Festspiel-Eröffnung

Kalesnikava: Ihre Worte gingen unter die Haut

Salzburg
26.07.2026 17:16

Mehr als fünf Jahre saß Maria Kalesnikava in Belarus in Haft. Erst seit 226 Tagen ist sie wieder frei. Bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele erinnerte die Musikerin und Bürgerrechtlerin mit eindringlichen Worten daran, wie kostbar selbst die kleinsten Selbstverständlichkeiten sein können.

Für einen Moment rückten bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele Glanz, große Namen und festliche Roben in den Hintergrund. Denn als Maria Kalesnikava in der Felsenreitschule ans Rednerpult trat, wurde es still – und am Ende erhob sich das Publikum zum Applaus.

„Seit genau 226 Tagen lebe ich wieder in Freiheit“, begann die 44-Jährige ihre Festrede. Es seien die kostbarsten Tage ihres Lebens gewesen. Dabei sprach sie nicht nur über große politische Begriffe, sondern über jene kleinen Dinge, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind: die Morgensonne, den Regen, Musik, die eigene Familie, eine Umarmung – oder einfach selbst entscheiden zu können, wohin man geht.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und Bundeskanzler ...
Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und Bundeskanzler Christian Stocker mit Festrednerin Maria Kalesnikava(Bild: APA/LAND SALZBURG/FRANZ NEUMAYR)

Vom Konzertsaal in den Widerstand
Kalesnikava ist Flötistin, Dirigentin und Kulturmanagerin. Sie studierte in Minsk und Stuttgart und arbeitete lange an der Schnittstelle von Kunst und gesellschaftlichem Dialog. 2020 wurde sie zu einem der bekanntesten Gesichter der Demokratiebewegung in Belarus und bildete gemeinsam mit Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zapkala jenes Frauen-Trio, das sich dem Regime von Alexander Lukaschenko entgegenstellte.

Als Sicherheitskräfte versuchten, sie außer Landes zu bringen, zerriss Kalesnikava an der ukrainischen Grenze ihren Pass und verhinderte damit ihre Abschiebung. Sie wurde festgenommen und später zu elf Jahren Haft verurteilt. Mehr als fünf Jahre verbrachte sie unter teils härtesten Bedingungen im Gefängnis, ehe sie im Dezember 2025 gemeinsam mit weiteren politischen Gefangenen freikam.

„Freiheit wird besonders kostbar, wenn man ihren Preis kennt“
In Salzburg sprach Kalesnikava nicht verbittert, sondern mit einer bemerkenswerten Wärme über Mut und Verantwortung. „Freiheit wird besonders kostbar, wenn man ihren Preis kennt“, lautete eine ihrer zentralen Botschaften.

Mut bedeute für sie nicht, keine Angst zu haben. Er beginne vielmehr dort, wo Menschen trotz ihrer Angst für Freiheit und Menschenwürde eintreten. Gleichzeitig warnte sie davor, dass Demokratien nicht erst dann in Gefahr seien, wenn niemand mehr sprechen dürfe – sondern bereits dann, wenn Menschen einander nicht mehr zuhören.

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