreichs Gedächtnisambulanzen auf. Primaria Dr. Agnes ...
Auch jüngere Menschen suchen Österreichs Gedächtnisambulanzen auf. Primaria Dr. Agnes Pirker-Kees im Gespräch mit einer Patientin, die mitten im Berufsleben steht.(Bild: Susanne Zita)

Unser komplexes Gedächtnis
Nachlassende Gedächtnisleistung bedeutet aber nicht automatisch Demenz. Auch Depressionen oder Angststörungen können die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. „Das Gedächtnis ist eine hochkomplexe Hirnleistungsfunktion, bei der sehr viele Faktoren eine Rolle spielen“, betont die Neurologin.

Bei Bedarf folgt eine ausführlichere neuropsychologische Testung. Sie untersucht einzelne Gedächtnisleistungen sowie Sprache und Orientierung genauer, etwa wie gut Informationen gespeichert und wieder abgerufen werden können. Viele Puzzleteile ergeben die Diagnose. Die Ergebnisse werden mit Normwerten für Menschen ähnlichen Alters und Bildungsniveaus verglichen und liefern ein individuelles Leistungsprofil.

Demenz ist nicht gleich Alzheimer

Weltweit leben laut WHO rund 57 Mio. Menschen mit Demenz. 60 bis 70 Prozent der Demenzerkrankungen gehen auf Alzheimer zurück. Damit ist Alzheimer die häufigste Form der Demenz. Rund 170.000 Menschen leben Schätzungen zufolge derzeit in Österreich mit einer Demenzerkrankung. Fast zwei Drittel davon sind Frauen. Bis 2050 könnte die Zahl der Menschen mit Demenz in Österreich auf über 290.000 steigen. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.

Gedächtnisambulanzen: Eine Übersicht bietet das öffentliche Gesundheitsportal unter gesundheit.gv.at 
(Suchbegriff: Gedächtnisambulanzen).

Bei speziellen Fragestellungen kommen zusätzliche Untersuchungen infrage, etwa eine PET (Positronen-Emissions-Tomografie, ein bildgebendes Verfahren) oder die Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit auf Biomarker, beispielsweise bei Verdacht auf Alzheimer.

Viele Puzzleteile ergeben die Diagnose
„Eine Demenzdiagnose ist nie an nur einem einzigen Befund festzumachen“, meint sie. Erst Krankengeschichte, Beobachtungen von Angehörigen, neurologische und neuropsychologische Untersuchungen sowie Bildgebung und Labor ergeben gemeinsam ein Gesamtbild. Anschließend werden die Ergebnisse besprochen – am besten mit einer Vertrauensperson an der Seite.

Auch Jüngere suchen zunehmend eine Gedächtnisambulanz auf. Für alle gilt: Eine sorgfältige Abklärung bestimmt das weitere Vorgehen. Besonders hebt Prim. Dr. Agnes Pirker-Kees die Wichtigkeit der Prävention hervor: Bewegung, gesunde Ernährung, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, soziale Kontakte und Bildung helfen erwiesenermaßen, das Gehirn und damit das Gedächtnis zu schützen.

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