Eierstockkrebs ist eine seltene Erkrankung und wird oft erst spät erkannt. Meist sind Frauen zwischen 55 und 65 Jahren davon betroffen. Welche Anzeichen auf die Krankheit hindeuten und wie die Diagnose sowie moderne Therapien verlaufen, erklärt der Gynäkologe Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christoph Grimm vom AKH Wien.
Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist eine vergleichsweise seltene, bösartige Erkrankung und liegt nur an 14. Stelle in der Krebsstatistik. 8 von 1000 Frauen in Österreich sind davon betroffen (meist zwischen 55 und 65 Jahren), während das Lebenszeitrisiko für Brustkrebs bei etwa 14% liegt. Das Ovarialkarzinom ist dennoch nicht zu unterschätzen, weil es in rund 80 Prozent der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird.
„Dazu kommt es, weil es keine Möglichkeit der Früherkennung gibt“, erklärt Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christoph Grimm, Leiter Gynäkologische Onkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien. „Eine frühe Diagnose ist auch deshalb schwierig, weil Eierstockkrebs von den Eierstöcken, Eileitern oder dem Bauchfell ausgehen kann und sich zudem oft schnell in der gesamten Bauchhöhle verteilt.“
Beschwerden sind meist vieldeutig
Symptome, die mitunter auf die bösartige Erkrankung hindeuten, sind noch dazu sehr unspezifisch und treten erst spät auf. „Dazu zählen Flüssigkeit in der Bauchhöhle, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und ein aufgeblähter Bauch“, berichtet der Gynäkologe. Vor allem in der Menopause sollten diese Beschwerden rasch zum Facharzt führen. Zur genauen Abklärung sind nach der gynäkologischen Ultraschalluntersuchung weiterführende Untersuchungen wie z. B. eine Computertomographie oder ein PET-CT notwendig, um die Verteilung der Erkrankung zu ermitteln.
„Steht die Diagnose fest, müssen zuerst alle Tumorabsiedelungen operativ entfernt werden. Danach kommt Chemotherapie zum Einsatz, die im Körper verbliebene, nicht sichtbare Krebszellen zerstört“, erörtert Prof. Grimm. „Im Anschluss erhalten die Betroffenen über 1-3 Jahre Erhaltungstherapie, teilweise ergänzt durch antikörperbasierte Medikamente, um das Risiko für einen Rückfall zu mindern.“
Allerdings erkranken etwa 70 Prozent der Patientinnen innerhalb von fünf Jahren ein zweites Mal. Die Behandlung stützt sich auf die gleichen Säulen wie bei der Ersterkrankung. „Der größte Unterschied liegt dann in der Art der Therapie. Je größer das Intervall zwischen Erst- und erneuter Erkrankung ist, desto mehr ähnelt die Behandlung der Erstlinien-Therapie“, klärt der Facharzt auf.
Nahezu allen Patientinnen mit Eierstockkrebs wird eine Testung auf die Biomarker BRCA1 und BRCA2 empfohlen.

Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christoph Grimm, Leiter Gynäkologische Onkologie, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, AKH Wien
Bild: Ben Leitner
Test auf Biomarker für zielgerichtete Therapie
Eine große Rolle spielen dabei – von der Erstdiagnose an – sogenannte Biomarker (biologische Merkmale), die es ermöglichen, die Therapie zielgerichteter als früher zu gestalten. Ganz nach dem Motto: Welches Medikament passt am besten zur Patientin? „Nahezu allen Patientinnen mit Eierstockkrebs wird eine Testung auf die Biomarker BRCA1 und BRCA2 – Gene, die Krebserkrankungen wie z. B. Brustkrebs und Eierstockkrebs unterdrücken – empfohlen. Mutationen in diesen Genen erhöhen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Daher sollten sich bei einem auffälligen genetischen Befund sowohl weibliche als auch männliche Verwandte der Patientin testen lassen“, berichtet Prof. Grimm.
Ebenfalls relevant ist der sogenannte HRD-Test, der zeigt, ob die DNA-Reparaturmechanismen der Tumorzelle gestört sind. „Wenn sich diese Zellen nicht selbst reparieren können, sterben sie leichter ab. Es gibt bereits Medikamente, die geschickt verhindern, dass sich Tumorzellen regenerieren.“ Ein weiterer wichtiger Biomarker ist Folatrezeptor-alpha, dessen Bestimmung verwendet wird, um die Therapie im Rezidiv noch präziser zu gestalten.
Wie sieht die Prognose aus, wenn eine Frau ein zweites Mal erkrankt? „Da eine vollständige Heilung in diesem Stadium der Krebserkrankung leider zunehmend unwahrscheinlich wird, ist in diesem Fall das Ziel, der Patientin möglichst viele Jahre ohne Behandlung zu ermöglichen und den Eierstockkrebs so weit zurückzudrängen, dass er nicht mehr feststellbar ist“, erklärt der Gynäkologe.
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