Strom-Sozialtarife

Politik nimmt E-Wirtschaft 2 Milliarden Euro weg

Wirtschaft
10.06.2026 16:31

Um ärmere Haushalte und die Betriebe zu entlasten, hat die Regierung begünstigte Stromtarife verlangt. Die E-Wirtschaft kostet das bis 2030 in Summe aber 2,2 Milliarden Euro, die für Investitionen in Energiewende und Versorgungssicherheit fehlen, warnt Leo Schitter, Chef der Energie AG. Er stellt Projekte zurück und plant Personalkürzungen.

Konkret werde die Branche der Strom-Sozialtarif für Bedürftige 60 Millionen Euro im Jahr kosten, die Bremse für energieintensive Industrie 250 Millionen und der Energiekrisenbeitrag 200 Millionen. Alleine die Energie AG Oberösterreich (EAG) rechnet für sich dadurch mit 40 Millionen Euro Mehrkosten im Jahr. „Auf fünf Jahre sind das 200 Millionen, das ist so viel, wie wir jetzt für unser neues Wasserkraftwerk Traunfall investieren. Das Geld wird uns also massiv abgehen“, kritisiert Vorstandschef Schitter. An sich seien diese günstigeren Tarife gerechtfertigt, „doch warum sollen das die Energieunternehmen zahlen? Energiepolitik sollte nicht Sozialpolitik sein.“

Unmittelbare Folge ist, dass die EAG gerade ihre Investitionspläne durchleuchtet. Vor allem der PV-Ausbau dürfte zeitlich nach hinten verschoben werden. Zudem kommt ein Personal-Paket. Von den 4000 Beschäftigten in Österreich geht ein Drittel in den kommenden Jahren in Pension, diverse Stellen dürften nicht nachbesetzt werden. Im Technikbereich möchte Schitter trotz neuer Projekte durch mehr Effizienz mit der bisherigen Belegschaft auskommen. Näheres wird gerade mit dem Betriebsrat besprochen.

EAG will insgesamt vier Milliarden Euro in die Hand nehmen
Weiter Priorität behalten die laufenden Kraftwerksbauten (Pumpspeicher Ebensee, Laufkraftwerk Traunfall), Errichtung von Batteriespeichern, Windrädern, Wasserstoff (neue Pipeline von Sattledt nach Linz-Ebelsberg)  sowie Verstärkung der Netze. In Summe will die EAG 4 Milliarden Euro bis 2035 in die Hand nehmen, davon sind 1,3 Milliarden bereits investiert. Die eigene Stromerzeugung soll so um rund 50 Prozent auf 3,6 Terawattstunden wachsen.

Das sei angesichts der aktuellen Krisen sogar wichtiger als früher gedacht. „Energiepolitik ist nicht nur Klimaschutz, sondern eine Sicherheitsfrage. Energie wird jetzt als Waffe eingesetzt“, drängt EAG-Chef Schitter. Nur durch mehr Eigenversorgung aus vielen Quellen können sich Österreich und Europa aus der derzeitigen Abhängigkeit und Erpressbarkeit lösen. Das müsse angesichts der höheren Bedrohung deutlich schneller als bisher gehen, mahnt er. Das kommende Ausbau-Beschleunigungsgesetz müsse daher konsequent umgesetzt werden. Zudem würde das Strom günstiger machen, laut Studie sind schon kurzfristig zwei Euro je Megawattstunde drin.

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