Die nordspanische Stadt bietet sich ideal für einen Trip übers Wochenende an. Kultur, Gastronomie und Unterhaltung sind top. Wer länger bleibt, findet vor den Toren viele lohnende Ziele.
Bilbao ist uns nähergekommen, seit es neuerdings mit Austrian Airlines eine Direktverbindung ab Wien gibt. In etwas über zwei Stunden erreicht man Nordspanien, und schon im Landeanflug ist klar zu erkennen, dass die Landschaft sehr grün ist. Wir bleiben aber vorerst einmal in der Stadt, die am Mündungsgebiet des Nervión liegt. Nach wie vor spielen der nahe Hafen und die Industrie eine wichtige Rolle, der Unterschied ist allerdings, dass Touristen früher einen Bogen um das „spanische Ruhrgebiet“ gemacht haben. Heute ist das anders.
TIPP 1: GUGGENHEIM (AUSSEN)
Die Transformation ist mit dem Guggenheim-Museum gelungen, das am 18. Oktober 1997 eröffnet wurde. Dort, wo früher Fabriken den Fluss säumten, steht nun eines der Hauptwerke des kanadisch-US-amerikanischen Architekten und Designers Frank O. Gehry. Es ist ein Hingucker, eines jener spannenden Bauwerke, die man einmal im Leben gesehen haben möchte und welches nun etwa 1,3 Millionen Besucher pro Jahr verzeichnet.
Die Solomon R. Guggenheim Foundation hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Verständnis und die Wertschätzung für moderne sowie zeitgenössische Kunst zu fördern. Dies geschieht durch Ausstellungen, Bildungsinitiativen, Forschungsarbeiten und Publikationen. Zum internationalen Guggenheim-Museumsverbund gehören das Guggenheim New York, die Peggy Guggenheim Collection in Venedig, das Guggenheim Bilbao und das zukünftige Guggenheim Abu Dhabi, dessen Eröffnung immer wieder verschoben wurde und nun für Juni 2026 avisiert ist. Das Guggenheim Bilbao mit einer Ausstellungsfläche von 11.000 m² hat sich zur Sehenswürdigkeit Nummer eins in Bilbao entwickelt. Architekt Frank O. Gehry hat damit neue Maßstäbe gesetzt.
Über den Eingang wacht „Puppy“, ein gigantisches, zwölf Meter großes Hündchen aus 38.000 Blumen. Das Werk von Jeff Koons aus 1992 steht für Optimismus und Wärme und entwickelte sich zum Publikumsliebling, dessen „Kleid“ zweimal im Jahr gewechselt wird. Auf der anderen Seite des Museums, also am Fluss, sitzt „Maman“, eine über neun Meter hohe Spinnenskulptur von Louise Bourgeois, die Stärke und Verletzlichkeit symbolisiert und eine Hommage an die Mutter der Künstlerin darstellt.
TIPP 2: GUGGENEHEIM (INNEN)
Angelpunkt im Museum ist das 60 Meter hohe gläserne Atrium, von wo aus man in die unkonventionellen Ausstellungsräume gelangt, etwa in eine riesige Halle, die wie von einer gotischen Kathedrale inspiriert wirkt. Hier befindet sich die begehbare Installation aus sieben monumentalen Stahlskulpturen von Richard Serra. Das Museum, das eine eigene Reise rechtfertigt und längst zum Wahrzeichen geworden ist, ist ein Meisterwerk moderner Architektur, das hauptsächlich zeitgenössische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts beherbergt.
TIPP 3: ALTSTADT MIT KATHEDRALE
Das Guggenheim ist zwar das touristische Zugpferd – man spricht vom „Efecto Guggenheim“ -, aber die Altstadt ist keineswegs zu vernachlässigen. Das Angenehme: Bilbao, das etwa 350.000 Einwohner zählt (Großraum etwa eine Million), ist überschaubar und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Der Name der Catedral de Santiago macht schon deutlich, dass Bilbao eine Station am Pilgerweg nach Santiago de Compostela war und ist.
TIPP 4: SIEBEN GASSEN
In unmittelbarer Nähe der Kirche finden sich die „Sieben Gassen“ (Siete Calles), die aus dem 15. Jahrhundert stammen und den historischen Kern bilden.
