Supersportwagen sind bisher im Prinzip alle gleich aufgebaut. Egal wie sehr sie sich durch Antrieb, Fahrwerk und Elektronik unterscheiden, der Fahrer sitzt – die Füße voraus – zwischen den Rädern. Diese Sitzposition stellt ein Hypercar-Newcomer nun grundlegend verändern.
Sanrivatti heißt das niederländische Start-up, das gerade seinen ersten Hypercar ankündigt und Zeichnungen einer neuartigen Sitzposition gezeigt. Statt tief zurückgelehnt hinter der Vorderachse soll sich der Fahrer deutlich weiter vorne und mit stärker aufgerichtetem Oberkörper in das Fahrzeug schmiegen. Sanrivatti nennt das „Apex Position“. Die Idee dahinter: Der Fahrer soll das Auto ähnlich unmittelbar erleben wie ein Motorradfahrer seine Maschine.
Firmengründer Santiago Sánchez Rivero hält die klassische Sitzposition in Supersportwagen für überholt. Moderne Hypercars würden den Fahrer durch Assistenzsysteme, Fahrzeugarchitektur und Elektronik zunehmend von dem entkoppeln, was unter den Rädern passiert. Seine Antwort darauf ist eine völlig neue Ergonomie.
Durch die nach vorne verlagerte Sitzposition soll der Fahrer die Fahrzeugfront besser einschätzen können, Kurven präziser anvisieren und Bewegungen des Autos intensiver wahrnehmen. Beschleunigen, Bremsen und Einlenken sollen sich direkter anfühlen – nicht, weil das Auto schneller wird, sondern weil der Mensch stärker in das Fahrerlebnis eingebunden ist.
Ob dieses Konzept tatsächlich funktioniert, muss Sanrivatti allerdings erst beweisen. Bislang existieren lediglich Designstudien und technische Beschreibungen, einen fahrbereiten Prototypen hat das Unternehmen noch nicht präsentiert.
McLaren P1 in der Vita
Dass hinter dem Projekt dennoch mehr steckt als eine spektakuläre Idee, zeigt der Aufbau des Teams. Mit Paul Arkesden holte sich Sanrivatti einen Ingenieur an Bord, der unter anderem am McLaren P1 gearbeitet hat und später Entwicklungschef bei Singer Vehicle Design war. Außerdem unterstützt Geoff Dowding, früher in Führungspositionen bei Lotus, Bentley und Harley-Davidson tätig, das Unternehmen beim Markenaufbau.
Das allein macht noch keinen erfolgreichen Hypercar-Hersteller. Die Geschichte der Automobilindustrie ist voll von ambitionierten Start-ups, die an Finanzierung, Technik oder Homologation gescheitert sind.
Interessant ist Sanrivatti trotzdem. Man will einfach wissen, was passiert, wenn jemand ein Grundprinzip des Sportwagenbaus infrage stellt. Man stelle das Popcorn bereit.
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