Sohle gegen Schienbein

Olise gegen Rodri: War das wirklich keine Rote?

Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Das Standbild mutet schon dezent grausig an – und wirft die Frage auf, ob der VAR sich wirklich nicht hätte einschreiten (und auf Rot) entscheiden müssen? Frankreichs Michael Olise führte im WM-Halbfinale kaum die feine Klinge, einmal sogar die ganz rabiate.

Es ist die 15. Spielminute. Das WM-Halbfinale zwischen Frankreich und Spanien und läuft soweit einigermaßen unaufgeregt. Spaniens „Gehirn“ Rodri liegt jetzt am Boden und hält sich den Knöchel. Immer noch keine große Aufregung. Bis in der TV-Übertragung die Wiederholung eingespielt wird. Darin zu sehen: etwas recht Unappetitliches. Frankreichs (vermeintlicher) Edeltechniker Michael Olise war mit offener Sohle (und eisern anmutenden Stoppel) mit vollem Karacho in Rodris Übergangsregion zwischen Schienbein und Knöchel gegrätscht. Da hätte vieles kaputt sein können, ist der Fußballfan geneigt zu glauben.

Zu früh, zu prominent?
Das Interessante: Olise sah de facto nichts. Keine Gelbe Karte, schon gar keine Rote. Gut, der Schiri hatte die Aktion offenbar übersehen. Aber der VAR? Der checkte laut ORF-Schiri-Guru Thomas Steiner die Szene nicht einmal. Warum? Schwer zu erklären. Eine These: die Uhrzeit (15. Minute) und der klingende Name des potenziellen Täters sprachen dagegen. Man stelle sich vor, ausgerechnet Olise hätte, kaum dass das Spiel begonnen hatte, mit Rot vom Feld. Frankreich wäre erledigt gewesen – wiewohl böse Zungen behaupten können, dass Olise in den verbliebenen ca. 80 Minuten eh kaum auffälliger war, als er es unter der Dusche gewesen wäre.

(Bild: AP)

Eine andere mögliche Erklärung für die Passivität des VAR? Er hat keine den „Rot-Grad“ der Aktion schlicht nicht erkannt. So etwa argumentierte auch Magenta-Experte Mats Hummels. Er habe aufgrund der „fehlenden Intensität“ nicht die Notwendigkeit für eine Rote Karte erkannt. Heißt: Gelb wäre vertretbar gewesen, dafür meldet sich aber der VAR nicht zu Wort.

Ein bisserl später hatte Rodri dann umgekehrt eine Grußbotschaft an Olise parat – nicht ganz so wild, nicht ganz nicht Verletzungsgefahr in Kauf nehmend, aber durchaus auch mit recht eindeutigem Bekennerschreiben versehen. Eine kleine Revanche? Ein Schelm, wer in diese Richtung denkt.

(Bild: AP/APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/Lars Baron)

Seelisches „Foul“
Immerhin: Sowohl Rodri als auch Olise blieben unverletzt. Viel schmerzhafter als jedes Foul dürfte für Olise aber ohnehin sein, dass er wie seine gesamte Mannschaft gegen Spanien ohne jeden Stich blieb. Das war das seelische – aber regeltechnisch halt schon gedeckte – Foul der Demütigung Spaniens an Frankreich.

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