TIPP 5: PINTXOS & TXAKOLI
Dort gibt es unzählige Bars, in denen man im Stehen die delikaten Pintxos genießt, übrigens zu Preisen, die positiv überraschen. Pintxos (sprich: Pintschoss) sind kleine Köstlichkeiten, die mit einem Zahnstocher fixiert sind, eine Art baskische Tapas. Dazu ist ein Glas Txakoli (sprich: Tschakoli), ein leichter trockener Weißwein aus dem Baskenland und Kantabrien zu empfehlen.
TIPP 6: MERCADO DE LA RIBERA
Wenn man sich wieder Richtung Nervión wendet, erreicht man den Mercado de la Ribera. Die Markthalle wurde 1929 in Form eines Schiffes erbaut und nach schweren Überschwemmungen 1983 innen modernisiert. Besucher schätzen das riesige Angebot von baskischen Produkten bzw. die Gastronomie, die hier auf 10.000 m2 untergebracht ist. Ein kulinarisches Paradies, ohne Zweifel.
TIPP 7: AUF DEN SPUREN DER STARARCHITEKTEN
Wer entlang des Flusses promeniert, dem fällt auch ein weiteres Symbol der Stadterneuerung ins Auge: die elegante weiße Fußgängerbrücke (Zubizuri-Brücke) von Santiago Calatrava.
TIPP 8: KULTURZENTRUM AZKUNA
Überhaupt hat man ein Faible für berühmte Architekten. Philippe Starck hat Akzente gesetzt und ein ehemaliges Weinlager in ein modernes Zentrum für zeitgenössische Kunst und Freizeit umgestaltet. Die drei Gebäude des heutigen Azkuna Zentroa stehen auf 43 Säulen, die von dem italienischen Bühnenbildner Lorenzo Baraldi entworfen wurden.
Wer in die Eingangshalle kommt, dem fällt auch das Schwimmbad auf, das auf der dritten Etage untergebracht ist und das man von unten sieht – der Boden ist durchsichtig, und so kann man schwimmende Personen erkennen.
TIPP 9: BOOTSFAHRT AUF DEM NERVIÓN
Auch von Zaha Hadid ist ein Gesamtkunstwerk im Werden. Auf einer Halbinsel im Fluss befindet sich seit Jahren die größte Baustelle von Bilbao, die man passiert, wenn man einen Bootsausflug unternimmt.
Bilbao begeistert, aber es lohnt sich unbedingt, länger zu bleiben, um das Baskenland und Kantabrien zu bereisen. Lesen Sie demnächst über die unter UNESCO-Welterbeschutz stehende Höhle von Altamira mit steinzeitlichen Höhlenmalereien, die mittelalterliche Stadt Santillana del Mar, das schicke Seebad San Sebastián, das Landhaus El Capricho von Antoni Gaudí in Comillas, warum in der Kathedrale von Santo Domingo de la Calzada Hühner leben, über die berühmte Weingegend Rioja Alavesa sowie über Gaztelugatxe, Drehort der Fernsehserie Game of Thrones.
TIPP 10: FÜR FUSSBALLFANS
Übrigens liegt auch das Stadion San Mamés, die Heimspielstätte des Erstligisten Athletic Bilbao, am Ufer des Nervión. Die Fassade wird durch ein dynamisches LED-System beleuchtet, das aus über 2700 weißen ETFE-Paneelen besteht.
TIPP 11: BISKAYA-BRÜCKE
Das Design-Konzept der U-Bahn von Bilbao wiederum geht auf Norman Foster zurück, der moderne Infrastruktur mit Ästhetik verbunden hat. Besonders auffällig sind die Zugänge, die „Fosteritos“ genannt werden.
Mit der U-Bahn kann man übrigens auch bis zum Atlantik (L1, Station Areeta in Getxo sowie L2, Station Portugalete) fahren und die Biskaya-Brücke, die zum UNESCO-Welterbe zählt, besichtigen. Der Puente de Vizcaya ist die älteste Schwebefähre der Welt, gilt als Meisterwerk des industriellen Eisenbaus und wurde von Alberto de Palacia, einem Schüler von Gustave Eiffel, entworfen.
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