Zeuge hörte „Knall“

Erste Details nach Zug-Drama um Jungfamilie in NÖ

Niederösterreich
07.06.2026 15:52

Ein schrecklicher Unfall erschütterte am Samstag das Waldviertel (NÖ). Ein Güterzug prallte mit voller Wucht in das Auto einer dreiköpfigen Familie und riss ein junges Elternpaar in den Tod. Nur die zweijährige Tochter überlebte und bleibt als Waise zurück. Nun werden erste berührende Details über die Familie bekannt, die im Ort als beliebt und gern gesehen galt.

Wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? Diese Frage lässt Einsatzkräfte und Ermittler seit Samstag nicht los. Gegen 16 Uhr kam es in Allentsteig im Bezirk Zwettl nahe der alten Haltestelle Thaua zu dem verheerenden Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Güterzug auf einem mit Blinklicht gesicherten Bahnübergang der Franz-Josefs-Bahn.

Ob eine momentane Unachtsamkeit, eingeschränkte Sicht oder ein Fahrfehler der 34-jährigen Mutter, die am Steuer saß, den folgenschweren Crash ausgelöst haben, ist derzeit völlig unklar und Gegenstand der Ermittlungen.

Das Wrack des Fahrzeugs, in dem sich die dreiköpfoge Familie befand.
Das Wrack des Fahrzeugs, in dem sich die dreiköpfoge Familie befand.(Bild: Imre Antal)
(Bild: Imre Antal)

Fest steht jedoch: Die Wucht des Aufpralls überlebte das junge Elternpaar, das erst vor zwei Jahren in die beschauliche Garnisonstadt zog, nicht. Die 34-jährige Mutter und gebürtige Türkin und der 39-jährige Vater mit serbischer Staatsangehörigkeit starben noch an der Unfallstelle. Nur ihre zweijährige Tochter (das Alter des Kindes wurde in ersten Berichten mit fünf Jahren angegeben, aber später korrigiert, Anm.) überlebte den Horrorunfall wie durch ein Wunder. Das kleine Mädchen bleibt nun als Waise zurück.

„Knall“ und „ein- bis zweimal gehupt“
Eine ganze Region steht seither unter Schock. In der Bevölkerung kursieren rund um den Unfallhergang zahlreiche Spekulationen. Ein Augenzeuge, der anonym bleiben will, berichtet gegenüber der „Krone“ von einem Knall und davon, dass der Lokführer zumindest ein- bis zweimal gehupt haben soll.

Bürgermeister Georg Marksteiner zeigt sich schockiert über das Unfalldrama. Die Familie war im ...
Bürgermeister Georg Marksteiner zeigt sich schockiert über das Unfalldrama. Die Familie war im Ort bekannt und galt als gern gesehen.(Bild: Imre Antal)
In der niederösterreichischen Garnisonsstadt herrschen nach der Tragödie Bestürzung, ...
In der niederösterreichischen Garnisonsstadt herrschen nach der Tragödie Bestürzung, Betroffenheit und Trauer, die schwarze Flagge wurde gehisst.(Bild: Imre Antal)

Bürgermeister Georg Marksteiner zeigt sich tief betroffen: „Sie waren Stammkunden auf unserem Bio-Hof und kamen mehrmals die Woche vorbei. Sie waren sehr nett, auch wenn sie bei uns noch nicht so lange bekannt waren. Die, die sie kannten, beschreiben sie alle als ausgesprochen freundlich.“

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Sie waren sehr nett, auch wenn sie bei uns noch nicht so lange bekannt waren. Die, die sie kannten, beschreiben sie alle als ausgesprochen freundlich.

Bürgermeister Georg Marksteiner

„Sie durfte immer wieder in den Stall schauen“
Marksteiner schildert auch berührende Szenen: Die kleine Mina (Name von der Redaktion geändert) durfte immer wieder in den Stall schauen. „Die Kühe anzuschauen, hat der Kleinen besonders gut gefallen.“ Auch ein Nachbar erinnert sich: „Sie waren immer nett und freundlich. Sie ist oft mit dem Kinderwagen spazieren gegangen. Enge Kontakte hatten wir zwar nicht, aber sie waren sehr sympathisch.“

Vater hatte zuvor schweren Unfall
Trauriges Detail: Der Vater hatte erst im Frühjahr einen schweren Unfall erlitten. Bei einer Verpuffung beim Anheizen eines Holzofens zog er sich schwere Verletzungen im Gesicht sowie an Händen und Armen zu. Die Genesung verlief offenbar gut, die Wunden waren zuletzt kaum mehr sichtbar.

Dieser Güterzug (im Bild links) erfasste das Auto der dreiköpfigen Familie. Die Bergung des ...
Dieser Güterzug (im Bild links) erfasste das Auto der dreiköpfigen Familie. Die Bergung des Fahrzeugs zog sich über Stunden.(Bild: Krone-Collage/zVg, FF Allentsteig)

Bergung zog sich über Stunden
Auch für die Helfer dürfte der Einsatz eine enorme Belastung gewesen sein. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und allen Betroffenen dieses tragischen Unfalls“, heißt es von den Einsatzkräften in einem Facebook-Posting. Nach dem Zusammenstoß war das Fahrzeug teilweise unter dem Zug eingeklemmt, die Bergung zog sich über Stunden. Erst mit zwei Seilwinden gelang es, den Pkw zu lösen.

Großmutter nimmt Mädchen auf
Nur die kleine Mina, die nach dem Spitalsaufenthalt von der Großmutter in Braunau übernommen werden soll, konnte auf dem Rücksitz rasch aus dem Wrack gerettet werden und wurde mit dem Notarzthubschrauber ins Spital geflogen. Im Anschluss wurden die beiden Elternteile aus dem Fahrzeug geborgen und in weiterer Folge an die Bestattung übergeben.

Gefährlicher Bahnübergang sorgt für Debatten
Der Unfall entfacht auch erneut die Debatte um den umstrittenen Bahnübergang. Die Kreuzung auf der L75 bei Allentsteig war bereits mehrfach Schauplatz schwerer Zusammenstöße. 2015 kam dabei ein 49-jähriger Lokführer ums Leben, als sein Zug mit einem Sattelschlepper kollidierte. 2019 hatte ein 54-jähriger Lenker aus dem Bezirk Waidhofen an der Thaya Glück im Unglück: Sein Pkw wurde nur im Frontbereich erfasst, er überlebte die Kollision.

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