Folge der Zollregel

Große Onlinehändler stellen ihre Lieferketten um

Wirtschaft
27.07.2026 11:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit dem 1. Juli 2026 müssen Onlinehändler aus Nicht-EU-Ländern drei Euro Zoll für Kleinsendungen (Bestellwert bis 150 Euro) in die EU zahlen. Damit sollten Billigimporte aus Ländern wie China eingedämmt werden. Tatsächlich haben große Onlinehändler aber ihre Lieferketten angepasst, um ihre Waren verstärkt gesammelt in die EU einzuführen.

Die DHL Group berichtete, dass einige größere Onlinehändler bereits neue Logistikmodelle hätten. Dabei werden Waren zunächst als größere Sendungen in die Europäische Union (EU) eingeführt und dort regulär verzollt. Anschließend werden sie innerhalb der EU an die Kundinnen und Kunden verteilt. Am deutschen Flughafen Leipzig/Halle beispielsweise haben sich zuletzt zwei Logistikunternehmen angesiedelt, die auf den grenzüberschreitenden Onlinehandel spezialisiert sind und Waren für E-Commerce-Anbieter umschlagen.

Der Drei-Euro-Zoll wird nur bei Produkten schlagend, die in Drittstaaten online gekauft wurden und direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher geschickt werden. Eine weitere Maßnahme, um ihn zu umgehen, sind Lager innerhalb der EU, etwa in Ungarn und Polen. Für diese müssen laut der EU-Kommission Einfuhrzölle entrichtet werden. Viele Waren gelangen auch per Schiff nach Europa.

So berechnet sich die Abgabe
Bis zum 1. Juli galt eine Freigrenze von 150 Euro für Online-Bestellungen aus Drittstaaten. Nun fällt die Zollgebühr pro Warengruppe an. Wer beispielsweise ein T-Shirt und eine Hose bestellt, zahlt sechs Euro Zoll. Wer hingegen zwei idente T-Shirts kauft, zahlt drei Euro Zoll. Zu bezahlen ist die Gebühr theoretisch vom Versender. Die Abgabe wurde befristet bis Juli 2028 eingeführt. Bis dahin sollen die tatsächlichen Zollsätze je nach Ware und Herkunft berechnet werden können.

Große Onlinehändler aus Drittstaaten sind zum Beispiel Temu und Shein, die ihre Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich steigern konnten. Der Modehändler Shein ist im ersten Quartal 2026 allerdings in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust betrug 99 Millionen US-Dollar (umgerechnet 87 Millionen Euro). Den Hauptgrund sieht das Unternehmen darin, dass die USA seit Mai 2025 die Zollausnahmen für importierte Pakete mit einem Wert von unter 800 Dollar (etwa 702 Euro) gestrichen haben. Im Vorjahreszeitraum erzielte Shein noch einen Gewinn von 395 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 346 Millionen Euro).

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