Studie zeigt „Lücken“

Was Sie über Zähne und Implantate wissen sollten

Wie wichtig sind gesunde und schöne Zähne für unser Leben? Eine aktuelle Studie zeigt: Zähne haben für die österreichische Bevölkerung einen hohen Stellenwert – und Zahnimplantate sind als Möglichkeit des Zahnersatzes nahezu flächendeckend bekannt. Gleichzeitig offenbart die Untersuchung deutliche Informationslücken. 

Die ÖGI-Gallup-Studie zeigt deutlich, welchen Stellenwert Zähne besitzen: Für 78 Prozent der Befragten gehören gepflegte Zähne zu einem positiven Erscheinungsbild, 63 Prozent nennen weiße Zähne und 60 Prozent eine schöne beziehungsweise richtige Zahnstellung. Umgekehrt werden Zahnlücken von rund drei Viertel der Bevölkerung als störend wahrgenommen.

Doch es geht nicht nur um Ästhetik. Gesunde Zähne ermöglichen eine gute Kaufunktion, beeinflussen Sprache und Ernährung und tragen wesentlich zur Lebensqualität bei. Für Implantologen ist deshalb entscheidend, Zahnverlust nicht isoliert zu betrachten. Die Frage lautet nicht nur, wie ein Zahn ersetzt werden kann, sondern warum er verloren gegangen ist und wie Gesundheit, Funktion, Knochen und Weichgewebe langfristig erhalten werden können.

Österreicher wissen zu wenig über Mundgesundheit
Gerade wenn es um Voraussetzungen, Risiken und die langfristige Betreuung von Implantaten geht, besteht laut der von der Österreichischen Gesellschaft für Implantologie (ÖGI) in Auftrag gegebenen Studie jedoch Aufklärungsbedarf. „Wir sehen eine sehr hohe Akzeptanz von Implantaten. Gleichzeitig zeigt unsere Studie, dass Bekanntheit nicht automatisch Wissen bedeutet“, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Dieter Busenlechner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Implantologie. „Genau hier müssen wir als Fachgesellschaft ansetzen.“

Weiße Zähne gelten für viele als Schönheitsideal.
Weiße Zähne gelten für viele als Schönheitsideal.(Bild: © Robert Kneschke)

Um wissenschaftlich fundiertes Wissen rund um Zahnimplantate auch außerhalb der Ordination verständlich zugänglich zu machen, setzt die ÖGI verstärkt auf neue Informationsformate. Dazu gehört auch „ImplanTalk – der Podcast der ÖGI“, in dem Expertinnen und Experten zentrale Fragen rund um Implantate, Mundgesundheit und moderne Behandlungsmöglichkeiten allgemein verständlich diskutieren.

Zahnverlust verändert mehr als das Lächeln
Fehlt ein Zahn, verändert sich die Situation im Kiefer. Der Knochen, der zuvor die Zahnwurzel umgeben hat, kann sich zurückbilden, Nachbarzähne können sich verschieben und bei mehreren fehlenden Zähnen kann auch die Kaufunktion eingeschränkt sein.

Gerade ältere Menschen meiden bei eingeschränkter Kaufähigkeit mitunter härtere und faserreiche Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Nüsse. Zahnverlust kann damit auch Auswirkungen auf Ernährung und Lebensqualität haben.

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Wir dürfen Implantologie deshalb nicht auf das Setzen eines Implantats reduzieren. Am Anfang steht immer die Gesundheit des gesamten Mundraums.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Dieter Busenlechner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Implantologie

Hinzu kommt: Der Mund ist kein vom übrigen Körper getrenntes System. Besonders gut untersucht ist etwa die wechselseitige Beziehung zwischen Parodontitis und Diabetes. „Wir dürfen Implantologie deshalb nicht auf das Setzen eines Implantats reduzieren“, betont Busenlechner. „Am Anfang steht immer die Gesundheit des gesamten Mundraums.“

Vor dem Implantat kommt die Diagnose
Ein Implantat kann bei einem verlorenen Zahn eine sehr gute Möglichkeit sein, Funktion und Ästhetik wiederherzustellen. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer konventionellen Brücke besteht darin, dass gesunde Nachbarzähne häufig nicht beschliffen werden müssen.

