Einen regelrechten Ansturm gibt es auf den Zivildienst – den größten Anstieg gibt es in Tirol: Mehr als 1100 junge Männer entschieden sich in Tirol seit Jahresbeginn für den Zivildienst – ein Plus von fast 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dennoch bleibt der Bedarf der Einrichtungen teilweise ungedeckt. Eine geplante Reform soll Ausbildung, Flexibilität und Krisenvorsorge verbessern, hieß es am Freitag.
Das Interesse am Zivildienst ist in Tirol zuletzt deutlich gestiegen. Seit Jahresbeginn haben exakt 1161 junge Männer eine Zivildiensterklärung abgegeben. Das sind um 15,8 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit verzeichnet Tirol laut aktueller Bilanz den stärksten prozentuellen Anstieg aller Bundesländer.
Bedarf kann nicht gedeckt werden
Mit Stichtag 1. Oktober waren in Tirol insgesamt 844 Zivildiener im Einsatz. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden 794 junge Männer den Einrichtungen zugewiesen. Dem gegenüber steht ein gemeldeter Bedarf von 977 Plätzen. Die Bedarfsdeckung liegt damit bei 81,3 Prozent.
Rettungswesen größter Einsatzbereich
Besonders gefragt sind Zivildiener im Rettungswesen. In diesem Bereich wurden in Tirol bisher 289 junge Männer eingesetzt. Es folgen die Sozial- und Behindertenhilfe mit 189 sowie die Altenbetreuung mit 174 Zuweisungen.
Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des Zivildienstes für soziale Einrichtungen und das Gesundheitswesen. Gleichzeitig zeigt die nicht vollständig gedeckte Nachfrage, dass weiterhin Personal benötigt wird.
Österreichweit mehr als 12.900 Erklärungen
Auch österreichweit ist die Zahl der Zivildiensterklärungen gestiegen. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden insgesamt 12.901 Erklärungen abgegeben. Das entspricht einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem neuen Rekord für diesen Zeitraum.
Mit Stichtag 1. Oktober waren österreichweit 10.760 Zivildiener im Einsatz. Von den bundesweit 11.406 gemeldeten Plätzen konnten 88,1 Prozent besetzt werden. Das größte Einsatzgebiet ist auch bundesweit das Rettungswesen. Rund 40 Prozent aller Zuweisungen entfallen darauf.
Reform soll Zivildienst zukunftsfit machen
Vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen und der demografischen Entwicklung plant die Bundesregierung eine Reform des Wehr- und Zivildienstes. Das Reformpaket wurde am Mittwoch in Begutachtung geschickt. Ziel sei es, den Zivildienst langfristig abzusichern und die Einsatzmöglichkeiten der jungen Männer zu erweitern.
Eine Reform darf nicht einfach nur Monate dranhängen. Wer mehr Zeit für Österreich gibt, soll auch mehr zurückbekommen.

Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP)
Bild: Imre Antal
Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP) betont die Bedeutung des Dienstes für das Sozial- und Gesundheitssystem. Gleichzeitig verweist sie auf den künftigen Personalbedarf: Ohne Änderungen könnten ab 2040 jährlich rund 4000 Zivildiener fehlen.
„Eine Reform darf nicht einfach nur Monate dranhängen“, erklärt Bauer. Neben einer möglichen Verlängerung der Dienstzeit sollen daher vor allem die Ausbildung verbessert, flexiblere Modelle geschaffen und die Einsatzkräfte besser auf Krisen vorbereitet werden.
Verlängerung zunächst freiwillig vorgesehen
Ab 1. Jänner 2027 soll eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes von neun auf elf Monate möglich sein. Eine verpflichtende Verlängerung auf elf Monate für alle ist an eine bestimmte Entwicklung bei den Grundwehrdiensten geknüpft: Sie soll greifen, sobald die Zahl der angetretenen Grundwehrdiener in einem Kalenderjahr unter 13.875 fällt.
Wird dieser Schwellenwert bereits 2027 unterschritten, wäre die dauerhafte Verlängerung des Zivildienstes ab 1. Jänner 2029 vorgesehen.
Für die verlängerte Dienstzeit sind drei Varianten geplant: elf Monate durchgehender Dienst, neun Monate mit zwei zusätzlichen Monaten zu einem späteren Zeitpunkt in derselben Einrichtung oder neun Monate Dienst mit anschließender ehrenamtlicher Ersatzleistung von 400 Stunden innerhalb von fünf Jahren.
Wer nach dem Zivildienst beispielsweise bei einer Rettungsorganisation oder in einer Betreuungseinrichtung ehrenamtlich tätig bleibt, soll sich diese Tätigkeit künftig unter bestimmten Voraussetzungen auf die restliche Dienstzeit anrechnen lassen können.
Einheitliche Ausbildung, bessere Krisenvorsorge
Ein weiterer Schwerpunkt der Reform ist die Ausbildung. Künftig soll jeder Zivildiener eine verpflichtende, auf seinen Einsatzbereich abgestimmte Schulung erhalten. Ein bundesweiter Ausbildungskatalog soll dafür einheitliche Standards schaffen. Die jungen Männer sollen dadurch neben praktischer Erfahrung auch Qualifikationen erwerben, die sie später im Beruf oder im Ehrenamt nutzen können.
Auch die Krisenvorsorge soll ausgebaut werden. Bei Naturkatastrophen oder anderen außergewöhnlichen Ereignissen sollen zusätzliche Helfer künftig innerhalb weniger Tage einsatzbereit sein. Dafür sollen Zivildiener bereits während ihres regulären Dienstes auf mögliche Kriseneinsätze vorbereitet werden.
Bis zu zwei Jahre nach dem Ende ihres Zivildienstes könnten sie im Ernstfall für maximal zwei Monate erneut eingesetzt werden. Geplant sind außerdem jährliche Großübungen mit Zivildienern, dem Bundesheer, Blaulichtorganisationen und dem Zivilschutz.
Weitere Änderungen geplant
Die Reform sieht darüber hinaus neue Regeln für anrechenbare Freiwilligendienste vor. Diese sollen künftig auf ein Prozent der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs begrenzt werden. Das entspricht derzeit rund 360 jungen Männern pro Jahr. Der Gedenkdienst im Ausland soll von dieser Kontingentierung ausgenommen bleiben.
Zusätzlich sind strengere Strafbestimmungen bei Nichtantritt oder unerlaubter Abwesenheit vorgesehen. Das Sonderwaffenverbot soll von 15 auf 20 Jahre verlängert und auf Schusswaffen der Kategorie C ausgeweitet werden. Auch bei den freien Tagen sind Änderungen geplant: Zivildiener sollen diese künftig halbtags in Anspruch nehmen können.
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