Nie hat ein Mazda für so viel Stirnrunzeln gesorgt: Beim bisherigen Mazda6e musste man sich zwischen brauchbarer Reichweite und akzeptabler Ladegeschwindigkeit entscheiden. Mit dem Modelljahr 2027 beenden die Japaner diese schrullige Wahl: Ein neuer Akku kann beides.
Eigentlich hatte der Mazda6e von Anfang an vieles, was ein interessantes Elektroauto braucht: schickes Fließheck, Hinterradantrieb, viel edle Ausstattung und einen durchaus attraktiven Preis. Bei der Batterieauswahl leistete sich Mazda allerdings eine Merkwürdigkeit.
Die Standardversion mit 68,8-kWh-LFP-Akku (brutto) kam zwar nur 479 Kilometer weit, konnte dafür mit bis zu 165 kW laden: 10 bis 80 Prozent in beeindruckenden 24 Minuten. Wer sich dagegen für die 80-kWh-Long-Range-Version (NMC) mit 552 Kilometern Reichweite entschied, musste sich mit maximal 90 kW zufriedengeben. Von zehn auf 80 Prozent vergingen satte 47 Minuten.
Der NMC-Akku verkaufte sich bei uns kaum, aber megaerfolgreich war auch der LFP nicht. Doch jetzt kann sich alles zum Besseren wenden.
Eine neue 78-kWh-LFP-Batterie ersetzt beide Akkus. Sie ermöglicht bis zu 560 Kilometer WLTP-Reichweite und verträgt gleichzeitig maximal 200 kW Gleichstrom. Von zehn auf 80 Prozent sollen nur 24 Minuten vergehen, dabei kommen laut Mazda fast 400 Kilometer zusätzliche Reichweite in den Akku.
Gegenüber dem bisherigen Long Range halbiert sich die Ladezeit damit beinahe. Und trotz zwei Kilowattstunden kleinerem Akku steigt die Normreichweite sogar von 552 auf 560 Kilometer. Das liegt natürlich am geringeren Verbrauch: 16,1 kWh/100 km statt 16,5 bzw. 16,6 kWh.
Auch Fahrwerk und Lenkung werden angefasst
Mazda nutzt den Modelljahreswechsel allerdings nicht nur für einen Batterietausch. Das Ansprechverhalten des Fahrpedals wurde neu abgestimmt, die maximale Beschleunigung soll verbessert worden sein und auch die Rekuperation kann künftig stärker eingreifen. Konkrete neue Beschleunigungswerte nennt Mazda in der ersten Mitteilung allerdings noch nicht.
Interessanter ist ohnehin, dass auch die elektrische Servolenkung neu kalibriert wurde, denn die Lenkung war bisher für europäische Verhältnisse (und auch im Vergleich zu allem, was Mazda bisher im Programm hatte) zu gefühllos. Neue Stoßdämpferabstimmungen und Federraten sollen den bisher mäßigen Komfort verbessern.
Der Mazda6e entsteht bekanntlich in China in Kooperation mit Changan. Außen trägt er zwar reichlich Mazda-Design, technisch hat er aber deutlich chinesische Wurzeln. Umso wichtiger ist für die Japaner eine Abstimmung, die sich tatsächlich nach Mazda anfühlt – das haben wir bisher vermisst.
Auch die Assistenzsysteme bekommen Feinschliff. Die erweiterte Lenkunterstützung arbeitet nun bis 160 km/h, der Spurhalteassistent soll sanfter eingreifen. Bedienung, Übersetzungen und Spracherkennung des 14,6-Zoll-Touchscreens wurden ebenfalls überarbeitet, ebenso die Routenplanung des Navis.
Neu ist außerdem ein „Pet Comfort Mode“. Verlässt der Fahrer vorübergehend das Auto, kann die Klimaanlage die Innenraumtemperatur weiter halten – praktisch für Haustiere, aber auch für temperaturempfindliche Einkäufe.
Sportlicher oder gediegener
Bei der Ausstattung gibt es ebenfalls Bewegung. Neu kommt Homura Plus mit schwarzen Teil-Nappaleder-Sitzen, Veloursleder-Nachbildung, roten Nähten und hochglänzend schwarzen Außendetails.
Daneben bleibt Takumi Plus die gediegenere Variante. Hier können Käufer zwischen weißen und hellbraunen Sitzbezügen wählen, dazu gibt es dunkles Holzdekor und je nach Innenraum ein schwarzes oder zweifarbiges Lenkrad.
Der Mazda6e 2027 soll gegen Jahresende starten und ab 44.475 Euro kosten. Selbst die Vollausstattung liegt laut Mazda mit 46.425 Euro nur knapp darüber. Zum Vergleich: Der bisherige 6e begann regulär bei 43.475 Euro. Für 1000 Euro mehr gibt es damit wesentlich mehr Reichweite als in der bisherigen Basisversion und gleichzeitig die Ladeleistung, die dem bisherigen Long Range gefehlt hat. Nach Österreich kommt der überarbeitete 6e gegen Jahresende.
Damit bleibt der 6e trotz der deutlich verbesserten Batterie preislich in einem Bereich, in dem sich auch Tesla Model 3, BYD Seal oder die günstigeren Varianten größerer europäischer Elektro-Limousinen tummeln.
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