Unter den unleistbaren Autos ist der Ferrari Luce das derzeit wohl bekannteste. Der Shitstorm nach seiner Präsentation ist legendär. Der nun erzielte Verkaufspreis für ein besonderes Exemplar auch: 40 Millionen Dollar!
Es gibt Autos, die werden teuer, weil sie schön sind. Andere, weil sie schnell sind. Wieder andere, weil sie selten sind. Und dann gibt es Ferrari: Da reicht mitunter schon die richtige Fahrgestellnummer. Manche werden ergänzen: … und eine gehörige Portion Geschmacksverirrung.
Chassis-Nummer 0 des ersten Elektro-Ferrari hat bei einer Versteigerung in Pebble Beach unglaubliche 40 Millionen Dollar gebracht, rund 34,6 Millionen Euro. Das Geld geht an die Ferrari Foundation, wird also für einen guten Zweck verwendet. Es ist nach Angaben des Herstellers die höchste Summe, die jemals bei einer Auktion für einen Neuwagen bezahlt wurde. Nicht schlecht für ein Fahrzeug, das auf derart breite Ablehnung stößt (dessen erste Jahresproduktion von 500 Stück aber bereits ausverkauft ist).
Ferraris erstes Elektroauto gehört schließlich zu jenen Autos, bei denen selbst ausgewiesene Fans des springenden Pferdes zweimal auf das Markenlogo schauen müssen (wahrscheinlich vor allem die). Die im Mai präsentierte Karosse hat mit den flachen, sinnlichen Sportwagen aus Maranello ungefähr so viel gemeinsam wie ein iPhone mit einem Bakelit-Telefon. Vielleicht kein Zufall: Mitgestaltet wurde der Luce von Jony Ive und Marc Newson. Ive war bei Apple unter anderem für iPhone, iMac und iPod verantwortlich.
Das Resultat ist jedenfalls konsequent anders. Vier Türen, fünf Sitzplätze, fünf Meter Länge und eine Höhe von 1,54 Metern – Ferrari hat keinen elektrischen 296 GTB gebaut, sondern einen ziemlich mächtigen Luxus-GT. Oder, weniger freundlich formuliert: einen 2,26 Tonnen schweren Elektro-Ferrari, der seine Herkunft erstaunlich geschickt verbirgt.
Die Technik begeistert Elektro-Fetischisten nicht übermäßig, passt aber besser als die Optik. Vier Elektromotoren, je einer pro Rad, liefern zusammen 772 kW oder 1050 PS und 990 Nm. Damit stürmt der Luce in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 310 km/h. Okay.
Die 122-kWh-Batterie arbeitet mit bis zu 880 Volt, kann mit maximal 350 kW Gleichstrom geladen werden und soll für rund 530 Kilometer reichen. Das klingt ordentlich, ist aber auch keine Sensation.
Dass Ferrari erheblichen technischen Aufwand betreibt, steht außer Frage. Die vier Motoren lassen sich einzeln regeln, die Vorderachse kann für effizienteres Fahren entkoppelt werden, dazu kommt ein aktives Fahrwerk. Selbst künstliche „Schaltvorgänge“ lassen sich über die Lenkradpaddel inszenieren. Wo früher zwölf Zylinder für Unterhaltung sorgten, arbeitet heute eben Software an der Dramaturgie.
Unter „Faszination Ferrari“ verstehen die meisten Auto-Enthusiasten aber etwas anderes.
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