Mehrere Modelle kommen

Ford entwickelt und baut Autos mit China-Konzern

Motor
27.07.2026 10:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Schwere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Noch vor wenigen Jahren galt China für europäische Autobauer vor allem als Absatzmarkt. Heute drängen die Fernost-Hersteller massiv auf unsere Märkte – trotzdem brauchen sie manche, um zu überleben. Und so schließt sich nun Ford mit Geely zu einem Joint Venture zusammen.

Joint Ventures zwischen westlichen und chinesischen Marken wurden eigentlich immer in China geschlossen, weil dies bis vor einigen Jahren die Voraussetzung war, um im Reich der Mitte Autos verkaufen zu können. An diesen Unternehmungen durften die westlichen Konzerne nur maximal 50 Prozent halten. Die Staatskonzerne profitierten vom Knowhow-Transfer. Seit 2018 hat China diese Pflicht schrittweise abgeschafft, beginnend mit Elektroautos, damit sich der Markt öffnen konnte. Nun läuft die Sache andersherum, und wieder profitieren die China-Marken extrem.

Neuerster Deal: Ford gründet gemeinsam mit dem chinesischen Autokonzern Geely ein Joint Venture im spanischen Werk Valencia. Dort sollen ab 2028 gleich fünf neue Modelle vom Band laufen – drei für Ford und zwei für Geely.

Beide Unternehmen verbindet schon länger eine Geschichte. 2010 verkaufte Ford seine schwedische Tochter Volvo an Geely. Heute lobt Ford den chinesischen Konzern ausdrücklich dafür, wie erfolgreich er Volvo weiterentwickelt hat. Dieses gegenseitige Vertrauen sei eine wichtige Grundlage für die neue Partnerschaft.

Ford leidet unter geänderten Marktbedingungen
Ford spricht ungewöhnlich offen davon, dass sich die Spielregeln in Europa verändert haben. Steigende Kosten, strengere Vorschriften und der zunehmende Wettbewerb – vor allem durch chinesische Hersteller – machten neue Wege notwendig. Allein werde es immer schwieriger, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Genau deshalb teilen sich beide Unternehmen künftig Entwicklungskosten und Produktionskapazitäten. Ford hält zwei Drittel des neuen Gemeinschaftsunternehmens, Geely ein Drittel. Produziert werden sollen nicht nur Elektroautos, sondern sogenannte Multi-Energy-Fahrzeuge – also Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten, vom Plug-in-Hybrid bis zum reinen Stromer.

Im Werk Valencia läuft weiterhin der Ford Kuga vom Band, einer der erfolgreichsten Plug-in-Hybride Europas. Künftig kommen ein neuer Bronco für Europa und ein komplett neuer Crossover hinzu, der gemeinsam mit Geely entwickelt wird. Gleichzeitig baut Geely zwei eigene Elektro-SUVs für den europäischen Markt.

Strategisch haben beide etwas davon
Ford kann seine Werke besser auslasten und Entwicklungskosten senken. Geely erhält eine Fertigungsbasis innerhalb der Europäischen Union – ein wichtiger Vorteil in Zeiten von EU-Zusatzzöllen auf importierte Elektroautos aus China.

Und doch ist das Ganze ein zweischneidiges Schwert: Solche Deals stärken die neue Konkurrenz und erhöhen die Gefahr, dass westliche Marken auf der Strecke bleiben, statt zurück auf die Erfolgsspur zu finden. Die traditionelle Rollenverteilung der Autoindustrie löst sich zunehmend auf. Mittlerweile wird das sprichwörtliche China Speed zur Gefahr für die europäische Wirtschaft. Billige Autos freuen die Konsumenten. Auf lange Sicht könnten sie trotzdem draufzahlen.

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