Zittern vor der AfD

Ganz Europa blickt mit Sorge nach Sachsen-Anhalt

Außenpolitik
06.09.2026 09:00

Das deutsche Bundesland Sachsen-Anhalt wählt heute einen neuen „Chef“. Wer erhofft sich Vorteile? Wofür stehen die Kandidaten? Wer kann mit wem? 

Ein politisches Beben kündigt sich an: Wenn Sachsen-Anhalt heute einen neuen Landtag wählt, blickt nicht nur ganz Deutschland, sondern auch Europa sorgenvoll auf das kleine Bundesland unseres Nachbarn, das flächenmäßig so groß wie Niederösterreich ist und nur zwei Millionen Einwohner hat.

Sämtliche Umfragen zeichnen das gleiche Bild. Die AfD rund um Spitzenkandidat Uli Siegmund steuert mit wahrscheinlich über 40 Prozent der Stimmen auf einen historischen Sieg zu und liegt damit weit vor der CDU und dem amtierenden Landeschef Sven Schulze, die abgeschlagen bei etwas über 20 Prozent rangiert.

Die Infografik zeigt die aktuelle Sitzverteilung und Umfragewerte zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im August 2026. Die CDU stellt mit 40 Sitzen die größte Regierungspartei, gefolgt von SPD mit 9 und FDP mit 7 Sitzen. In der Umfrage liegt die AfD mit 42 Prozent vorn, gefolgt von CDU mit 22 Prozent. Die Linke erreicht 11 Prozent, SPD 8 Prozent, Grüne 6 Prozent und BSW 4 Prozent. Quelle: Infratest dimap.

Drohender Machtwechsel sorgt für Unruhe im Ausland
Dieser drohende Machtwechsel erzeugt selbst im Ausland große Unruhe. Aus Moskau beobachtet man das Geschehen mit Wohlwollen. Der Kreml hofft auf einen Triumph der AfD, der den Druck auf die deutsche Bundesregierung erhöhen und Kanzler Friedrich Merz schwächen könnte. In Kiew hingegen wächst die Angst vor den Wahlfolgen. Die Ukraine befürchtet, dass bei einem politischen Umsturz in Magdeburg einer der wichtigsten Geld- und Waffenlieferanten Europas ins Straucheln gerät, da die AfD eine Beendigung der Hilfen fordert.

Tiefer Graben zwischen den Lagern
Wie tief der Graben zwischen den Lagern ist, zeigte das jüngste Duell der Spitzenkandidaten. Ministerpräsident Sven Schulze und Herausforderer Siegmund stritten hart über die Zukunft des Landes. Beim Thema Arbeit setzt Siegmund primär darauf, ausgewanderte Deutsche zurückzuholen, während Schulze klarstellt, dass Schlüsselbranchen wie die Pflege ohne ausländische Fachkräfte kollabieren würden. Bei der Migration verlangt die AfD drastische Abschiebungen im Eiltempo, während die CDU auf internationale Abkommen und bestehende Gesetze verweist. Auch bei den Finanzen prallen Welten aufeinander: Die AfD verspricht radikale Einsparungen in der Verwaltung, doch Wirtschaftsinstitute warnen bereits vor einer Milliardenlücke im Programm der Rechtspartei.

Sollte die AfD als Siegerin hervorgehen, sind ihrer Macht dennoch verfassungsrechtliche Grenzen gesetzt. Zwar könnte eine AfD-geführte Regierung bei der Kulturförderung, der Besetzung von Polizeiposten oder in der Schulpolitik rasch eigene Akzente setzen. Doch radikale Umbrüche – etwa die Abschaffung der Schulpflicht zugunsten von Heimunterricht oder Eingriffe in die Energiepolitik – würden großteils an Gesetzen auf Bundesebene scheitern.

Wer soll denn dann mit wem regieren?
Das größte Rätsel bleibt jedoch die Regierungsbildung. Da die AfD trotz ihres Rekordergebnisses eine absolute Mehrheit verfehlen dürfte und alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr strikt ablehnen, droht ein politisches Patt. Dem CDU-Herausforderer Schulze bliebe wohl nur die Bildung einer wackligen Minderheitsregierung, die sich auf Stimmen der Linkspartei stützen müsste – für viele Christdemokraten ein unvorstellbares Tabu. Das politische Beben nach dem heutigen Wahlsonntag wird noch lang nachhallen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung