Ein Viertel der Studierenden, die täglich Künstliche Intelligenz nutzen, schummelt bei Prüfungen, wie eine Studie zeigte. Seit der Einführung von ChatGPT gebe es zudem immer mehr sehr gute Noten. Experten warnen, es könnte in Zukunft immer schwieriger werden, akademische Standards zu bewahren.
Eine große Studie mit knapp 100.000 Studierenden von US-Unis brachte beunruhigende Ergebnisse. KI-unterstütztes Fehlverhalten sei „weder allgegenwärtig noch vernachlässigbar“, schreiben die Autoren im Fachjournal „Science“. Im Rahmen der Studie wurde 2024 eine repräsentative Stichprobe von 20 großen öffentlichen US-Universitäten befragt. Die Zahlen seien auch auf europäische Länder übertragbar.
Starker Anstieg bei guten Noten seit KI
Eine weitere kürzlich erschienene Studie zeigte außerdem, dass es seit der Verwendung von KI einen deutlichen Anstieg bei sehr guten Noten an Universitäten gibt. Nach der Verfügbarkeit von ChatGPT stieg der Anteil der Studierenden mit der Note „A“ in KI-gestützten Kursen im Vergleich zu Kursen mit geringer KI-Unterstützung um etwa 30 Prozent gegenüber dem Niveau vor ChatGPT. Um die „Noteninflation“ einzudämmen, wird ab Herbst 2027 etwa am Harvard College sogar eine Obergrenze für die bestmögliche Note eingeführt: Nur mehr 20 Prozent der Studierenden sollen pro Kurs ein „A“ erhalten.
KI-Nutzung mittlerweile weit verbreitet
Die Nutzung von KI ist unter Studierenden stark verbreitet: Zwei Drittel gaben an, im Studienjahr 2023/24 damit gearbeitet zu haben, 37 Prozent nutzten es regelmäßig (monatlich oder öfter). Das KI-gestützte Schummeln variiert je nach Fachbereich: Als Beispiele mit hohen Raten nennen die Forscher Wirtschaftswissenschaften, wo 17 Prozent der Studierenden mittels KI schummeln, und Journalismus (16 Prozent), während Biologie mit fünf Prozent zu den Fächern mit den niedrigsten Raten gehört. Zudem wurde festgestellt, dass Studierende mit niedrigen Einkommen, aus ethnisch unterrepräsentierten Gruppen sowie Frauen KI deutlich seltener nutzten.
„Problem wird in Zukunft noch stärker“
Die Autoren schätzen, dass 26 Prozent der täglichen KI-Nutzer bei Prüfungen mithilfe Künstlicher Intelligenz geschummelt haben. Bei jenen, die Künstliche Intelligenz gelegentlich nutzen, sind es nur sieben Prozent. Daraus lasse sich ableiten, „dass mit zunehmender Verbreitung von generativer KI das allgemeine Ausmaß des Schummelns noch steigen wird“, erklärte Ivan Smirnov, der an der Studie mitgewirkt hat. Für die Autoren deuten diese Ergebnisse darauf hin, „dass KI-unterstütztes Fehlverhalten weder allgegenwärtig noch vernachlässigbar ist“.
Experte: Ergebnisse aus den USA lassen sich auf Europa übertragen
Der Informatiker und Sozialwissenschafter Smirnov geht von „erheblichen Ähnlichkeiten bei den Erfahrungen und Praktiken der Studierenden“ in Europa aus. Angesichts der sehr großen Stichprobe aus den USA, einem Land mit äußerst vielfältiger und internationaler Studierendenschaft „glaube ich, dass unsere Schätzungen nicht nur für die USA, sondern auch für europäische Länder die besten verfügbaren sind“, so der Experte.
Herausforderungen für die Aufrechterhaltung akademischer Standards
Die Ergebnisse unterstreichen für die Autoren jedenfalls „erhebliche Herausforderungen für die Aufrechterhaltung akademischer Standards“. Bisher verwendete Bewertungsmethoden könnten in Zukunft weniger über die tatsächlichen Fähigkeiten der Studierenden aussagen. Da KI-Kompetenzen zunehmend auch im beruflichen Kontext gefragt sind, sollten Hochschulen „die Studierenden darauf vorbereiten, diese Werkzeuge verantwortungsbewusst zu nutzen und gleichzeitig glaubwürdige Methoden zur Beurteilung von Fähigkeiten zu bewahren.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.