Bilbao ist großartig für einen Städtetrip. Ist man schon einmal dort, zahlt es sich aus, das Baskenland und Kantabrien zu erkunden. Wie Perlen auf einer Kette reihen sich besondere Orte aneinander. Lesen Sie hier, warum Nordspanien auf der Reiseliste für 2026 stehen sollte.
Grün ist es hier, das hat man schon beim Landeanflug mit Austrian Airlines gesehen, die nun dreimal in der Woche die Verbindung Wien-Bilbao anbieten. Der Besuch der Stadt hat begeistert (wir haben am 29.4. berichtet), vor allem das Guggenheim Museum mit seiner futuristischen Architektur ist faszinierend, aber nun wollen wir auch das nahe Meer sehen. Mit einem kleinen Mietauto (www.sunnycars.com), das wir am Flughafen übernehmen, starten wir unkompliziert unsere Entdeckungen.
EIN SCHLOSS AUS STEIN
Erstes Ziel ist Gatzelugatxe (sprich gastelugatsche), eine winzige Insel an der Felsküste Costa Vasca. 270 Meter lang, 80 Meter breit, zu erreichen über eine schmale Brücke und über 241 Stufen. Um hierherzukommen, braucht es mehr als einen kleinen Spaziergang, aber die Anstrengungen lohnen sich: Oben steht das ehemalige Kloster San Juan de Gaztelugaxte, gestiftet 1053. Das Kirchlein der Einsiedelei diente später als Seefahrerkapelle.
Normalerweise hat man einen großartigen Ausblick auf die wilde Küste, heute allerdings hängt Nebel über dem Atlantik, verleiht der Szenerie eine Mystik, die man fast erwartet, denn das kleine Eiland wurde als einer der Drehorte der Fernsehserie „Game of Thrones“ berühmt. Seitdem wirkt es für Touristen anziehend, dieses „Schloss aus Stein“ – so die Übersetzung aus dem Baskischen. In der Vor- und Nachsaison ist der Besuch frei, im Mai nur noch unter der Woche, im Sommer braucht es an jedem Wochentag ein Ticket und am besten auch eine Vorreservierung. Wer kein Auto zur Verfügung hat, kann auch mit dem Linienbus aus Bilbao anreisen, verrät uns Fremdenführerin Sonia, die ausgezeichnet Deutsch spricht.
DIE LINKE WELLE UND VIEL NATUR
Bunte Fischerhäuser säumen den alten Hafen von Bermeo. Ein idyllisches Bild in der vom Fischfang geprägten Kleinstadt. Hoch über der Bucht mit einem herrlichen Ausblick auf das Meer, erweist sich das Restaurant Asador Cannon Etxea als eine sehr gute Wahl. Das dreigängige Menü samt Wein und Kaffee schmeckt herrlich und der Preis überrascht positiv (38 € pro Person). Nächster Stopp ist in Mundaka, wo es einen schönen Sandstrand gibt und die – das ist besonders – beste linksbrechende Welle in Europa.
Tatsächlich zählt der Ort zu den Topsurfspots. Es ist kurzweilig, den erfahrenen Surfern zuzusehen. Man bekommt fast Lust, dies auch einmal zu versuchen – allerdings sollen die Kraft und die Geschwindigkeit der Wellen hier eher für erfahrene Surfer geeignet sein. Das Mündungsgebiet des Urdaibai ist mit eine der reichsten Naturlandschaften des Baskenlandes, ist Biosphärenreservat. Eine weitere, große Attraktion ist die Vielfalt der Vögel, die hier leben.
SURFWELLE UND TOP-GASTRONOMIE
Unser Roadtrip führt uns weiter nach San Sebastián. Hier ist nun deutlich mehr Verkehr auf der sonst recht leeren Autobahn, aber es gibt gute Gründe, warum man das Seebad keineswegs auslassen sollte. Die Stadt, die von den Basken Donostia genannt wird, ist bekannt für die Strände Playa de la Concha, Playa de Ondarreta und Playa de la Zurriola, wobei letzterer dem offenen Meer zugewandt ist und deswegen auch ganzjährig gute Wellen bietet.
Die Kombination aus Stadtleben und Natur ist einzigartig. Schwimmen, surfen, auf einen der Hausberge (Monte Iguelo, Monte Urgull) wandern – man glaubt kaum, in einer Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern zu sein, wenn man sich auf der eleganten Promenade, auf der man einen Hauch der Belle Époque zu spüren vermag, barfüßige Surfer in ihren Neoprenanzügen, die Bretter in der Hand, begegnet. Die Atmosphäre ist extrem lässig, ebenso wie in den unzähligen Pintxos-Bars, die in keinem Widerspruch zur hohen Michelin-Sterne-Dichte steht.
