ÖAMTC schlägt Alarm

Bis zu 150% Preisunterschied beim E-Auto-Laden!

Motor
05.09.2026 14:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Beim Sprittanken weiß man vorher, worauf man sich einlässt, beim Laden von Elektroautos kommt oft die teure Rechnung erst hinterher. Wenn man nicht die richtige Karte hat, muss man an einer Ladesäule unter Umständen fast das Zweieinhalbfache des günstigsten Preises zahlen, rechnet der ÖAMTC vor.

Der Klub fordert dringend Verbesserungen bei der Tarifgestaltung an den E-Ladesäulen. Zwar müssten die Preise laut der EU Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) einfach, transparent und vergleichbar sein, jedoch: „Die Praxis sieht anders aus“, stellt ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik fest.

Anders als für Benzin und Diesel gebe es zumeist keine oder keine klare Preisauszeichnung an der Station. Und je nach verwendeter Ladekarte würden am selben Ladepunkt oftmals sehr unterschiedliche Tarife verrechnet, was mitunter an hohen Fremdkarten-Tarifen liegt. Auch die Wahl der Zahlungsmethode spiele eine Rolle.

Der Klub beruft sich auf eine eigens in Auftrag gegebene Studie von Arthur D. Little, die Ladepreise von 18 der größten österreichischen Anbieter untersucht hat. Analysiert wurden jeweils die Preise je Kilowattstunde ohne Grundgebühr beim Laden mit der Ladekarte des Ladestellenbetreibers, mit einer Kreditkarte und das Standardangebot für konkurrierende Ladeanbieter. Das Ganze für Standard-, Schnell- und Ultraschnell-Ladesäulen.

Mit Kreditkarte oft günstiger
In zwei Dritteln aller untersuchten Fälle haben Endkunden, die per Kreditkarte bezahlen, einen besseren Preis bekommen als konkurrierende Ladekarten-Betreiber per Standardangebot („Offer-to-All“). Gegenüber den Ladepreisen, die Ladestellen-Betreiber ihren eigenen Kundinnen und Kunden verrechnen, zahlten Fremdnetze in 90 Prozent aller Fälle mehr. Maximal betrug dieser Aufschlag 118 Prozent.

Laut ÖAMTC Ladekompass differieren die Preise für Konsumenten maximal um beinahe 70 Cent pro kWh – was Mehrkosten von 142 Prozent gegenüber dem günstigsten Ladetarif entspricht. „Das wäre, als würde man an einer Tankstelle für einen Liter Diesel anstatt 2 Euro sogar 4,80 Euro bezahlen“, rechnet der Klub vor.

Vorbild Mobilfunk
Kloboucnik fordert „wirksame Regeln, die national auch durchsetzbar sind“: „Technisch funktioniert das Laden über verschiedene Anbieter längst. Jetzt braucht es klare Spielregeln für transparente Preise und faire Bedingungen. Gelingt das mit der Überarbeitung der AFIR nicht, könnte es notwendig werden – angelehnt an die Roaming-Regulierung im Mobilfunk – massiv in den Markt einzugreifen und etwa konkrete Grenzen für Aufschläge oder Höchstpreise für Endkunden vorzuschreiben.“

Energieunternehmen gegen Preis-Obergrenzen
Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ), der die Interessen von 13 österreichischen Energieunternehmen vertritt, unterstützt zwar das Ziel, Ladepreise transparent und einfach vergleichbar zu machen, lehnt aber pauschale Preisobergrenzen nach dem Vorbild des Mobilfunk-Roamings ab. Da öffentliche Ladeinfrastruktur eine physische Energieinfrastruktur sei, würden sich die Kosten je nach Ladeleistung, Netzanschluss, Standort, Auslastung und Betrieb erheblich unterscheiden.

Preisobergrenzen könnten dazu führen, dass insbesondere weniger stark ausgelastete Standorte im ländlichen Raum oder in Wohngebieten wirtschaftlich schwerer zu betreiben seien und der Ausbau dadurch gebremst werde, warnte BEÖ-Vorsitzender Andreas Reinhardt. Für den Tarifvergleich verwies der BEÖ auf den unabhängigen Lade-Tarifkalkulator der E-Control (ladetarif.at).

Die Europäische Kommission habe bestätigt, dass es an öffentlich zugänglichen Ladesäulen keine ungerechtfertigten Preisaufschläge für Fremd-Ladekartenbesitzer geben dürfe, merkte ÖVP-Verkehrssprecherin im Europaparlament Sophia Kircher an. „Diese Kluft zwischen dem Anspruch der EU-Verordnung und der Realität muss bei der Überarbeitung durch die Kommission bis Ende 2026 wasserdicht geschlossen werden.“

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