Doch nicht jede Zahnlücke ist automatisch eine Implantatindikation. Vor jeder Behandlung müssen die individuelle Situation, Knochen und Weichgewebe, Mundhygiene sowie mögliche Risikofaktoren beurteilt werden. Dazu gehören unter anderem Rauchen, bestimmte Allgemeinerkrankungen und Medikamente.

Besonders wichtig ist die parodontale Situation. Eine aktive Parodontitis sollte vor einer Implantation behandelt und stabilisiert werden. Denn Faktoren, die zum Verlust eigener Zähne beitragen, können später auch die Gesundheit eines Implantats gefährden.

Implantate sind kein wartungsfreier Ersatz
Auch nach erfolgreicher Implantation bleibt die langfristige Betreuung entscheidend. Implantate können zwar keine Karies entwickeln, das Gewebe rund um ein Implantat kann sich jedoch entzünden. Bei einer Periimplantitis kommt es zusätzlich zu einem Abbau des umgebenden Knochens.

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Ein Implantat kann über sehr viele Jahre hervorragend funktionieren. Aber es ist kein wartungsfreies Ersatzteil.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Dieter Busenlechner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Implantologie

Das Problem: Schmerzen treten häufig erst spät auf. Blutungen oder Veränderungen des Gewebes können wesentlich früher Hinweise geben. „Ein Implantat kann über sehr viele Jahre hervorragend funktionieren. Aber es ist kein wartungsfreies Ersatzteil“, erklärt Busenlechner. Entscheidend sind deshalb gute häusliche Mundhygiene und regelmäßige professionelle Kontrollen.

Bekanntheit ist nicht gleich Wissen
Genau hier zeigt die Gallup-Studie ein bemerkenswertes Informationsparadoxon: Implantate sind in Österreich mit 93 Prozent Bekanntheit praktisch in der gesamten Bevölkerung angekommen. Auch die grundsätzliche Bereitschaft für eine Implantatversorgung ist hoch: 71 Prozent würden sich im Bedarfsfall für ein Implantat entscheiden.

Das tatsächliche Wissen hält damit jedoch nicht Schritt. Nur rund ein Viertel der Befragten fühlt sich über Implantate gut informiert, während rund 43 Prozent angeben, wenig oder gar nicht informiert zu sein. Für die ÖGI liegt darin eine zentrale Aufgabe. „Wir haben heute hervorragende diagnostische, chirurgische und prothetische Möglichkeiten. Aber die beste Technologie nützt wenig, wenn Patienten nicht wissen, welche Behandlung für sie sinnvoll ist und was sie selbst zum langfristigen Erfolg beitragen können“, sagt Busenlechner.

Der Zahnarzt als wichtigste Informationsquelle
In einer Zeit, in der Gesundheitsinformationen über Suchmaschinen, soziale Medien und künstliche Intelligenz jederzeit verfügbar sind, wird qualifizierte medizinische Einordnung umso wichtiger. Die Gallup-Studie zeigt dabei: Zahnärztinnen und Zahnärzte bleiben die zentrale Anlaufstelle für Information und Beratung rund um Implantate.

Darin sieht die ÖGI einen wesentlichen Auftrag: wissenschaftlich fundierte Implantologie weiterzuentwickeln und gleichzeitig verständliche, verlässliche Informationen für Patientinnen und Patienten bereitzustellen. Mit „ImplanTalk - dem Podcast der ÖGI“ ergänzt die Fachgesellschaft deshalb die persönliche Beratung beim Zahnarzt um ein niederschwelliges Informationsangebot, das Wissen rund um Implantate verständlich und wissenschaftlich fundiert vermittelt.

„Unser Ziel muss sein, aus der hohen Bekanntheit von Implantaten auch ein besseres Verständnis zu machen“, fasst Busenlechner zusammen. „Gut informierte Patientinnen und Patienten können gemeinsam mit ihrem Zahnarzt bessere Entscheidungen treffen – und genau das ist eine wesentliche Voraussetzung für langfristig erfolgreiche Implantologie.“

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