Besser, als man glaubt

Wie gesund ist der Akku wirklich nach 100.000 km?

Motor
06.09.2026 14:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der teure Batterietod ist eines der größten Schreckgespenster beim gebrauchten Elektroauto. Eine Auswertung von knapp 10.000 Stromern aus Schweden zeichnet nun ein deutlich entspannteres Bild: Nach 100.000 Kilometern sind im Durchschnitt noch 92,4 Prozent der ursprünglichen Kapazität vorhanden.

Beim gebrauchten Verbrenner schaut man auf Kilometerstand, Serviceheft und vielleicht noch darauf, ob der Motor verdächtig klingt. Beim Elektroauto kommt eine wesentlich teurere Unbekannte hinzu: Wie fit ist die Batterie?

Eine umfangreiche Auswertung des schwedischen Gebrauchtwagenanbieters Carla liefert nun ziemlich beruhigende Zahlen. Für die Untersuchung wurden knapp 10.000 Batterietests ausgewertet, die zwischen 2022 und 2026 bei Elektroautos auf dem schwedischen Gebrauchtwagenmarkt durchgeführt wurden. Gemessen wurde mit Diagnosetechnik des niederösterreichischen Batteriespezialisten Aviloo. 

Das Ergebnis: Bei Autos mit bis zu 10.000 Kilometern lag der durchschnittliche State of Health, kurz SoH, bei 98,6 Prozent. Nach 50.000 Kilometern waren im Mittel noch 94,4 Prozent vorhanden, nach 100.000 Kilometern 92,4 Prozent.

Der durchschnittliche Verlust nach 100.000 Kilometern beträgt damit gerade einmal 7,6 Prozent. Ein Elektroauto, das neu real 400 Kilometer mit einer Ladung schaffte, würde bei sonst gleichen Bedingungen rechnerisch also noch rund 370 Kilometer erreichen.

Der größte Verlust kommt offenbar früh
Interessant ist dabei nicht nur, wie wenig Kapazität verloren geht, sondern auch der Verlauf der Alterung. Die Daten deuten darauf hin, dass ein Akku nicht einfach jedes Jahr oder alle 10.000 Kilometer denselben Prozentsatz verliert.

Am Anfang fällt die Kurve stärker. Später flacht sie ab. Zwischen 70.000 und 100.000 Kilometern ging die durchschnittliche Batteriegesundheit laut Carla beispielsweise nur noch um ungefähr einen Prozentpunkt zurück. 

Wer also von 7,6 Prozent Verlust auf den ersten 100.000 Kilometern einfach hochrechnet und bei 200.000 Kilometern 15 oder 16 Prozent erwartet, könnte danebenliegen. Batteriealterung verläuft nicht linear.

Dazu passt eine zweite Zahl aus Carlas Datenbestand: 94 Prozent der getesteten Elektroautos hatten noch mehr als 90 Prozent ihrer ursprünglichen Batteriekapazität, mehr als die Hälfte lag sogar bei mindestens 95 Prozent. Unter 80 Prozent fanden sich nur 13 Fahrzeuge. 

Manche Modelle altern deutlich langsamer
Allerdings verstecken Durchschnittswerte interessante Unterschiede. Besonders gut schnitten bei einer weiteren Carla-Auswertung koreanische Modelle ab. Der Kia e-Niro mit 64-kWh-Akku kam nach mehr als 100.000 Kilometern durchschnittlich noch auf 97,25 Prozent Batteriegesundheit, der Hyundai Kona Electric auf 97,18 Prozent. Beim Kia EV6 waren es 95,95 Prozent. 

Andere Modelle verlieren deutlich mehr. Entscheidend sind Batteriechemie, Zellhersteller, Größe des Akkus und dessen Temperaturmanagement - aber ebenso das Leben, das ein konkretes Auto hinter sich hat.

Und genau da liegt der Haken: Zwei identische Elektroautos mit demselben Kilometerstand können unterschiedlich fitte Batterien besitzen. Aviloo berichtet aus seiner inzwischen wesentlich größeren Datenbank von mehr als 500.000 Tests, dass selbst bei zwei baugleichen Stromern mit rund 50.000 Kilometern bis zu zehn Prozentpunkte Unterschied beim SoH auftreten können. 

Dauerhaft hoher Ladestand, extreme Temperaturen, Ladeverhalten und Nutzung können die Alterung beeinflussen.

Kilometerstand allein sagt wenig aus
Daher sind die Ergebnisse vor allem für den Gebrauchtwagenmarkt interessant. Ein Stromer mit 100.000 Kilometern muss keineswegs einen ausgelutschten Akku besitzen. Umgekehrt garantiert eine geringe Laufleistung noch keinen perfekten Stromspeicher.

Eigentlich müsste der Batteriegesundheitszustand deshalb beim gebrauchten E-Auto so selbstverständlich im Inserat stehen wie Kilometerstand und Erstzulassung.

Oberhalb von 100.000 Kilometern wird die Datenlage schnell dünner: Bei 120.000 Kilometern waren in der Auswertung nur noch 39 Fahrzeuge vorhanden. Aussagen über 200.000 oder 300.000 Kilometer lassen sich daraus also nicht seriös ableiten. Auch die Übertragbarkeit des schwedischen Fahrzeugbestands auf ganz Europa ist begrenzt. Die verbreitete Angst, ein Elektroauto sei nach 100.000 Kilometern batteriebedingt praktisch verbraucht, scheint aber unbegründet.

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