Jeder einzelne Starlink-Satellit muss beinahe wöchentlich einer Kollision ausweichen. Das geht aus Zahlen hervor, die SpaceX in seinem jüngsten Halbjahresbericht an die US-Regierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) gemacht hat. Experten befürchten das Schlimmste.
Dem aktuellen Bericht zufolge führten die Starlink-Satelliten zwischen dem vergangenen Dezember und Mai 2026 insgesamt 207.152 Ausweichmanöver durch – ein Anstieg um fast 60.000 gegenüber den 148.696 Manövern, die im vorangegangenen Halbjahr gemeldet wurden.
Damit beläuft sich die Jahresgesamtzahl auf mehr als 355.000 Manöver – mehr als dreimal so viele wie die Konstellation im Jahr 2024 durchgeführt hat. Im Durchschnitt führte jeder Starlink-Satellit zwischen dem 1. Juni 2025 und dem 31. Mai 2026 mehr als 40 Ausweichmanöver im Weltraum pro Jahr durch.
Situation bald außer Kontrolle?
Experten befürchten, dass die Situation bald außer Kontrolle geraten könnte. „Ich glaube, wir steuern auf eine Situation zu, in der es zu einer Kollision mit einem aktiven Satelliten der Konstellation kommen wird“, sagte Hugh Lewis, Experte für Nachhaltigkeit im Weltraum und Professor für Raumfahrttechnik an der Universität Birmingham in Großbritannien, gegenüber der Website Space.com. „Und das wird nicht daran liegen, dass man nicht versucht hätte, solche Kollisionen zu vermeiden. Es wird trotz all dieser Ausweichmanöver passieren.“
Dieser Anstieg geht Hand in Hand mit der steigenden Zahl der Internet-Satellitenkonstellation von Starlink und der Gesamtzahl der Satelliten im Weltraum in den vergangenen fünf Jahren. Die Zahl der Starlink-Satelliten stieg von etwa 6000 Exemplaren im Jahr 2024 inzwischen auf mehr als 10.000 (Stand: Juni 2026). Im gleichen Zeitraum stieg die Gesamtzahl der in Betrieb befindlichen Raumfahrzeuge in einer Erdumlaufbahn von rund 10.000 auf etwa 16.000 Exemplare an.
Die Starlink-Satelliten umkreisen die Erde in Höhen zwischen 480 und 550 Kilometer. Sie nutzen ein autonomes Kollisionsvermeidungssystem, das ein Ausweichmanöver einleitet, sobald die Wahrscheinlichkeit einer Kollision höher als drei zu zehn Millionen erscheint. Lewis sagt, dass SpaceX zwar „hervorragende Arbeit“ bei der Steuerung des Weltraumverkehrs leiste, das rasante Wachstum jedoch nicht ohne steigende Risiken fortgesetzt werden könne.
Restwahrscheinlichkeit bleibt bestehen
„Die Ausweichmanöver senken die Wahrscheinlichkeit einer Kollision auf etwa eins zu einer Million, was so gering ist, dass es vernachlässigbar ist“, sagte Lewis. „Das Problem ist: Wenn man eine Million Manöver durchführt und dabei eine Restwahrscheinlichkeit von eins zu einer Million besteht, ergibt sich für die gesamte Konstellation ein Gesamtrisiko, das man nicht beseitigen kann.“
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