SPEKTAKULÄRE ARCHITEKTUR & WEIN
Das Rioja, die kleinste Autonome Region des spanischen Festlandes, ist ein fruchtbares Land, das bei uns vor allem für eines bekannt ist – für die gleichnamigen Weine. Also auf in eine der Bodegas! Unser Ausflug führt uns ins Rioja Alavesa, das zum Baskenland gehört. In Elciego hat Frank O. Gehry, der Architekt des Guggenheim Museums in Bilbao, ein spektakuläres Hotel für die traditionsreiche Bodega Marqués de Riscal geschaffen und so aus dem einst verschlafenen Weinort ein Ziel für Architekturbegeisterte und Weinliebhaber gemacht.
Ein Besuch in der Weinkellerei verschafft einen Überblick in die Produktion samt Verkostung. Das Hotel garantiert einen Wow-Effekt und kulinarische Genüsse in verschiedenen Restaurants. Ein neues kommt im Herbst dazu und wird gerade noch nach den Plänen des berühmten Stararchitekten (1929-2025) gebaut, erklärt Stefan Friedl, der deutsche Hoteldirektor des von Marriott betriebenen Luxushotels. Francis Paniego ist der Sternekoch hinter den Restaurants. Er ist eine kulinarische Größe in der Gegend, sein Name eilt ihm voraus. Das ist ein guter Grund, um seinen Spuren zu folgen, die uns nach Ezcaray führen, wo er mit seiner Familie in fünfter Generation Echaurren, ein überaus charmantes, kleines Hotel, führt.
Zwei Restaurants stehen zur Auswahl, ein traditionelles, das Einheimische auch gerne für Familienfest nutzen, und das Gourmetrestaurant El Portal, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist. Wir sind in einer berühmten Weingegend, also ist es kein Wunder, dass auch viel Augenmerk auf der Weinkarte liegt, für die Meistersommelier José Felix Paniego, der Bruder des Kochs, verantwortlich ist.
HOTEl-TIPPS:
Das malerische Dorf verdient noch zwei weitere Empfehlungen: die beeindruckende Kirche Santa Maria la Mayor mit einem berühmten spanisch-flämischen Altarbild und die Manufaktur Mantas Ezcaray (www.mantasezcaray.com), die für herrliche, farbenfrohe Schals und Decken aus Mohair weit über die Grenzen bekannt ist. Einen Abstecher wert ist übrigens Santo Domingo de la Calzada, am Jakobsweg gelegen, was die prächtige Kathedrale erklärt. Das Besondere des Gotteshauses: ein Stall, bei dem das kräftige Kikeriki der gefiederten Bewohner an das sogenannte Hühnerwunder erinnert.
DIE GRÜNE KÜSTE KANTABRIENS
Uns zieht es wieder Richtung Meer. Das Seebad Santander brilliert mit Stränden. Wir sind vom Playa el Sardinero begeistert, sitzen vor einer der unzähligen Bars in der Sonne und genießen das Leben sowie kleine spanische Köstlichkeiten. Das Gran Casino del Sardinero erinnert an die Belle Époque, während man nur wenige Kilometer entfernt in Santillana del Mar ein mittelalterliches Kleinod vorfindet.
Noch weiter in der Menschheitsgeschichte zurück geht es in Altamira, wo steinzeitliche Darstellungen von verschiedenen Tieren zum UNESCO-Welterbe zählen. Die Höhle wird gerne als Sixtinische Kapelle der Altsteinzeit bezeichnet und ist zum Schutz der Malereien der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Originalgetreue Nachbildungen gibt es im Besucherzentrum neben der historischen Höhle zu besichtigen – übrigens um 3 € Eintrittsgebühr (Samstag ab 14 h, sonntags ganztägig frei).
WOHNEN IM PALAST UND GAUDÍ
Ganz versteckt in der Gegend von Las Presillas liegt ein herrschaftlicher Landsitz aus dem 17. Jahrhundert: Helguera Palacio Boutique & Antique, ein von Malales Martinez Canut, der geschichtsbegeisterten Inhaberin und Innenarchitektin, liebevoll gestaltetes Schlosshotel, das vor Corona nur privat genutzt wurde.
Zu den Annehmlichkeiten zählen ein Restaurant, ein Schwimmbad mit Blick in die Landschaft, ein Fitnessraum und herrliche Salons, die genutzt werden dürfen – und wo es sich anfühlt, als wäre man Hausherr eines luxuriösen Anwesens Apropos schön wohnen – in Comillas ist der Besuchermagnet El Capricho (die Laune), ein Frühwerk des Architekten Antoni Gaudí, der am 10. Juni vor 100 Jahren gestorben ist.
Es handelt sich um ein Sommerlandhaus, das von 1883 und 1885 für den vermögenden Geschäftsmann Don Máximo Díaz de Quijano im experimentellen Modernisme-Stil errichtet wurde – und schon damals über ein Badezimmer verfügte (!). Heute ist es ein Museum, das gerade jetzt zum Gaudí-Jubiläum noch mehr Publikumsinteresse erfährt. Weitere Attraktionen sind der neugotische Palacio de Sobrellano oder die päpstliche Universität.
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