Nachdem die Ärztekammer gemauert hatte, haben Recherchen der „Krone“ ergeben, dass 2025 und 2026 in Niederösterreich je weniger als 15 Notärzte ausgebildet wurden. In den beiden Jahren davor waren es gar nur neun neue Diplome im weiten Land. Kritiker befürchten: Selbst die Streichung von elf Notarztstützpunkten wird so zu wenig sein.
Nicht nur in Niederösterreich herrscht ein Riesengriss um Anästhesisten und Notärzte. Warum? Weil Anästhesie weit nicht die beliebteste Fachrichtung bei Medizinstudenten ist, aber die Einzige, die sich mit der Notarztausbildung größtenteils deckt. So man für das Notarzt-Diplom nicht noch zusätzlich massiven und jahrelangen Aufwand in Kauf nehmen.
Fast keine neuen Notfallmediziner
Das bundesweite Notarztausbildungsmodell greift seit 2019. Damit wurde dem wenige Wochen dauernden „Schnellsiedekurs“ für alle Ärzte ein Ende gesetzt, was von Experten begrüßt wird. Darunter auch Notruf-NÖ-Chef Christian Fohringer, der von immer wieder vorkommenden Notarzteinsätzen spricht, wo ein zweiter Notarzt dazu alarmiert werden muss, weil es der Mediziner vor Ort nicht könne oder schaffe.
Die neue Notarztausbildung, die Top-Mediziner im EU-Vergleich hervorbringt, hat aber auch zur Folge, dass es seit Jahren fast keine neuen Notärzte gibt. Besonders prekär ist die Situation im Land, wo 2023 und 2024 je nur neun (!) Notärzte ausgebildet wurden. Fohringer meint dazu, dass die geringe Absolventenzahl leicht mehr werde.
LGA: „Kurse 2025 voll besetzt“
Die NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA), die alle Spitäler im Land führt, ist mit dem Thema betraut: „Wir bieten 80 Lehrgangsplätze an, 2025 waren die angebotenen Kurse voll besetzt. Ein Kurs ist aber nur Teil der Notarzt-Ausbildung und muss parallel zu einer Fachausbildung absolviert werden“, verweist man bei Zahlen an die Ärztekammer, die die Diplome vergibt.
Weniger als 15 Notärzte pro Jahr fertig
Bei der Niederösterreich-Kammer gibt man sich zugeknöpft, antwortet zuerst gar nicht, bis auf nochmalige Anfrage dann doch Präsident Harald Schlögel Stellung nimmt. Die von der „Krone“ recherchierten Zahlen – weniger als 15 Notarztabsolventen 2025 und auch nicht mehr 2026 – werden aber weder bestätigt noch dementiert, man verweist auf die eigene Bundeskammer.
Notarztstützpunktstreichung nur Tropfen auf heißen Stein
Kritiker sehen darin ein klares Versagen des neuen Ausbildungssystems – in Anbetracht der in Pension gehenden Babyboomer-Generation befürchten hier viele, dass auch die Streichung der elf NÖ-Notarztstützpunkte auf 21 nicht reichen wird, um den immer schlimmer werdenden Ärztemangel zu kompensieren.
Geringe Zahl als Anlass, neu zu evaluieren
Präsident Schlögel betont, dass es sich bei den Zahlen nur um den jährlichen Neuzugang an Notärzten handle und sich daraus keine Anzahl verfügbarer Notärzte ableiten lasse. Fakt ist aber, dass wegen des Mangels immer wieder Diensträder in einigen Stützpunkten in Niederösterreich nicht mehr besetzt werden konnten. „Eine eventuell künftig zu geringe Zahl neuer Abschlüsse könnten wir aber zum Anlass nehmen, die Rahmenbedingungen neu zu evaluieren“, räumt der Kammerpräsident ein.
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