Meer so warm wie nie

„Super“-Ereignis El Niño dürfte Rekorde brechen

Wissen
11.10.2026 08:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

El Niño dürfte heuer Rekorde brechen: Die für das Wetterphänomen entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie. Experten sprechen von einem außergewöhnlichen „Super“-Ereignis, das ungewöhnlich lange anhalten wird und die weltweite Lebensmittelversorgung bedrohen könnte.

„El Niño ist angekommen und gewinnt rasch an Stärke“, sagt Celeste Saulo, Chefin der Weltwetterorganisation (WMO). Voraussichtlich wird das Klimaphänomen im Dezember seinen Höhepunkt erreichen. Anhalten wird er aber voraussichtlich noch darüber hinaus: Die Prognosen der WMO deuteten mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass der El Niño bis Februar 2027 anhält.

Meer so warm wie noch nie
Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Zum ersten Mal hat die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region die 30-Grad-Marke geknackt, wie Daten der Plattform „Climate Reanalyzer“ der University of Maine zeigen. „Niño 3.4“ ist eine geografische Region im zentralen und östlichen Pazifik und gleichzeitig ein wichtiger Klimaindex, um das El-Niño-Phänomen zu messen.

Was ist El Niño? 

El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Es ist nicht durch den Klimawandel verursacht, kann dessen Folgen aber zusätzlich verschärfen und extreme Wetterbedingungen verursachen.

Im Pazifik steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert.

Der Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven erklärte, eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und ziemlich sicher auch weit davor noch nie gegeben. Man könne „mittlerweile klar von einem außergewöhnlichen „Super“-Ereignis sprechen“. Die starken El Niños von 1997 und 2015 seien dort zu dieser Jahreszeit mehr als ein ganzes Grad kühler gewesen.

„Schwerwiegende Folgen für Nahrungsmittelversorgung“
Laut WMO dürfte das zu überdurchschnittlichen Temperaturen in weiten Teilen der Welt führen. Zusätzlich dazu soll es je nach Region entweder extrem viel regnen oder heftige Dürren geben. „In Indonesien und anderen Teilen Südostasiens, in Teilen des nördlichen Südamerikas und im südlichen Afrika steigt das Risiko ausgeprägter Trockenheit“, erklärte AWI-Experte Gößling. „Wenn diese wichtigen Agrarregionen gleichzeitig betroffen sind, kann das schwerwiegende Folgen für die globale Nahrungsmittelversorgung haben.“

An anderen Orten wirke El Niño umgekehrt: An der Westküste Südamerikas sowie in Teilen Ostafrikas steige das Risiko von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen, im östlichen und zentralen Pazifik für Hurrikane.

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