Erwartung übertroffen

KI sorgt für Geldregen bei Chipausrüster ASML

Digital
16.07.2026 09:31
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Chip-Ausrüster ASML rechnet dank des Booms von Künstlicher Intelligenz mit noch besseren Geschäften im laufenden Jahr. Nach einem überraschend guten Quartal hob Konzernchef Christophe Fouquet sein Umsatzziel für 2026 an – zum zweiten Mal heuer. Auch die Bruttomarge soll höher ausfallen als noch im April gedacht. Mit den neuen Zielen und den Zahlen des zweiten Quartals übertraf ASML die Erwartungen von Analysten.

Die Begeisterung der Anleger hielt allerdings nicht lange an. Zuletzt pendelte die Aktie um ihren Vortagesschluss von 1555,80 Euro. Zu Handelsbeginn war sie noch bis auf 1678,20 Euro nach oben geschnellt.

Branchenexperte Simon Coles von der britischen Bank Barclays zeigte sich von den Geschäftszahlen begeistert. Der Spezialist für Lithografiesysteme habe mit einem starken Quartal seine eigenen Ziele übertroffen. Zudem dürfte der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr ein Rekordniveau erreicht haben.

Für 2026 rechnet die ASML-Spitze jetzt mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch im niederländischen Veldhoven mitteilte. Erst im April hatte Fouquet seine Prognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Die Bruttomarge soll mit 54 bis 56 Prozent nun ebenfalls höher ausfallen als zuletzt gedacht.

Analystenerwartungen übertroffen
Mit den neuen Zielwerten übertraf das Management auch die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten - ebenso wie mit dem Umsatz und der Marge des zweiten Quartals. Für das laufende dritte Quartal stellte Fouquet einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro und eine Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent in Aussicht.

In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte ASML seinen Umsatz überraschend stark auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden im ersten Quartal. Analysten hatten nur eine geringe Steigerung erwartet. Die Bruttomarge stieg von 53 auf 54 Prozent und übertraf ebenfalls die Erwartungen von Experten. Unter dem Strich verdiente der Konzern gut 2,9 Milliarden Euro nach knapp 2,8 Milliarden im ersten Jahresviertel.

ASML ist ein entscheidender Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Als einziges Unternehmen der Welt stellt es hochentwickelte Lithographiemaschinen zur Fertigung fortschrittlicher Chips für das Training von KI-Modellen her.

IT-Unternehmen wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten. Und Chiphersteller wie der Marktführer Nvidia bauen ihre Produktionskapazitäten aus. Davon profitiert ASML mit seinen Maschinen.

Auftragseingang „äußerst stark“ dank KI
Die Investitionen und die Fortschritte rund um Künstliche Intelligenz (KI) trieben die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik-und Speicherchips an, sagte Fouquet. Die ASML-Kunden unter den Chipherstellern trieben den Ausbau ihrer Kapazitäten deshalb weiter voran. Entsprechend traut sich ASML zu, die langfristige Nachfrage nach seinen Maschinen zur Chipproduktion besser einzuschätzen. In der ersten Jahreshälfte sei der Auftragseingang „äußerst stark“ geblieben, sagte Fouquet.

Laut Einschätzung von ASML-Finanzchef Roger Dassen bleibt China für den Konzern ein wichtiger Absatzmarkt: Im laufenden Jahr dürfte ASML 20 Prozent seines Erlöses dort erzielen, auch wenn der Anteil des Landes am Konzernumsatz sinke.

Im kommenden Jahr will ASML die Kapazität für Standard-Ultraviolett-Lithografie-Anlagen (low NA EUV) von derzeit 65 Stück um 30 Prozent ausbauen und prüft für 2028 eine Ausweitung um noch mal 30 Prozent. Ähnliches gilt für DUV-Immersion-Anlagen.

Analysten-Stimmen
Analyst Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies zeigte sich von den Plänen für die EUV-Anlagen enttäuscht. Am Markt sei zuletzt ein stärkerer Kapazitätsausbau erwartet worden. Für Sandeep Deshpande von der US-Bank JPMorgan signalisieren die Kapazitätspläne indes, dass sich die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 als viel zu niedrig erweisen könnten.

Laut ASML-Manager Dassen sind in den Zielen des Konzerns für 2027 und 2028 auch die Pläne von Tesla-Chef Elon Musk für eine Chip-Riesenfabrik namens Terafab enthalten, an der auch der Chiphersteller Intel beteiligt sein soll.

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