Alkolenker verurteilt

Fünf Minuten Alkofahrt, ein Leben mit Schmerzen

Vorarlberg
28.07.2026 05:00
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Trotz 1,9 Promille setzte sich ein 22-jähriger Vorarlberger hinters Steuer – mit fatalen Folgen: Er verursachte einen Unfall, eine 20-Jährige wäre dabei fast ums Leben gekommen. Die junge Frau hat bis heute mit schlimmen Schmerzen zu kämpfen. Nun kam es zum Prozess am Landesgericht Feldkirch.

Fünf Minuten. So kurz war der Weg nach Hause – und trotzdem endete er fast in einer tödlichen Tragödie. „Ich wollte eigentlich bei meinem Vater übernachten. Weil ich nur fünf Minuten zu mir heim hab, bin ich dann doch ins Auto gestiegen und losgefahren“, gestand der 22-jährige Bregenzerwälder vor Gericht seine folgenschwere Entscheidung nach einem feuchtfröhlichen Abend.

Mit sage und schreibe 1,9 Promille im Blut setzte sich der junge Mann bei winterlichen Straßenverhältnissen und stockdunkler Nacht hinters Steuer. Statt vorsichtig zu fahren, gab er Gas – mit über 100 km/h raste er in Richtung Andelsbuch. Mit katastrophalen Folgen: Im Bereich der Sporeneggbrücke verlor der Betrunkene die Kontrolle über sein Fahrzeug und schlitterte direkt in den Gegenverkehr. Eine 20-jährige Autofahrerin hatte keine Chance mehr, auszuweichen, ein Frontalcrash war unausweichlich.

Martyrium für Unfallopfer dauert bis heute an
Während der Unfallverursacher mit einer leichten Verletzung davonkam, kämpften Ärzte in einer Notoperation um das Leben der jungen Frau – ihre Lunge war kollabiert. Dazu Oberschenkelbrüche und eine offene Knieverletzung. Zwei Wochen Krankenhaus, mehrere Operationen, eine weitere steht in einem Jahr noch bevor: „Dann werden die Metallplatten und Schrauben wieder entfernt.“

Der junge Angeklagte zeigte sich vor Gericht reuig. Er wird wohl noch einige Jahre an den ...
Der junge Angeklagte zeigte sich vor Gericht reuig. Er wird wohl noch einige Jahre an den finanziellen Folgen seiner Alkofahrt zu knabbern haben.(Bild: Chantall Dorn)

Erst seit drei Monaten kann die junge Frau wieder ohne Krücken gehen – schmerzfrei ist sie bis heute nicht, Physiotherapie gehört zu ihrem Alltag. Als sich der Angeklagte im Gerichtssaal bei ihr entschuldigte und sein Bedauern beteuerte, kämpfte die von Narben gezeichnete Frau sichtlich mit den Tränen.

Zivilprozess steht noch aus
Immerhin: Der 22-Jährige zeigte sich vollumfänglich geständig und nahm die gesamte Schuld auf sich. Das rechnete ihm das Gericht hoch an: Schuldspruch wegen grob fahrlässiger Körperverletzung, vier Monate Haft auf Bewährung sowie 4500 Euro Geldstrafe. Dazu kommen Verfahrenskosten von 10.000 Euro – allein 8000 davon für ein technisches Gutachten. 2000 Euro Teilschmerzensgeld hat er bereits bezahlt, weitere 2000 Euro bürdete ihm das Gericht zusätzlich auf.

Ein Zivilprozess steht dem jungen Mann noch bevor, da könnten weitere Kosten auf ihn zukommen. Mildernd wirkten das Geständnis, die Unbescholtenheit sowie die teilweise Schadenswiedergutmachung. Das Urteil ist rechtskräftig.

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