Experte warnt

Trockenheit: Land knapp an „Ausnahmesituation“

Österreich
15.07.2026 10:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Vielerorts ist es in Österreich außergewöhnlich trocken. Der Hydrologe Günter Blöschl von der TU Wien spricht von einer Lage „am Rande einer Ausnahmesituation“. Die Kombination aus trockenem Winter und anschließend wenig Regen vielerorts „fällt aus dem Rahmen“.

An rund 85 Prozent der Messstellen lagen die Flusspegel Ende Juni unter dem langjährigen Monatsmittel, bei den Grundwassermessstellen gibt es bei rund 80 Prozent niedrige oder sehr niedrige Stände, wie der Monatsbericht „Wasserhaushalt Österreich“ enthüllt.

„Es ist Tatsache, dass das heurige Jahr sehr ungewöhnlich ist“, so der Leiter des Instituts für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Technischen Universität (TU) Wien. Im Schnitt liegt man eben „deutlich unter dem Mittel – bei den Niederschlägen der vergangenen vier bis fünf Monate sind es rund 30 Prozent weniger als der langfristige Mittelwert“. Gibt es so eine Abweichung in einzelnen Monaten, ist dies nicht so ungewöhnlich. Die Häufung in vielen Monaten hintereinander sei das Problem, so der Experte.

Die Trockenheit ist auch in der Landwirtschaft eine Herausforderung.
Die Trockenheit ist auch in der Landwirtschaft eine Herausforderung.(Bild: Christof Birbaumer)

Bodensee auf historischem Tiefstand
Besonders markant sind auch regionale Unterschiede: Speziell trocken ist es in weiten Teilen Oberösterreichs, Niederösterreichs, dem Burgenland und der östlichen Steiermark. Zuletzt habe sich die Trockenheit aber auch in anderen Teilen des Landes breitgemacht – so etwa in Vorarlberg, wo der Bodensee-Pegel kürzlich auf seinen historischen Tiefststand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850 gefallen ist. Etwas besser ist die Situation momentan in Tirol und Osttirol was die Flusspegel betrifft.

Beim Grundwasser zeichnet sich ein etwas anderes Bild: So gehen die Stände in großen Reservoirs, wie im südlichen Wiener Becken langsamer zurück, als etwa in der Flyschzone am Nordrand der Alpen u.a. in Oberösterreich. In den dort kleineren Wassersammelbecken schlägt das Niederschlagsdefizit früher durch. Insgesamt sehe man aber bundesweit sehr viele niedrige Grundwasserstände.

Sommerregen hilft bei Grundwasserneubildung in der Regel wenig
Für die Grundwasserneubildung sind vor allem die kühleren Monate entscheidend, erklärte der Hydrologe. Nachdem diese zuletzt trocken waren, ging man vielerorts schon mit einem Defizit Richtung Sommer. Würde es jetzt bei den anhaltend hohen Temperaturen und der klimawandelbedingt in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Verdunstung mehr regnen, geht das Wasser kaum in tiefere Bodenschichten über, wo Grundwasser gebildet wird.

„Die Grundwasserstände sind ein wenig wie die Seen“, so Blöschl. So misst man beim Neusiedler See heuer einen Wasserstand rund 25 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert. Dass dieser nicht ganz so tief liegt wie vor wenigen Jahren, liege daran, dass sich der Wasserstand Anfang des Jahres auf recht gutem Niveau präsentiert hat. „Das Grundwasser hat ebenso ein ‘Gedächtnis‘ über Monate oder ein Jahr“, sagte der Wissenschafter.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung