Der steirische SPÖ-Chef Max Lercher wurde erst 40 Jahre alt – und blickt dennoch schon auf eine lange politische Karriere zurück. Nun arbeitet er daran, seine Landespartei als erster Herausforderer für die FPÖ zu positionieren. Die Rahmenbedingungen könnten kaum schwieriger sein.
„Ich möchte die Sozialdemokratie als positiven Gegenpol in der Steiermark positionieren, als zweite große Kraft neben den Freiheitlichen, die sich mit Ideen abgrenzt und nicht mit plumper Keiferei, Politik für etwas – nicht nur dagegen. Weil es die ÖVP in dieser Breite nicht mehr gibt, ist ein weites Feld vorhanden.“ Das sagte Max Lercher diese Woche im großen „Krone“-Interview diese Woche.
Vor zwei Jahren hat er die Landespartei am Tiefpunkt übernommen. Herbe Verluste bei der Wahl, den Koalitions-Poker verloren und auf der harten Oppositionsbank gelandet. Seitdem versucht der Obersteirer, die Genossen wieder aufzurichten. „Die Partei hat sich stabilisiert. Das ist, wenn man in andere Länder blickt, mehr, als man vor zwei Jahren erwarten durfte“, sagte er im Interview.
Freilich: Der Abstand zu den Freiheitlichen ist in den Umfragen beträchtlich. Dass die ÖVP abrutscht, ist da wohl nur ein kleiner Trost. Lercher nimmt in seiner Rolle als Oppositionsführer vor allem die Blauen ins Visier, selbst, wenn es um die Gesundheit und Industrie geht, die eigentlich bei den Schwarzen (Karlheinz Kornhäusl, Willibald Ehrenhöfer) angesiedelt sind. Er reibt sich an der FPÖ, will erster Herausforderer werden.
Die Rahmenbedingungen sind aber schwierig, nicht nur, weil man die Macht als Regierungspartei verloren hat. Die Bundespartei schwächelt wie nie zuvor, ständig wird über Vizekanzler Andreas Babler spekuliert. Lercher grenzt sich ab, geht, wie er sagt, einen eigenständigen steirischen Weg. Doch eine völlige Loslösung von den Debatten in Wien ist kaum möglich, sie holen ihn immer wieder ein. Christian Kern, mit dem Lercher ein gutes Verhältnis pflegt, wäre als neuer Parteichef hilfreich gewesen, doch diese Option verstrich im Frühjahr.
Und so beackert er weiter seine (steirischen) Themen, spricht von den Lebensrealitäten und Nöten der Menschen, bezeichnet sich als geläuterten Nicht-Parteipolitiker. Das kann man belächeln. Aber falls die Freiheitlichen doch einmal schwächeln, will er für den Tag X bereit sein. Diese Mission verfolgt er konsequent.
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