Bis Ende 2027

Lenzing streicht viele Stellen, verkauft Standort

Wirtschaft
27.07.2026 20:34
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Faserhersteller Lenzing baut zusätzlich zu bereits bekannten 600 Jobs zahlreiche weitere Arbeitsplätze ab. In Heiligenkreuz im Burgenland läuft die Faserproduktion bis Ende 2027 aus, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Für den Standort, wo noch 285 Menschen arbeiten, soll aber ein neuer Eigentümer gefunden werden.

Georg Kasperkovitz, CEO der Lenzing Gruppe, erläuterte gegenüber der APA am Montagabend: „Lenzing wird sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und versuchen, dass der Standort mit einem neuen Eigentümer weiter besteht.“ Die Suche beginne „morgen“ und könne „erfahrungsgemäß binnen einiger Monate“ abgeschlossen sein, hoffte der Manager. So wolle man möglichst viele Jobs halten. Aus England ziehe man sich mit dem Aus in Grimsby zurück.

Bis Ende 2027 weltweit um etwa 2000 Stellen weniger
Die Mitarbeiterzahl von weltweit 7700 Vollzeitäquivalenten (Ende 2025) werde bis Ende 2027 deutlich sinken, hieß es. Kasperkovitz sagte, es geht bis dahin um etwa 2000 Stellen, die es weniger werden sollen. Es handle sich aber keineswegs um ein Schließungs- und Cost-Cutting-Programm im Zuge der neuen Strategie, verwies der Lenzing-Chef auf das Vertrauen in die Pläne durch die Aktionäre und weitere Finanzierende, die bis zu 600 Mio. Euro frisch geben. Auch der Hauptsitz in Lenzing in Oberösterreich werde aufgewertet.

CEO Georg Kasperkovitz sprach von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“.
CEO Georg Kasperkovitz sprach von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“.(Bild: Neumayr Fotografie - Christian L)

Doskozil will Mitarbeiter „nicht im Stich lassen“
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte am Montagabend, dass das Land den Standort und die Mitarbeiter des Werks in Heiligenkreuz „nicht im Stich lassen wird“. Bei der Entscheidung handle es sich um eine „für das Südburgenland schmerzhafte Weichenstellung der Konzernverantwortlichen“, die politisch nicht zu beeinflussen sei, bedauerte Doskozil. Er habe ein ausführliches Gespräch mit Kasperkovitz gehabt. Dabei sei versichert worden, dass die Produktion bis Jahresende gesichert sei und möglicherweise darüber hinaus fortlaufen könnte. Diesen Zeitraum werde das Land nutzen, um an einer nachhaltigen Lösung zu arbeiten.

„Dramatische Nachricht“
ÖVP-Landesparteiobmann Christoph Zarits sprach in einer Aussendung ebenfalls von einer „dramatischen Nachricht“: „Ein Sozialplan allein ist dafür keine ausreichende Antwort. Jetzt muss alles darangesetzt werden, diese Arbeitsplätze und den Standort zu sichern.“

Auch Mitarbeiter in England und Indonesien betroffen
267 Mitarbeiter im administrativen Bereich bzw. 25 Mio. Euro seien bereits eingespart worden. Mit der Ziel-Zahl von 600 Mitarbeitern, die vorigen Herbst bekannt geworden war, sollen in diesem Teilbereich 45 Mio. Euro eingespart werden. Die weiteren Einsparungen zur Gesamtsumme von 120 Mio. Euro sollen durch die neu präsentierten Schritte gelingen. Für die betroffenen Mitarbeiter in Grimsby will sich die Firma mit den Arbeitnehmervertretern und den betroffenen Interessengruppen abstimmen. In Purwakarta in Indonesien reduziert Lenzing die Produktion auf zwei Linien und will den einhergehenden Stellenabbau im Einklang mit lokalen gesetzlichen Vorschriften umsetzen.

Unterstützung von Oberbank & Co.
Die Einsparungen werden nämlich von den Lenzing-Hauptaktionären B&C-Gruppe und Suzano sowie von der Oberbank unterstützt. Die Firma hat durch die Pläne, die Teil einer strategischen Neuausrichtung sind, eine „umfassende Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern“ erreicht.

600 Millionen für strategische Neuausrichtung
Zur Stärkung der Finanzstruktur will Lenzing eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten in Höhe von bis zu 300 Mio. Euro durchziehen, für die es eine Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung, die voraussichtlich am oder um den 25. August 2026 stattfindet. Dazu bringen die neuen Finanzierungsvereinbarungen bis zu 300 Mio. Euro. Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten wurden bis 2030 verlängert.

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