„War früher auch warm“

Hitze-Hysterie? Faktencheck räumt mit Mythen auf

Österreich
26.06.2026 10:02

Die Rekordhitze bringt nicht nur Thermometer an ihre Grenzen, sondern auch die Debatte in den sozialen Medien. Während Österreich auf den Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle zusteuert, verbreiten sich erneut Behauptungen über angeblich manipulierte Wetterkarten und erfundene Hitzetote. Ein aktueller Faktencheck kommt jedoch zu einem klaren Ergebnis: Keine der überprüften Behauptungen hält einer kritischen Überprüfung stand.

Mit jeder größeren Hitzewelle tauchen in sozialen Netzwerken ähnliche Behauptungen auf. Nutzer werfen Medien vor, die Temperaturen dramatischer darzustellen als früher und mit roten Wetterkarten gezielt Angst zu schüren. Zudem wird behauptet, Medien würden die Gefahr durch Hitze übertreiben oder sogar Hitzetote „erfinden“.

Alte Klima-Mythen kehren zurück
Dabei handelt es sich laut dem Faktencheck der Austria Presse Agentur um bekannte Formen der Klima-Desinformation, die regelmäßig große Reichweiten erzielen und den wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel infrage stellen sollen.

Wenn die Hitze steigt, boomen die Fake-News in den sozialen Medien.
Wenn die Hitze steigt, boomen die Fake-News in den sozialen Medien.(Bild: APA/BARBARA GINDL)
Klimawandel? Nein, danke – sagen viele im Netz. Ihre Äußerungen halten einem Faktencheck jedoch ...
Klimawandel? Nein, danke – sagen viele im Netz. Ihre Äußerungen halten einem Faktencheck jedoch nicht stand.(Bild: AFP/CHRIS RADBURN)

Darum wurden Wetterkarten verändert
Besonders häufig wird behauptet, Temperaturen um 30 bis 32 Grad seien früher gelb oder grün dargestellt worden und würden heute absichtlich rot eingefärbt. Der Faktencheck verweist darauf, dass ein oft als Beweis verbreitetes Video mit hoher Wahrscheinlichkeit mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Darauf deuten unter anderem fehlende Senderkennzeichnungen und eine generisch wirkende Studiooptik hin. Eine hundertprozentige Sicherheit sei bei KI-Analysen zwar nicht möglich, mehrere Hinweise sprächen jedoch für eine künstliche Erstellung.

Tatsächlich wurden Wetterkarten in den vergangenen Jahren mehrfach überarbeitet. So stellte die ARD das Design ihrer Temperaturkarten um und vereinheitlichte die Darstellung. Die Farben seien kontrastreicher geworden, jedoch nicht grundsätzlich röter. Zudem werden Farbskalen je nach Jahreszeit angepasst, um Temperaturunterschiede besser sichtbar zu machen. Auch der ORF verwendet laut dem Meteorologen Marcus Wadsak unterschiedliche Farbskalen für verschiedene Jahreszeiten.

Hitze fordert mehr Todesopfer als Verkehrsunfälle
Auch die Behauptung, Hitzetote würden erfunden, weist der Faktencheck zurück. Hitze werde als Gesundheitsrisiko häufig unterschätzt. Tatsächlich verursacht sie in Österreich seit Jahren mehr Todesfälle als Verkehrsunfälle.

Das Balkendiagramm zeigt die geschätzte Anzahl hitzebedingter Todesfälle in Österreich von 2017 bis 2025 für die Sommermonate Juni bis September. 2024 weist mit 989 Todesfällen den höchsten Wert auf und ist gleichzeitig auch das wärmste Jahr der österreichischen Messgeschichte. Quelle: Sozialministerium.

Während der aktuellen Hitzewelle wurden in Frankreich bis Donnerstag rund 40 Todesfälle im Zusammenhang mit Badeunfällen registriert. Auch in Wien kamen zuletzt zwei Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Gerade der rasche Wechsel zwischen großer Hitze und kaltem Wasser könne den Körper stark belasten.

Rettungsorganisationen berichten zudem von steigenden Einsatzzahlen während Hitzeperioden. Laut Verkehrsclub Österreich nimmt bei hohen Temperaturen auch die Zahl der Verkehrsunfälle zu.

Zahl der Hitzetage steigt deutlich
Dass es heiße Sommer schon immer gegeben habe, wird laut Faktencheck häufig als Argument gegen den Klimawandel angeführt. Entscheidend sei jedoch die zunehmende Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen, für die in der Wissenschaft ein breiter Konsens über den menschlichen Einfluss besteht.

Das Balkendiagramm zeigt die durchschnittliche Dauer der längsten Hitzewelle pro Jahr in österreichischen Städten von 1961 bis 2025. Die Werte steigen in allen Städten deutlich, besonders in Eisenstadt mit 18,5 Tagen und Wien mit 16 Tagen im Zeitraum 2020 bis 2025. Die Hitzewellen dauern in Salzburg am kürzesten mit 6,6 Tagen. Quelle: Geosphere Austria.

In Wien wurden seit 2009 jedes Jahr mindestens 13 Hitzetage mit Temperaturen ab 30 Grad registriert. Im Jahr 2024 lag der Höchstwert bei 45 Hitzetagen. Heuer wurde die Marke von 13 Hitzetagen bereits vor Beginn der Sommerferien erreicht. In Teilen Osttirols, Westkärntens und Vorarlbergs wurde dieser Wert ebenfalls bereits überschritten und liegt teils deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Falschinformationen untergraben Vertrauen
Der Faktencheck verweist darauf, dass Klima zu den wichtigsten Themen für Desinformation im Internet zählt. Laut dem europäischen Faktencheck-Netzwerk EDMO betreffen zwischen fünf und 15 Prozent aller Online-Falschinformationen in der EU das Thema Klima.

Die Folgen seien laut Faktencheck weitreichend: Klima-Desinformation könne die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen verringern und zugleich das Vertrauen in Medien, Wissenschaft und staatliche Institutionen schwächen.

Immer wieder würden dabei dieselben Behauptungen recycelt – etwa alte Schlagzeilen oder irreführend dargestellte Wetterkarten. Auch bei außergewöhnlich nassen Sommern würden Falschmeldungen verbreitet, obwohl der Klimawandel laut Wissenschaft nicht nur häufigere Hitzewellen, sondern auch mehr Extremwetterereignisse begünstigt.

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