
Wochenlang waren Tausende Rinder auf einem Frachtschiff auf hoher See gefangen, die traurigen Bilder gingen um die Welt. Nun beschäftigt der Fall „Spiridon II“ das Landesgericht Krems. Der mutmaßlich verantwortliche Viehhändler aus Niederösterreich muss sich am Freitag aber nur für den wirtschaftlichen Schaden verantworten, nicht für das immense Tierleid.
Fast 3000 Rinder aus Uruguay sollten im Herbst 2025 auf dem Seeweg in die Türkei gebracht werden. Doch dort nahm die Tragödie ihren Lauf: Die Tiere durften das Frachtschiff Spiridon II nicht verlassen, weil laut den türkischen Behörden knapp 500 Rinder nicht auf der Importliste aufschienen.
Die Importeure versuchten zwar, die Entladung gerichtlich durchzusetzen, scheiterten jedoch. Während das Schiff wochenlang vor der türkischen Küste festlag, verschlechterten sich die Bedingungen an Bord dramatisch. Immer mehr Tiere starben, trächtige Kühe brachten ihre Kälber in knietiefem Schlamm zur Welt. Weiße Säcke mit Kadavern häuften sich auf dem Schiff ...
Der Geruch von Verwesung und Gülle führte in der Hafenstadt Bandirma zu Protesten in der Bevölkerung. Nach fast vier Wochen kehrte das Schiff schließlich um. Mehrere Tage lang wurde das Ortungssystem abgeschaltet, bevor die überlebenden Tiere in der libyschen Stadt Bengasi entladen wurden. Bei ihrer Ankunft waren die zuvor sichtbaren weißen Säcke verschwunden.
Türken klagen Unternehmer aus Waldviertel
Die österreichische NGO „The Marker“ berichtete gemeinsam mit der „Animal Welfare Foundation“ darüber bereits während des laufenden Transports. Für die türkischen Importeure trägt ein österreichischer Viehhändler die Verantwortung für die Ereignisse. Sie werfen dem Waldviertler Unternehmer vor, sie wissentlich getäuscht und dadurch erheblichen finanziellen Schaden verursacht zu haben.
Laut den Klägern habe er den Transport organisiert, die Verladung jener Tiere veranlasst, die nicht auf der Importliste standen, und trotz weit fortgeschrittener Trächtigkeit vieler Rinder an dem Transport festgehalten. Zudem soll einem von den Importeuren beauftragten Tierarzt der Zutritt zum Schiff verweigert worden sein.
Verhandlung am Freitag
Nun muss das Landesgericht Krems klären, ob die erhobenen Betrugsvorwürfe berechtigt sind. Für Tierschützer geht der Fall jedoch weit über die Verantwortung einzelner Beteiligter hinaus. Sie sehen darin ein grundlegendes Problem des internationalen Handels mit lebenden Tieren.
EU-weit werden pro Jahr rund drei Millionen Tiere per Schiff exportiert. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Vorfällen, bei denen Tiere leiden oder sterben.

Ann-Kathrin Freude, „The Marker“
Bild: THEMARKER.ORG
„Auch aus Österreich werden jedes Jahr Tausende Rinder per Schiff in Drittstaaten exportiert, besonders nach Algerien. Die beschuldigte Firma hat solche Exporte aus Österreich in der Vergangenheit selbst organisiert. Die Tragödie um die Spiridon II ist bei Weitem kein Einzelfall und zeigt in aller Deutlichkeit, dass es ein Verbot von Schiffstransporten lebender Tiere braucht“, erklärt Ann-Kathrin Freude von der Aufdeckerplattform „The Marker“.
Lebendtiertransporte per Schiff seien selbst unter regulären Bedingungen mit enormem Stress, Verletzungsrisiken und Todesfällen verbunden. Die Tragödie der Spiridon II sei daher kein Einzelfall, sondern ein weiteres Beispiel für die Risiken eines Systems, das jedes Jahr Millionen Tiere auf langen Seerouten in Drittstaaten transportiert.
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